Familiäre adenomatöse Polyposis

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Klassifikation nach ICD-10
D12 Gutartige Neubildung des Kolons, des Rektums, des Analkanals und des Anus
D12.6 Kolon, nicht näher bezeichnet
Polyposis coli (hereditär)
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Dickdarmschleimhaut mit zahlreichen Polypen bei einer Darmspiegelung

Die Familiäre adenomatöse Polyposis (syn. FAP, Polyposis coli) ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, bei der es zu einem massenhaften Befall des Dickdarms mit Polypen kommt. Unbehandelt liegt die Wahrscheinlichkeit der Entartung eines oder mehrerer dieser Polypen zu Darmkrebs bei nahezu 100 %.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Die Erkrankung ist selten. Es wird geschätzt, dass 5-10 von 100.000 Menschen von der Genmutation betroffen sind.[1][2]

Ursache[Bearbeiten]

Ursache der Erkrankung ist eine Keimbahnmutation des APC-Gens (Adenomatous Polyposis of the Colon). Eines der beiden Allele dieses auf Chromosom 5 5q21-q22 liegenden Tumorsuppressorgens ist dabei inaktiviert. Kommt nun noch eine weitere (somatische) Mutation hinzu, kann auch das andere Allel inaktiviert werden. Beim Gesunden bindet APC-Protein an β-Catenin und vermittelt über Ubiquitinylierung dessen Abbau im Proteasom. Kann β-Catenin nicht mehr ubiquitinyliert werden, enthalten die Zellen dadurch große Mengen an β-Catenin. Dieses transloziert in den Zellkern und wirkt dort gemeinsam mit anderen Faktoren als Transkriptionsfaktor. Dadurch wird das Zellwachstum gefördert und Telomerase gebildet, die Zellen immortalisiert (den Zelltod verhindert). Es kommt zu einem beschleunigten Ablauf der Adenom-Karzinom-Sequenz.

Klinische Erscheinungen[Bearbeiten]

Die Polypen des Dickdarms treten typischerweise im dritten Lebensjahrzehnt auf. Symptome folgen jedoch meist erst in der vierten Lebensdekade. Diese bestehen aus peranalen Blut- oder Schleimabgängen sowie Bauchschmerzen. Zum Zeitpunkt der ersten Symptome kann bereits ein invasives Karzinom bestehen. Ebenso finden sich häufig Polypen des Magens oder Zwölffingerdarms. Letztere besitzen ebenso eine Entartungstendenz.[3]

Untersuchungsmethoden[Bearbeiten]

Als frühestes Merkmal der Erkrankung ist bei der Geburt vorhandene Vermehrung des Pigmentepithels der Regenbogenhaut erkennbar. Zur sicheren Diagnosestellung sollten die Familienmitglieder per Darmspiegelung untersucht werden, da sie ebenso das typische Bild einer Vielzahl von Polypen zeigen.[4]

Therapie und Verlauf[Bearbeiten]

Durch eine vollständige Entfernung des Dickdarms kann die Entwicklung eines Dickdarmkarzinoms ausgeschlossen werden. Dabei wird ein Reservoir aus Anteilen des Ileums gebildet. Als Alternative kann eine unvollständige (subtotale) Dickdarmentfernung durchgeführt werden, bei der der Mastdarm erhalten bleibt. Dieser erreicht bezüglich Kontinenz und Lebensqualität bessere Ergebnisse. Allerdings kommt es in 10 % der Fälle zu einem Rektumkarzinom.[3]

In einigen Fällen treten allerdings Dünndarmkarzinome und progressiv wachsende Desmoidtumore auf.

Attenuierte familiäre adenomatöse Polyposis (aFAP)[Bearbeiten]

Die AFAP ist eine besondere Form der FAP. Sie ist eine mildere Form, bei der sich die klinische Symptomatik nicht so schnell entwickelt. Als Ursache werden Mutationen des APC-Gens, aber auch des MUTYH-Gens gefunden. Bei Patienten mit aFAP kommt es durchschnittlich erst ab dem 31. Lebensjahr zu Symptomen. Polypen sind ebenfalls weniger vorhanden und beschränken sich auf eine Anzahl von unter 100. Meist sind diese Polypen im aufsteigenden Dickdarm (Colon ascendens) zu finden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst-Dieter Becker, Werner Hohenberger, Theodor Junginger, Peter Michael Schlag (Hrsg.): Chirurgische Onkologie. Thieme, Stuttgart 2002, ISBN 3-13-126111-0.
  • E. J. Gardner: A genetic and clinical study of intestinal polyposis, a predisposing factor for carcinoma of the colon and rectum. In: Am J Hum Genet. 1951;3, S. 167–176. PMID 14902760
  • Polymnia Galiatsatos, William D. Foulkes: Familial Adenomatous Polyposis. In: American Journal of Gastroenterology. 2006, Am. Coll. of Gastroenterology, ISSN 0002-9270, S. 385–398.
  • V. Fendrich, D. K. Bartsch: Hereditäre gastrointestinale Neoplasien. In: Z Gastroenterol. 2005; 43, S. 219–225, Georg Thieme Verlag, Stuttgart/ New York, ISSN 0044-2771

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Piper : Innere Medizin. Heidelberg 2007, S. 378.
  2.  Gerd Herold: Innere Medizin : eine vorlesungsorientierte Darstellung. 2012 Auflage. Herold, Köln 2012, ISBN 978-3-9814660-1-0.
  3. a b Doris Henne-Bruns, Michael Dürig, Bernd Kremer: Chirurgie. 2. Auflage. Stuttgart 2003, S. 422–424.
  4. Rüdiger Siewert: Chirurgie. 8. Auflage. Heidelberg 2006, S. 619.
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