Gralsbewegung

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Sitz der Gralsbewegung in Deutschland, München[1]

Die Gralsbewegung ist eine religiöse Gruppierung, deren Anhänger sich am Werk „Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft“ von Abd-ru-shin (Oskar Ernst Bernhardt) orientieren. Die Gralsbewegung sieht sich nicht als Religion, was auch vom Autor des Buches nicht beabsichtigt war. Die „Gralsbotschaft“ soll in erster Linie eine Erklärung der Schöpfung bieten. Die internationale Gralsbewegung hat ihren Ursprung auf dem Vomperberg. Rechtsträger ist der „Verein zur Verwirklichung des Gralswissens von Abd-ru-shin, Vomperberg“ mit Sitz in Schwaz/ Tirol.

Synonyme und andere Sprachen[Bearbeiten]

Andere Bezeichnungen lauten Internationale Gralsbewegung, Stiftung zur Verbreitung der Gralsbotschaft, „naturphilosophische Vereine“, Verein zur Verwirklichung des Gralswissens von Abd-ru-shin. Englisch nennt sich die Bewegung Grail Movement, französisch Mouvement du Graal.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bewegung geht auf Oskar Ernst Bernhardt zurück, der unter dem Pseudonym Abd-ru-shin von 1925 bis 1930 mit den Gralsblättern erste religiöse Abhandlungen verfasste und öffentliche Vorträge mit religiösen Inhalten hielt. 1926 erschien mit Im Lichte der Wahrheit sein Hauptwerk. Eine Bewegung formierte sich nach Bernhardts Übersiedlung nach Tirol 1926 bzw. nach dem Erscheinen der Zeitschrift Der Ruf, die seine Ideen beförderte. 1929 entstand auf dem Vomperberg die Gralssiedlung, nachdem einige Anhänger von Bernhardts Ideen in dessen Umgebung leben wollten. Während der Zeit der Zugehörigkeit Österreichs zum Deutschen Reich von 1938 bis 1945 war die Siedlung zeitweise enteignet, kam aber nach dem Zweiten Weltkrieg an Bernhardts Witwe zurück. 1951 wurde dort eine Andachts- und Feierhalle errichtet.

1999 kam es wegen inhaltlicher, familiärer und finanzieller Auseinandersetzungen[2] zu einer Spaltung der Bewegung[3], in deren Folge Schwaz in Tirol, Österreich, Sitz der Leitung der zahlenmäßig größeren Internationalen Gralsbewegung wurde.

Weltweit gibt es etwa 23.000 Mitglieder, in Europa etwa 9.000.

Lehre[Bearbeiten]

Das Hauptwerk Bernhardts ist das Buch „Im Lichte der Wahrheit - Gralsbotschaft“. Kernpunkte seiner monotheistischen Lehre sind drei selbsttätig wirkende Schöpfungsgesetze:

  • Das Gesetz der Wechselwirkung: Jeder hat die sich ergebenden und entwickelnden Konsequenzen (Folgen, Rückwirkungen) seines Denkens und Handelns zu tragen.

Jeder muss ausbaden, was er verursacht. (das heißt: Gesetz der Vergeltung von Lohn und Strafe, „Karmagesetz“)

  • Das Gesetz der Gleichheit: Gleiches zieht Gleiches an.
  • Das Gesetz der Schwere: Hiernach würde das Gröbere, Schwere und Grobstoffliche nach unten (in die irdische Welt) sinken, sich von Gott entfernen, während das Feine nach oben (zu Gott) aufsteige.

Die nach Bernhardt zusammenwirkend das Schicksal des Menschen gemäß der durch diesen getroffenen Entscheidungen bestimmen und auslösen. Wegen der völligen Eigenverantwortlichkeit sei eine stellvertretende Sündenübernahme - beispielsweise durch den Kreuzestod Christi - nicht möglich. Des Weiteren enthält die Lehre Bernhardts auch den Reinkarnationsgedanken.

Andachten und Praxis[Bearbeiten]

Es gibt jeden Sonntag Andachten und dreimal im Jahr besondere Feiern. Die Teilnahme an der Andacht sowie die Feiern sind nur für Gläubige der Gralsbotschaft. Die Gralsbewegung hat keine eigentliche Mitgliedschaft, der Kontakt der einzelnen Länder zur Internationalen Gralsbewegung ist unterschiedlich intensiv. Die örtlichen „Gralskreise“ halten Andachten, Vorträge und Gesprächstreffen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, (Ausgabe letzter Hand von 1949), 3 Bände oder Sammelband, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart, 25. Auflage 2006, ISBN 3878602030 (für den Sammelband), ISBN 3-87860-240-5 (Paperback-Ausgabe, sieben Bände)
  • Daniel Swarovski: Warum so viel Aufhebens um die Gralsbotschaft Abd-ru-shins und um die Grals-Siedlung Vomperberg?, Stuttgart 1955 [4]
  • Elisabeth Aicher: Vomp, ein religiöser Boden: die Gralsbewegung auf dem Vomperberg und die Benediktinerabtei St. Georgenberg-Fiecht im 20. Jahrhundert, Innsbruck, Univ., Dipl.-Arb., 1989 [5]
  • Daniel Swarovski: Jenseits der fünf Sinne, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart 1991, ISBN 3-87860-192-1 [6]
  • Karin Verscht-Biener, Hans-Dieter Reimer: Die „Gralsbewegung“, Orientierungen und Berichte, Nr. 18, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Stuttgart 1991 — PDF, abgerufen am 16. Oktober 2011
  • Kurt Hutten: Seher, Grübler, Enthusiasten – das Buch der traditionellen Sekten und religiösen Sonderbewegungen, Quell-Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-7918-2130-X
  • Helmut Obst: Apostel und Propheten der Neuzeit – Gründer christlicher Religionsgemeinschaften des 19. und 20. Jahrhunderts, 4., stark erweiterte und aktualisierte Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-55438-9
  • Oswald Eggenberger (Begr.), Georg Schmid (Hrsg.): Kirchen, Sekten, Religionen – religiöse Gemeinschaften, weltanschauliche Gruppierungen und Psycho-Organisationen im deutschen Sprachraum, 7., überarbeitete und ergänzte Auflage, Theolog. Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-290-17215-5
  • Tod und Jenseits. Berichte von den Grenzen des irdischen Lebens, DVD-Video, Gralswelt TV, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-87860-360-3
  • Hans Krech (Hrsg.): Handbuch religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen – Freikirchen, pfingstlich-charismatische Bewegungen und weitere unabhängige Gemeinden, christliche Sekten, Neuoffenbarer, Neuoffenbarungsbewegungen und Neureligionen, esoterische und neugnostische Weltanschauungen und Bewegungen, religiöse Gruppen und Strömungen aus Asien, Anbieter von Lebenshilfen und Psycho-Organisationen, 6., neu bearbeitete u. erweiterte Auflage, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, ISBN 3-579-03585-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sitz der Gralsbewegung in Deutschland (ZIP; 3,2 MB)
  2. OGH 4Ob108/03s 18.11.2003
  3. Gloria Staud: Der Da-Vinci-Code. Auf der Suche, in: Fiesta – für Menschen, die sich was trauen[1], Ausgabe 1/2006, S. 76 ff. — PDF, abgerufen am 9. Mai 2010
  4. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  5. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  6. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund