Feinschneiden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Feinschneiden ist ein Fertigungsverfahren zum spanlosen Trennen und, wahlweise, gleichzeitigem Umformen von Metall. Es erlaubt die Fertigung hochpräziser Teile. Im Gegensatz zum normalen Stanzen wird beim Feinschneiden das Rohmaterial der Schnittkontur folgend mittels einer sogenannten Ringzacke festgehalten. Erst dann schneidet ein Stempel mit der gewünschten Form das Metall. In Verbindung mit einem wesentlich verringerten Schneidspalt (ca. 0,5 % der Blechdicke) erreicht man einen zylindrischen Schnittanteil von bis zu 100 % der Blechdicke. Wahlweise können in weiteren Schritten innerhalb des gleichen Arbeitsganges Umformungen oder Prägungen am Metall vorgenommen werden. Deshalb wird immer mehr von Feinschneiden/Umformen (engl. fineblanking/forming) gesprochen.

Das Feinschneiden benötigt im Vergleich zum Normalschneiden eine dreifachwirkende Presse, die sich durch eine besonders hohe Führungsgenauigkeit des Stößels und einen steifen Pressenrahmen auszeichnet. Beim Feinschneiden wird das Werkstück über einen "Auswerfer" ins Werkzeug zurückgedrückt um anschließend über die sogenannte "Gegenhalterkraft" ausgestoßen und anschließend ausgeblasen bzw. ausgeräumt zu werden. Bei mechanischen Feinschneidpressen und kleinen Stanzteilen werden oft Hubzahlen > 120 Hub/min erreicht.

Geschichte[Bearbeiten]

Feinschneiden wurde 1920 in der Schweiz von Fritz Schiess erfunden und 1922 patentiert. Bis 2006 wurden von der Fritz Schiess AG über 6.300 Teile und Baugruppen nach Kundenwunsch hergestellt. Ab 1957 haben verschiedene Firmen, darunter auch der Werkzeugbauer Fritz Bösch, sich mit dem Thema Feinschneiden beschäftigt und es 1959 der industriellen Nutzung zugeführt. Aus einer Garagenfirma entstand das Unternehmen Feintool. Anfänglich wurden vorwiegend Präzisionsteile für mechanische Büromaschinen produziert. Nachdem dieser Markt mit dem Aufkommen von elektronischen Büromaschinen zerfiel, fand eine Ausweitung auf alle Gebiete statt, in welchen präzise Metallteile in hoher Stückzahl erforderlich sind. Wichtiger Anwender der Technologie ist die Automobilindustrie.

Technologie und Grenzen[Bearbeiten]

Die Feinschneidtechnologie eignet sich für fast alle Metallarten, in Dicken von 0,5–20 mm. Das Gewicht der geschnittenen Teile geht von 1 Gramm bis 3 kg. Einflussfaktoren für den erfolgreichen Einsatz der Technologie sind die Präzision der Werkzeuge und Kenntnisse der Verformungseigenschaften des verwendeten Metalls. Ein wesentliches Merkmal ist, dass die Teile präziser geschnitten und geformt werden können als beim bekannteren Stanzen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Birzer: Feinschneiden und Umformen. Wirtschaftliche Fertigung von Präzisionsteilen aus Blech. verlag moderne industrie, Landsberg am Lech 1996, ISBN 3-478-93154-1.