Flohfalle

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Flohfallen sind – insbesondere in früheren Zeiten übliche – Utensilien, um Flöhe zu fangen und unschädlich zu machen.
Flohpelzen wird eine ähnliche Verwendung nachgesagt.

Geschichte[Bearbeiten]

Junge Frau mit Flohpelz (1530-1535), Gemälde von Parmigianino

Eine Flohfalle war ein kleines Gehäuse mit Öffnungen, das vor allem in der Zeit des Barock von den Adligen am Körper getragen wurde, um damit Flöhe und anderes Ungeziefer zu fangen.

Die in der Renaissance von vornehmen Damen als modisches Beiwerk getragenen Zibellini, kleine Felle mit ausgearbeitetem Kopf, Schwanz und Pfoten und mit edlen Steinen verziert, wurden eventuell erst später als „Flohpelze“ ähnlich gedeutet.

Hintergrund[Bearbeiten]

Flohfalle in Ei-Form, sog. „Floh-Ei“ (vermutlich aus Coquilla-Nuss)

Flohfallen waren in der Epoche, in der sich selbst hohe Stände nur selten von Kopf bis Fuß wuschen oder badeten (Waschen galt als gesundheitsschädlich, siehe Badekultur), in gehobenen Kreisen recht verbreitet. Das Ungeziefer breitete sich vor allem nach dem Niedergang der Badehäuser in allen Bevölkerungsschichten aus; ein Zusammenhang mit der Hygiene wurde damals nicht gesehen.

Die Flohfallen wurden aus Elfenbein hergestellt, besaßen eine Öse zum Anhängen und waren wenige Zentimeter lang; die Form war unterschiedlich. In China waren sie schon sehr lange bekannt, das Bambus- oder Elfenbeinröhrchen wurde angewärmt und vor dem Schlafengehen im Bett platziert. Davon angelockt krochen die Wanzen etc. hinein, um dann in einem Eimer mit kochendem Wasser entsorgt zu werden.[1] Noch bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts waren aufwändigere Methoden in Anwendung. Die Behälter konnten aufgeschraubt werden, so dass ein kleiner Lappen hineingesteckt werden konnte, der mit Honig, Blut, Harz und auch mit verschiedenen Duftstoffen getränkt war, um die Flöhe anzuziehen. Gingen diese in die Falle, blieben sie dort kleben. Diese Behälter wurden unter der Kleidung und auch unter den damals üblichen Perücken bzw. Haarteilen oder um den Hals gehängt im Ausschnitt getragen.

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Kopf eines Zibellinos, fast gleich dem des Porträts von Veronese der Gräfin da Porto (etwa 1550-1559).
Countess Livia da Porto von Paolo Veronese
Entwurf zum Schmuck eines Flohpelzes, E. Hornack

Flohpelze[Bearbeiten]

Dem so genannten Flohpelz oder Flohpelzchen, aus dem Italienischen auch Zibellino (Zobel), der im Spätmittelalter und insbesondere in der Renaissance in Mode kam, wird eine ähnliche Wirkung nachgesagt. Insbesondere der Adel trug oft in Tierform ausgearbeitete Pelze aus Hermelinfell, Zobelfell, Iltisfell oder Marderfell.

Da die Flöhe auf Körperwärme und nicht auf Haare reagieren, spricht einiges dafür, dass dem vornehmlich in der Hand zu tragenden Pelz die Wirkung als Flohfalle erst nachträglich zugesprochen wurde.[2] 1467 werden Flohpelze im Inventar von Karl dem Kühnen von Burgund genannt.

Die edelsten Exemplare wurden aus ganzen Fellen in Tierform über der Kleidung getragen, oft mit zusätzlichem Schmuck versehen. Ein Gemälde von Parmigianino zeigt eine italienische Patrizierin um 1540 mit einem Zibellino über der Schulter; insgesamt sind über dreißig Abbildungen bekannt, davon keine von einem Mann mit Flohpelz.[1] Die Mode der sogenannten „Pelzkolliers“ mit ausgearbeiteten Köpfen und am Fell belassenen Pfoten und Schwänzen war ohne den Hintergedanken an den Flohfang im neunzehnten Jahrhunderts sehr stark verbreitet und wird seitdem immer wieder aufgegriffen. Bis in die 1960er Jahre war für einfellige Kolliers (in Österreich auch Kolett[3]) noch der Begriff Würger im Gebrauch.[4]

Eine andere Deutung ist ein Zusammenhang des Gebrauchs der Flohfelle mit der griechischen Mythologie.[2] Ikonographisch wurde dies der schwierigen Geburt des Herkules als illegitimem Sohnes des Zeus zugeordnet. Die Magd der Alkmene, Galanthis, hatte mit einer Lüge entgegen dem Willen der Hera die Wehen der Mutter des Helden verkürzt. Sie wurde deswegen von Eileithyia in ein Wiesel verwandelt und dazu verdammt, ihre Kinder aus dem Mund zu gebären und im Ohr zu empfangen. Die Darstellungen von Frauen mit Flohfellen sind dementsprechend oft mit der Geburt eines Kindes von hohem Rang verbunden[2] und entbehren nicht einer gewissen Koketterie mit weiblicher Macht und Unabhängigkeit.[5]

Quellenangaben und Literatur[Bearbeiten]

  1. a b Francis Weiss: Der Flohpelz – eine kitzlige Sache. In: Pelz International. 32. Jg., April 1979, ISSN 0171-533X, S. 178, 180, 182.
  2. a b c Tawny Sherrill: Fleas, Fur, and Fashion: „Zibellini“ as Luxury Accessories of the Renaissance. In: Robin Netherton, Gale R. Owen-Crocker (Hrsg.): Medieval clothing and textiles. Band 2. Boydell Press, Woodbridge u. a. 2006, ISBN 1-84383-203-8, S. 121–150 (englisch).
  3. Alexander Tuma jun: Die Praxis des Kürschners. Verlag von Julius Springer, Wien 1928, S. 262.
  4. Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde. Band 21: Rauhwarenhandel – Zyperkatze. Verlag Alexander Tuma, Wien 1951, Suchwort: Würger.
  5. Julia V. Emberley: Venus and furs. The cultural politics of fur. I. B. Tauris, London 1998, ISBN 1-86064-230-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flohpelze und Pelzkolliers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien