Flöhe

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Flöhe
Katzenfloh (Ctenocephalides felis) unter dem Mikroskop

Katzenfloh (Ctenocephalides felis) unter dem Mikroskop

Systematik
Überklasse: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Fluginsekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Flöhe
Wissenschaftlicher Name
Siphonaptera
Latreille, 1825

Flöhe (Siphonaptera) bilden eine Ordnung in der Klasse der Insekten und gehören zur Gruppe der holometabolen Insekten. Von den etwa 2400 Arten der Flöhe sind etwa 70 Arten in Mitteleuropa nachgewiesen. Die Tiere zählen zu den Parasiten. Sie erreichen eine Länge von 1,5 bis 4,5 Millimetern. Die größte Art ist der Maulwurfsfloh (Hystrichopsylla talpae Curtis, 1826), der auf dem Europäischen Maulwurf (Talpa europaea Linnaeus, 1758) parasitiert.

Merkmale[Bearbeiten]

Flöhe besitzen keine Flügel. Dies erklärt den zweiten Teil des wissenschaftlichen Namens, der sich aus altgriechisch σίφων síphōn ‚Röhre, Heber, Spritze‘ sowie ἄπτερος ápteros ‚ungeflügelt‘ zusammensetzt.[1][2] Stattdessen haben sie aber zur schnellen Fortbewegung kräftige Hinterbeine, die ihnen weite Sprünge von fast einem Meter erlauben. Die Schnellbewegung der Sprungbeine gilt als eine der schnellsten Bewegungen im gesamten Tierreich. Um diese zu erreichen, würde die Kontraktionsgeschwindigkeit der Muskeln nicht ausreichen. Daher besitzen Flöhe in ihren Beinen sogenannte Resilinpolster: Resilin ist ein elastisches Protein, welches vor dem Sprung wie ein Bogen gespannt werden kann und dem Floh auf diese Weise sehr weite und hohe Sprünge ermöglicht. Der Sprung eines Flohs ist ungerichtet.

Charakteristisch für Flöhe ist ihr seitlich abgeplatteter Körper, der es ihnen erleichtert, sich im Fell zwischen den Haaren fortzubewegen. Flöhe besitzen keine Facettenaugen, sondern ein Paar einlinsige Punktaugen. Die Mundwerkzeuge sind zu einem kombinierten Stech- und Saugrüssel umfunktioniert (daher der erste Teil des wissenschaftlichen Namens dieser Ordnung: siphon, griech. „Rohr, Röhre“[2]). Beim Saugen führt der Floh einen regelrechten Kopfstand aus.

Flöhe besitzen einen sehr harten Chitinpanzer, der es sehr schwer macht, sie zu zerdrücken. Ein Zerreiben ist hingegen eher möglich, man kann sie aber mit dem Fingernagel zerknacken. Am Körper und an den Beinen haben sie nach hinten gerichtete Borsten und Zahnkämme (Ctenidien), die es – zusammen mit den Krallen an den Beinen – schwer machen, Flöhe aus den Haaren zu kämmen.

Lebensweise[Bearbeiten]

Flöhe sind Parasiten, die von warmblütigen Tieren leben, wobei 94 Prozent aller Arten auf Säugetieren parasitieren und etwa 6 Prozent auf Vögeln. Flöhe haben zwar Vorlieben für bestimmte Wirtstiere, sind aber nicht ausschließlich auf diese angewiesen. Vielmehr scheinen Flöhe eine größere Bindung zu ihren Nestern (Tiernester, aber auch Polster, s. u.) zu haben als zu ihren Wirten.

Flohlarve

Somit wird der Mensch auch von anderen Floharten als dem Menschenfloh (Pulex irritans Linnaeus, 1758) befallen. Haustierbesitzer sollten auch um ihrer eigenen Gesundheit willen darauf achten, dass ihre Tiere frei von Flöhen sind.

Flöhe werden durch das Kohlenstoffdioxid der Atemluft, Wärme und Bewegung von Tieren angelockt. Nach einer üppigen Mahlzeit kommen Flöhe bis zu zwei Monate ohne Nahrung aus.

In Wohnungen fühlen sich Flöhe in Teppichen und Polstermöbeln wohl, wo sie auch die meiste Zeit verbringen. Nur zum Blutsaugen suchen sie den Menschen auf.[3]

Ein Floh kann maximal 1½ Jahre alt werden. Die Lebensdauer des ausgewachsenen Rattenflohs beträgt fünf bis sechs Wochen. Die Larvenentwicklung dauert je nach Temperatur acht Tage (warme Zimmertemperatur) bis zu einem Jahr. Es gibt drei Larvenstadien und ein ruhendes Puppenstadium.[4]

Nach ihrem Verhalten werden die Flöhe in zwei Gruppen eingeteilt: Nestflöhe und Pelzflöhe. Die Nestflöhe bleiben stationär in der Nähe des Schlafplatzes ihres Wirtes in dunkler und trockener Umgebung. Sie kommen des Nachts aus ihrem Versteck, befallen den Wirt und verschwinden wieder im Versteck, wo sie ihre Eier legen. Sie sind extrem lichtscheu und lieben keine Ortsveränderung. Man findet sie daher nur sehr selten auf Kleidung, die in Gebrauch ist. Kennzeichnend ist, dass der Wirt wahllos über den ganzen Körper von Bissen befallen ist. Bekanntester Vertreter ist der Menschenfloh, der sich tagsüber an den dunklen Stellen des Bettes aufhält. Die Pelzflöhe hingegen bleiben auf ihrem Wirt sitzen und wandern mit ihm mit. Sie vertragen daher Licht ohne weiteres sehr gut, springen auch Menschen an und setzen sich in deren Kleidung fest. Aber Menschenblut nehmen sie nur ausnahmsweise, wenn keine Ratten mehr zur Verfügung stehen.

Die Larven der Flöhe ernähren sich meist von zerfallenden organischen Stoffen in der Nähe ihrer späteren Wirte. Zur Nahrung kann deshalb auch der Kot der erwachsenen Flöhe zählen.[4]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Fortpflanzung setzt einen bestimmten Temperaturbereich voraus. Fällt die Temperatur auf 5 °C und darunter, wird die Fortpflanzung eingestellt, bereits unter 10 °C nimmt sie signifikant ab. Das bedeutet aber nicht, dass sich Flöhe in den gemäßigten und nördlichen Breiten im Winter nicht vermehren. Sie pflanzen sich dort in Wohnungen und Ställen das ganze Jahr über fort.

Die Männchen besitzen spezielle Klammerorgane, die sie bei der Kopulation einsetzen. Das Weibchen legt die relativ großen Eier in Eipaketen zu etwa 10 Stück ab und muss zwischendurch immer wieder neue Nahrung zu sich nehmen. Während ihres Lebens können Weibchen etwa 400 Eier legen. Die Larven besitzen weder Beine noch Augen und sind mit Borsten bedeckt. Die Entwicklung verläuft im Nest des Wirtes und dauert etwa zwei bis vier Wochen. Dabei ernähren sich die Larven von den Ausscheidungen der erwachsenen Tiere. Da es sich hierbei um eingetrocknetes Blut handelt, lässt sich anhand dieses Flohkotes ein Befall effektiv nachweisen. Hierzu werden die mittels eines Flohkammes ausgekämmten Bestandteile auf eine weiße saugfähige Unterlage (Zellstoff, Kissenbezug oder Ähnliches) gegeben und leicht befeuchtet. Durch seinen Blutgehalt wischt die Ausscheidung des Parasiten rötlich aus.

Schadwirkung beim Menschen[Bearbeiten]

Flohbisse
Mehrfacher Flohbiss beim Menschen, aufgekratzt und leicht entzündet

Springt ein Vertreter dieser Arten auf den Menschen über, so verursacht er dort durch seinen Stich eine kleine Wunde mit einem mehr oder minder intensiven und großflächigen Juckreiz, welcher in der Regel dazu führt, dass die Menschen nachts unbemerkt daran kratzen. Das Ergebnis sind offene Stellen in der Haut, die sich auch entzünden können. Charakteristisch ist, dass die Stiche fast immer in Reihen liegen, weil die Flöhe leicht irritiert werden bzw. Probestiche vornehmen.[3]

Durch Flohstiche können Bakterien (z. B. Streptokokken und Staphylokokken) übertragen werden, welche möglicherweise verstärkt durch das Kratzen bei Juckreiz zu Entzündungen an der Stichstelle führen.[5]

Der Menschenfloh (Pulex irritans) kann in seltenen Fällen durch seinen Stich/Biss die Pest auf mechanischem Wege übertragen. Speziell der Rattenfloh (Xenopsylla cheopis), der Pestfloh, ist durch seinen Stich/Biss schon lange als biologischer Überträger der Pest bekannt (siehe auch Infektionsweg). Hunde- und Katzenflöhe bleiben in der Regel auf ihren üblichen Wirten, doch bei engerem Zusammenleben gehen sie auch gerne auf den Menschen über.[6]

Von tropischen Floharten können die Erreger von Pest, Tularämie und murinem bzw. endemischem Fleckfieber (Erreger: Bakterium Rickettsia mooseri, Vektor: in erster Linie Ratten- und flohähnliche Mäuseflöhe (Leptinus testaceus) Mueller) übertragen werden. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei diesen Flöhen nicht möglich.

Bekämpfung[Bearbeiten]

Linke Bildhälfte: ausgekämmter Flohkot; rechte Bildhälfte: rötliches Auswischen des befeuchteten Flohkotes

Gegen adulte Flöhe bei Tieren gibt zahlreiche Wirkstoffe, die entweder zur äußeren (Spray, Spot-on, Puder, Halsband) oder zur inneren Anwendung bestimmt sind. Äußerlich werden Insektizide wie Fipronil, Imidacloprid, Metaflumizon, Nitenpyram, Selamectin angewendet. Zur inneren Anwendung in Tablettenform sind Wirkstoffe wie Fluralaner oder Spinosad geeignet. Zur Verhinderung der Larvenentwicklung eignen sich Chitininhibitoren wie Lufenuron.[7]

Darüber hinaus sollte eine Behandlung der Umgebung des Tieres, vor allem des Liegeplatzes und bevorzugter Aufenthaltsorte, erfolgen, da sich Flöhe nicht permanent auf dem Tier aufhalten und die Wirksamkeit der am Tier angewendeten Wirkstoffe auf diesen Teil der Flohpopulation begrenzt ist.[8] Die Umgebungsbehandlung erfolgt durch regelmäßiges Wischen, Staubsaugen und Waschen von Decken und Teppichen, unterstützt durch eine chemische Flohbekämpfung mit Chlorpyrifos, Permethrin, Propoxur, Fenoxycarb, Methopren bzw. Kombinationen dieser Wirkstoffe.

Flöhe als Attraktion[Bearbeiten]

Noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts waren Flohzirkusse eine große Attraktion. Gewöhnlich wurden Menschenflöhe (Pulex irritans) als „Artisten“ eingesetzt. Weibliche Tiere wurden bevorzugt, da sie größer und sowohl für das Publikum als auch den Dompteur besser sichtbar sind.[9] Der Marburger Gelehrte Otto Philipp Zaunschliffer schrieb humoristische Werke über Flöhe. Ebenso hat der Orientalist Enno Littmann durch seine kleine Sammlung von Geschichten und Liedern über den Floh (Vom morgenländischen Floh. Dichtung und Wahrheit über den Floh bei Hebräern, Syriern, Arabern, Abessiniern und Türken, Leipzig 1925) dem Tier eine amüsante Schrift gewidmet.

