Friedrich von der Decken

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Dieser Artikel beschreibt den Generalfeldzeugmeister; für den Minister, siehe Friedrich von der Decken (1802–1881), für den Generalmajor, siehe Friedrich von der Decken (Generalmajor) für den Abgeordneten von Mecklenburg, siehe Friedrich von der Decken (Melkof).
Friedrich von der Decken. Im Hintergrund des Gemäldes wurde nachträglich das Schloss Ringelheim ergänzt.
Antoinette von der Decken geb. von Gruben

Johann Friedrich Graf von der Decken (* 25. Mai 1769 in Langwedel (Weser); † 22. Mai 1840 in Ringelheim) war ein hannoverscher Generalfeldzeugmeister im Napoleonischen Krieg und Diplomat.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich von der Decken entstammt dem alten niedersächsischen Adelsgeschlecht von der Decken, aus dem viele hannoversche Offiziere kamen. 1784 trat er in die Armee ein. Er nahm am Ersten Koalitionskrieg 1793-95 teil. Decken wurde 1796 Oberadjudant des Herzogs Adolph Friedrich von Cambridge, dem er Vorlesungen über Mathematik und Geschichte hielt. 1803 trat Decken während der französischen Besatzung des Kurfürstentums Hannover in den diplomatischen Dienst. Am 28. Juli 1803 begann er, für die britische Krone ausländische Soldaten zu werben und gründete damit die King’s German Legion, mit der er 1805 und 1807 im Krieg zwischen Großbritannien und Frankreich eingesetzt wurde.[1]

Er wurde 1808 als Diplomat und Militärberater nach Spanien und Portugal geschickt, um Truppen gegen Frankreich auszuheben. Anschließend kehrte er nach Großbritannien zurück. Zuletzt organisierte er 1815 ein hannoversches Regiment gegen Frankreich.

Nach dem Krieg führte von der Decken die Oberaufsicht über die neugegründete Artillerie- und Ingenieurschule in Hannover,[2] lehnte militärische Auszeichnungen der Niederlande und Preußens ab, wurde aber 1833 vom englisch-hannoverschen König Wilhelm IV. (von 1714 bis 1837 dauerte die Personalunion von Hannover und Großbritannien) in den erblichen Grafenstand erhoben.[3] 1817 erwarb er das ehemalige Benedikterkloster in Ringelheim und baute Schloss und Park zu seinem Landgut aus, auf dem er ab 1833 seinen Ruhestand verbrachte.[4][5] Zuletzt gründete er 1835 den Historischen Verein für Niedersachsen und übernahm die Präsidentschaft.[1]

Von der Decken galt als ein Freund des preußischen Militärreformers Gerhard von Scharnhorst. Die beiden gaben ein militärisches Journal heraus.[6][7]

Friedrich heiratete 1806 Antoinette von Gruben (1781–1855). Sie war Erbin von Wechtern VI, dem heutigen Deckenhausen, in Krummendeich. Ihre Kinder waren Adolphus, der Erbe von Ringelheim, George Ayhsford, der Erbe von Deckenhausen, und Juliane. Juliane heiratete Ludwig Frhr. von Minningerode (1806–1853).[8][9]

Werke[Bearbeiten]

Helgoland, Blick vom Pinneberg 1826 aus dem Buch von Friedrich v. der Decken
Helgoland, Blick von der Düne 1826 aus dem Buch von Friedrich v. der Decken
Schloss Ringelheim erwarb Friedrich von der Decken 1817
Das Wappen der Grafen von der Decken Ringelheim. Der primogene Grafentitel wurde 1833 an Friedrich von der Decken verliehen, für den Aufbau der Kings German Legion und für seine Verdienste im Kampf gegen Napoleon.


  • Neues Militärisches Journal, seit 1797 Militärische Denkwürdigkeiten unserer Zeiten ... 13 Bände 1788-1805, von der Decken schrieb wenigstens 16 Artikel im NMJ (1797-1803), seine Artikel sind mit v.D. unterzeichnet. Herausgeber waren die Freunde Scharnhorst und von der Decken.
  • Betrachtungen über das Verhältnis des Kriegsstandes zu dem Zwecke der Staaten, Hannover 1800, Neudruck Biblio Verlag Osnabrück 1982 mit einer Einführung von Joachim Niemeyer
  • Philosophisch-historisch-geographische Untersuchungen über die Insel Helgoland oder Heiligeland und ihre Bewohner, Schuster Leer 1978, Unveränderter Nachdruck der Ausgabe Hannover 1826 mit einer biographischen Notiz online
  • Versuch über den englischen Nationalcharakter, Hannover 2. Auflage 1817 online
  • Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg. Beiträge zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges, nach Originalquellen des Königlichen Archivs zu Hannover. 4 Bände. Hannover: Hahn 1833-1834. wikisource online
  • Beiträge zur hannoverschen Geschichte unter der Regierung Herzogs Georg Wilhelm 1649 - 1665, Hannover Hahn 1839 wikisource online
  • Nachrichten von der Familie von der Decken (Stammtafeln ...), Hannover: Jänecke 1836 Worldcat: Bibliotheken, die das Buch haben
  • Übersicht meiner litterarischen Tätigkeit, geschrieben 1837 6 Seiten Preußisches Geheimes Staatsarchiv Berlin im Nachlaß v.Priesdorff Rep.92 und Abdruck in Blätter der Familie von der Decken Nr. 4 und 5 1922/1924
  • weitere Werke und Aufsätze siehe: Wilhelm von der Decken, Die Familie von der Decken in ihren verschiedenen Verhältnissen ..., 1865 Abschnitt VI. S. 149 Druckschriften, welche Mitglieder der Familie zu Verfassern haben.

