Genetische Assimilation

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Genetische Assimilation ist ein von Conrad Hal Waddington 1953 erstmals verwendeter Begriff in der Evolutionsbiologie.[1] Gemeint ist „die genetische Fixierung einer adaptiven plastischen Antwort im Genom“.[2] Nimmt die phänotypische Plastizität ab, spricht Gilbert von genetischer Assimilation, nimmt sie zu von genetischer Akkommodation.[3]

Der genetischen Assimilation geht die phänotypische Variation in der Entwicklung (Ontogenese) voraus. Dieser folgt epigenetische Assimilation, dann die genetische Assimilation. Im Zusammenhang mit der Entstehung von phänotypischen Innovationen sprechen Müller/Newman sinngemäß davon, dass die Vorgänge als mehrfach zu durchlaufende Prozesskette verstanden werden müssen: "Genetische Integration stabilisiert und bestimmt zunehmend den generativen Prozess, der in einem immer engeren Mapping zwischen Genotyp und Phänotyp resultiert"[4]

Kritik[Bearbeiten]

In einer gemeinsamen Stellungnahme gegen die Begriffs-Initiative "Extended Evolutionary Synthesis, EES" (Erweiterte Synthese in der Evolutionstheorie) veröffentlichten im Jahre 2014 sieben Biologen folgende Einschätzung zum Begriff Genetische Assimilation:

"Vor über 50 Jahren beschrieb der Entwicklungsbiologe Conrad Waddington einen Prozess, den er genetische Assimilation nannte. Dabei können neue Mutationen eine plastische Eigenschaft in eine andere umwandeln, die sich im Folgenden auch ohne die spezifische Ursache ausbildet. Außerhalb vom Labor gibt es dafür nur wenige Beispiele. Ob dies nun daran liegt, dass dieses Phänomen bisher nicht ernsthaft beachtet wurde, oder ob es sich um eine echte Rarität in der Natur handelt, können wir nur durch weitere Untersuchungen herausfinden."[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Waddington (1953)
  2. Gilbert & Epel (2009), S. 447
  3. Gilbert & Epel (2009), S. 384
  4. Müller & Newman (2005), S. 494
  5. K. Laland, T. Uller, M. Feldman, K. Sterelny, G. B. Müller, A. Moczek, E. Jablonka, J. Odling-Smee, G. A. Wray, H. E. Hoekstra, D. J. Futuyma, R. E. Lenski, T. F. Mackay, D. Schluter, J. E. Strassmann: Does evolutionary theory need a rethink? In: Nature. Band 514, Nummer 7521, Oktober 2014, ISSN 1476-4687, S. 161–164, doi:10.1038/514161a, PMID 25297418. Deutsche Übersetzung

Literatur[Bearbeiten]

  • Gilbert, Scott F. & Epel, David: Ecological Development Biology - Integrating Epigenetics, Medicine, and Evolution. Sinauer 2009, S. 377-379 (Genetische Assimilation im Labor), 379-382 (Genetische Assimilation in der Natur), Box S. 380 (Schwellwerteffekt genetischer Assimilation) und Box S. 383 (Epigenetische Assimilation mit Hsp90).
  • Jablonka, Eva & Lamb, Marion J.: Transgenerational Epigenetic Inheritance. S. 164 f. in Müller, Gerd & Pigliucci, Masasimo (Hrsg.): Evolution - the Extended Synthesis. MIT Press 2010.
  • Müller, Gerd & Newman, Stuart A.: The Innovation Triad: An EvoDevo Agenda. Journal of Experimental Zoology B (Molecular and Developmental Evolution). Bd. 304, Nr. 6, 2005, S. 487-503.
  • Waddington, Conrad Hal: Genetic Assimilation of an Acquired Charakter. Evolution. Bd. 7 Nr. 2, 1953, S. 118-126.
  • West-Eberhard, Mary Jane: Development Plasticity and Evolution. Oxford University Press 2005.