Systematik der Flöhe[Bearbeiten]

Flohsucherin, Giuseppe Maria Crespi, um 1709

Die in Deutschland vorkommenden Arten der Flöhe werden sechs Familien in vier Überfamilien zugeordnet:

Ordnung (Ordo)

  • Überfamilie (Superfamilia)
    • Familie (Familia)
      • Art (Spezies)

Flöhe

Fossile Belege[Bearbeiten]

Fossile Flöhe sind aus der Unterkreide Australiens und dem Tertiär bekannt.[10] Während einige morphologische Merkmale des unterkreidzeitlichen Flohs noch deutliche Unterschiede zu seinen rezenten Verwandten aufweisen, sind die wenigen (Stand 2009: 2 Exemplare) Flöhe aus dem eozänen Baltischen Bernstein (Palaeopsylla klebsiane Dampf) den heutigen Vertretern ihrer Gattung sehr ähnlich. Als deren Wirte werden, wie auch bei rezenten Vertretern dieser Gattung, die im Tertiär weit verbreiteten kleinen Insektenfresser, wie Spitzmäuse oder Maulwürfe, angesehen. Weitere drei Exemplare sind in dem etwas jüngeren Dominikanischen Bernstein gefunden worden.[11]

Sprichwörter, Redensarten, Metaphern[Bearbeiten]

Die über lange Zeiten große Nähe der Menschen zu diesen kleinen Quälgeistern führte zu zahlreichen Sprichwörtern, Sprachbildern und Ausdrücken:

  • Der Floh ärgert den Löwen mehr als der Löwe den Floh.
  • Ein morgens geborener Floh ist mittags schon Großmutter. (aus Frankreich: Üble Nachrede verbreitet sich rasend.)
  • Jemandem einen Floh ins Ohr setzen (= ihm ein Vorhaben suggerieren)
  • (Einen) Sack Flöhe (hüten zu müssen) (= eine überkomplizierte Aufgabe bekommen zu haben)
  • Die Flöhe husten hören (eine hohe (auch eingebildete) Fähigkeit zur Vorahnung)
  • Ein lästiger Floh, lästig wie ein Floh
  • Flohzirkus (wie „Affenzirkus“ – ein großes Durcheinander)
  • (noch im 19. Jahrhundert für Stoffe ganz gebräuchlich:) flohfarben (= schwarzbraun)[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flöhe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. G. Freytag Verlag / Hölder-Pichler-Tempsky, München/Wien 1965.
  2. a b Siphonaptera: Fleas
  3. a b Quarks & Co: Quarks & Co – WDR Fernsehen
  4. a b Stefan von Keler: Entomologisches Wörterbuch. Akademie Verlag, Berlin 1963.
  5. Parasiten-Floh
  6. Krankheiten – Der Floh
  7. Christian Epe, Monika Linek: Flohbefall und FAD bei Hund und Katze. In: Der praktische Tierarzt. Nr. 88, 2007, Supplement 1, S. 8–14.
  8. L.J. Fourie et al.: Control of immature stages of the flea Ctenocephalides felis (Bouche) in carpets exposed to cats treated with imidacloprid. J S Afr Vet Assoc. 2000 Dec;71(4):219-221. PMID 11212931
  9. May R. Berenbaum: Blutsauger, Staatsgründer, Seidenfabrikanten – Die zwiespältige Beziehung von Mensch und Insekt. Aus dem Englischen übersetzt von Jorunn Wissmann (Bugs in the System. Insects and their Impact on Human Affairs). Elsevier, München 2004, ISBN 3-8274-1519-5.
  10. A.H. Müller: Lehrbuch der Paläozoologie, Band II: Invertebraten, Teil 3. Jena 1978.
  11. S. Ritzkowski: Curiosities in Baltic amber from the Königsberg amber collections, now in the Göttingen collection. In: Amber – views – opinions. Warschau 2006.
  12. Jacob u. Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Bd. 3. dtv, München 1984, ISBN 3-423-05945-1, Sp. 1814.