Literatur[Bearbeiten]

Gerhard von Scharnhorst war Ausbilder und Freund von Friedrich von der Decken, zusammen waren sie die Herausgeber der Zeitschrift Neues Militärisches Journal, Gemälde von Friedrich Bury
  • Joachim Niemeyer, Scharnhorst-Briefe an Friedrich von der Decken 1803-1813, Dümmler Bonn 1987 Online-Suche
  • Gerhard Johann David von Scharnhorst und Tilman Stieve, Private und dienstliche Schriften: Generalstabsoffizier zwischen Krise und Reform (Preussen 1804-1807), 2007 896 S. - online
  • Mijndert Bertram, Der „Mondminister“ und „General Killjoy“. Ein Machtkampf im Hintergrund der Ernennung des Herzogs Adolph Friedrich von Cambridge zum Generalgouverneur von Hannover (1813-1816), in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd. 65 (1993), S. 213-262 (der Mondminister ist Graf Münster und General Killjoy=Spaßverderber ist Graf Friedrich von der Decken) Inhaltsverzeichnis vom Jahrbuch 1993
  • Richard W. Fox, Konservative Anpassung an die Revolution: Friedrich von der Decken und die hannoversche Militärreform 1789-1820, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte (NsJbLG) 45, 1973, S. 171-274 (Auszüge aus der Dr-Arbeit) Inhaltsverzeichnis vom Jahrbuch 1973
  • Armgard von Reden-Dohna, Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim, 1996 S. 243-253
  • Herwart und Tassilo von der Decken: Stammtafeln der Familie von der Decken, 1994 S. 34
  • Thassilo von der Decken, Claudia Bei der Wieden: Güter und Höfe der Familie von der Decken. Stade 1998 S. 185, 250, 305, 359 und 398.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Richard Drögereit: Decken, Johann Friedrich Graf von der. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 544 f. (Digitalisat) S. 544.
  2. Lars Ulrich Scholl: Artillerie- und Ingenieurschule 1814 bis 1834. In: Ingenieure in der Frühindustrialisierung …. S. 58 f., online
  3. Nach einem Beschluss des Deutschen Adelsrechtsausschusses von 2012 wird der Grafentitel fortgeführt von dem im ehelichen Mannesstamme von Johann Friedrich von der Decken abstammenden Primogenitus. Die Vererbung des Titels ist nicht an den Besitz von einem Gut geknüpft. Die Erstgeburtstitel werden seit 1919 nicht als Bestandteil des bürgerlichen Nachnamens vererbt wie andere Adelstitel in Deutschland. Diese Erstgeburtstitel des „historischen Adels“ werden nur im Genealogisches Handbuch des Adels fortgeführt. Die Reihenfolge der Grafen zum Titel von 1833 ist: 1. Graf Johann Friedrich hannoverscher Generalfeldzeugmeister (1769-1840) - 2. Graf Adolphus (1807-1886) Mitglied im hannoverschen Staatsrat - 3. Graf George Abgeordneter im Deutschen Reichstag (1836-1898) - 4. Graf Ernst August Journalist in London (1867-1934) - 5. Graf Guido vermißt in Rußland (1923-1944) - 6. Graf Johann Georg Landwirt in Benz (1912-1998) - 7. Graf Albrecht Dipl. Phys. & Dipl. Kaufm. in Hamburg (1945- ) - 19 patrilineare Nachfolger leben zur Zeit in Benzerhof, Deckenhausen, Panker, Döse, etc.
  4. Dirk Schaper: Bürgerverein Ringelheim Schloß Ringelheim
  5. Acten-Stücke der fünften allgemeinen Ständeversammlung des Königreichs Hannover 1866 Band mit den Akten des Jahres 1834 Urkunden No 114 und 115 S. 781 Graf Friedrich von der Decken errichtet 1834 ein Fideikommiss mit dem Gut Ringelheim und dem Vorwerk Söderhof und erhält Sitz und Stimme in der ersten Kammer der Ständeversammlung.
  6. Neues Militärisches Journal, seit 1797 Militärische Denkwürdigkeiten unserer Zeiten … 13 Bände 1788-1805, von der Decken schrieb wenigstens 16 Artikel im NMJ (1797-1803), seine Artikel sind mit v.D. unterzeichnet.
  7. Joachim Niemeyer: Scharnhorst-Briefe an Friedrich von der Decken 1803-1813, Dümmler Bonn 1987, S. 9.
  8. Genealogische Datenbank Roglo, dort die Nachfahren von Graf Johann Friedrich und seiner Gemahlin Antoinette von Gruben mit ihren Söhnen (dort fehlt die Tochter Juliane)
  9. Prof. Herbert Stoyan WW-Person online: Graf Johann Friedrich von der Decken und seine Gemahlin Antoinette von Gruben mit ihren Söhnen (dort fehlt die Tochter Juliane)