Gleisharfe

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Als Gleisharfe, auch Gleisfeld oder Gleisgruppe, bezeichnet man das harfenförmige Aufteilen eines oder weniger Stammgleise in mehrere, parallel verlaufende Gleise, zu finden bei vielgleisigen Bahnhöfen und besonders Rangierbahnhöfen.

Aufbau und Eigenschaften[Bearbeiten]

Doppelte Gleisharfe mit je einem links und einem rechts abzweigenden Stammgleis

Bei einer Gleisharfe werden die parallelen Gleise so angelegt, dass sie alle nacheinander von einem Stammgleis abzweigen, daher auch der Vergleich mit einer Harfe. Diese Anordnung hat folgende Eigenschaften:

  • Die Gleise haben verschiedene Nutzlängen. Je nach Anwendung kann das ein Vorteil sein (etwa bei Überholgleisen) oder ein Nachteil (i.d.R. bei Rangierbahnhöfen).
  • Die Gleise werden über verschieden viele Weichen erreicht, was unterschiedliche Laufzeiten der Wagen bis zum Freifahren der Gleisharfe ergibt. Das ist von Nachteil beim automatisierten Ablaufbetrieb eines Rangierbahnhofs mit Ablaufberg.
  • Der Verschleiß der Weichen ist extrem verschieden, da die letzten Weichen nur selten befahren werden.
  • Alle Weichen sind von derselben Bauform.
  • Alle Weichen können mit geradem Stammgleis und geradem Herzstück ausgeführt werden.
  • Der durchfahrene Bogen (der den gesamten Fahrwiderstand mitbestimmt) ist zweimal der Weichenwinkel.
Doppelte Gleisharfe auf dem Proviso Yard der Chicago and North Western Railway in Chicago, Illinois, USA im Dezember 1942

Der Begriff Gleisfeld wird auch als Bezeichnung einer gesamten, aus mehreren Gleisharfen bestehenden Gleisanlage benutzt.

Gleisbündel[Bearbeiten]

Gleisbündel der Richtungsgruppe des Rangierbahnhofs Kornwestheim

Statt Gleisharfen werden in modernen Rangierbahnhöfen in der Regel Gleisbündel[1] verwendet. Dabei werden von der ersten Weiche ausgehend in beide Zweige einer Weiche weitere Weichen eingelegt, bis die gewünschte Anzahl von Gleisen erreicht ist (es ergibt sich damit als Gleistopologie ein Binärbaum). Dadurch ergeben sich Richtungsgruppen oft mit einer Zweierpotenz (z. B. 64) als Anzahl der Gleise – wie in Richtung Süd-Nord von Maschen Rbf. Ein Gleisbündel erfordert i.d.R. die Anwendung von gebogenen Weichen, außerdem ist die Summe der durchfahrenen Bogen größer als bei der Gleisharfe. Dafür ist die Baulänge eines Gleisbündels signifikant kleiner.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Schümberg: Gleisplangestaltung. transpress, Berlin 1987, S.127