Johann Georg Grasel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Grasel)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Georg Grasel (Ausschnitt aus einer Lithographie Adolph Friedrich Kunikes)

Johann Georg Grasel, tschechisch auch Jan Jiří Grázl (* 4. April 1790 in Neuserowitz (tschechisch Nové Syrovice) bei Mährisch Budwitz, heute Moravské Budějovice; † 31. Jänner 1818 in Wien), war ein böhmisch/mährisch/österreichischer Räuber.

Der Sohn eines Abdeckers lebte von Diebstählen, Raub, Betrug und Hehlerei und scharte dabei eine Bande von etwa 60 Mitgliedern um sich, was ihm in Niederösterreich und Südmähren den Ruf eines gefürchteten „Räuberhauptmanns“ einbrachte. 1815 wurde er in Mörtersdorf bei Horn gefangengenommen und später in Wien hingerichtet. In der Volksüberlieferung wurde er postum völlig zu Unrecht als edler Räuber stilisiert, der – ähnlich Robin Hood – die Reichen bestahl und die Armen beschenkte. Daraus nährt sich die moderne touristische Vermarktung Grasels.

Der Name Grasel ist der Ursprung des tschechischen Ausdrucks grázl (für Gauner). Die ursprüngliche Schreibweise des Namens war Graßl.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Die Familie Grasels war eine weit verbreitete Abdeckerfamilie (Schinder). Die Familie war arm, der Großvater Laurenz wurde wegen Diebstahls oft bestraft, der andere Großvater war Bettler. Grasels Mutter Regina wurde während ihrer Schwangerschaft 1790 wegen Fischdiebstahls und Landstreicherei verhaftet, mangels Beweisen aber wieder freigelassen. Der Vater Thomas Grasel wurde 1792 wegen Einbruchs zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. 1799 gelang ihm die Flucht, er nahm den Namen Josef Haller an und zog als Bilderhändler durchs Land, unterwegs verübte er Einbrüche.

Die Familie hielt sich mit Bettlerei über Wasser. Hans Jörgel, wie der junge Grasel genannt wurde, wurde bereits im Alter von neun Jahren erstmals eingesperrt. Er wurde in Drosendorf wegen Diebstahls und in Frain wegen versuchten Diebstahls von Mehl verhaftet, den er gemeinsam mit seinem Cousin Franz begangen hatte. 1801 wurden Mutter und Kinder in Mautern verhaftet. Nach einiger Zeit wurden alle, wie es damals üblich war, in ihre Geburtsorte abgeschoben. Für Hans Jörgel änderte sich nichts, er ging nun mit seiner Tante und seinem Onkel betteln. Der Grundherr, der die Vormundschaft gehabt hätte, kümmerte sich nicht um ihn.

Grasels Vater hatte inzwischen weitere Einbrüche begangen, unter anderem bei einem Bauern zu Heiligabend 1801, wobei er an dem Dobersberger Schinder sogar einen Mord beging. Die meisten Leute aus der Bande von Grasels Vater wurden daraufhin verhaftet, nur der alte Grasel selbst konnte entkommen.

Die Familie zog daraufhin nach Ungarn in die Ortschaft Veszprem. Dort angekommen, kaufte sie eine Wasenmeisterei. 1804 zogen sie wieder um, diesmal nach Neusiedl und verkauften die Wasenmeisterei wieder. Nachdem der Vater im Jahre 1804 bei einem Greißler einen größeren Diebstahl begangen hatte, wurde er 1806 verhaftet und musste die letzten drei Jahre seiner zehnjährigen Haftstrafe absitzen.

Da der Vater eingesperrt war, kam große Not über die Familie. Die Mutter bettelte wieder und traf dabei Johann Georg Berger. Er nannte sich Piringer, da er unter dem Namen Berger gesucht wurde. Als ihm die Mutter ihr Leid klagte, erzählte er ihr, dass er einen Einbruch in Raabs an der Thaya vorhabe. Die Mutter bedrängte ihren Sohn Johann Georg, er solle mit ihnen mitgehen. Der junge Grasel und der älteste Sohn Piringers standen beim Einbruch am 17. März 1806 Schmiere. Von der Beute erhielt Grasel zwei Leintücher und einen Bettüberzug.

Mit der Entlassung seines Vaters 1809 begann Grasels echte Lehrzeit. Von nun an begingen er und sein Vater zahlreiche Einbrüche.

Verwandtschaft[Bearbeiten]

Laurenz Grasel Gerichtsdiener Vater von Thomas Grasel (* 1763 † nach 1833) und Großvater von Johann Georg Grasel.

N. Fleischmann Vater von Regina (* 1763) der Mutter von Johann Georg Grasel seiner Schwester Anna Maria Grasel (* 1792) und Vater von Anna Maria.

Anna Maria die Schwester von Regina verheiratet mit Georg Grasel Eltern von Franz Grasel (* vor 1790, † 1815 im Zuchthaus).

Verbrechen von Johann Georg Grasel[Bearbeiten]

Orte der Verbrechen
  • 1806....1
  • 1807....6
  • 1810...12
  • 1811...22
  • 1812...32
  • 1813...46
  • 1814...71
  • 1815...15

Waren es anfangs Diebstähle und kleinere Einbrüche, kamen später schwerer Raub und Raubmord hinzu. Da Grasel immer mehr trank, kam es oft zu Wirtshausschlägereien. In Vitis bekam er 1811 im Dezember Streit mit einem Tabakaufseher (Tabakpolizei) und verletzte diesen sowie einen zu Hilfe eilenden Fleischer mit einem Messer schwer. Auf der Flucht versteckte er sich meistens bei anderen Abdeckern. Als schwerstes Verbrechen befand später das Gericht den „räuberischen Todschlag an der Anna Marie Schindlerin“ am 18. Mai 1814.

Die umfangreichen Verhörsprotokolle des Wiener Kriminalgerichts und des Kriegsgerichtes in Wien von Grasel sind 2013 als Band 53 in der Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes von Winfried Platzgummer und Christian Zolles veröffentlicht worden.

Grasels Gefangennahme und Tod[Bearbeiten]

Die Räuber Grasel, Fähding und Stangel in Ketten, Lithographie von Adolph Friedrich Kunike

Nach einem Raub am 3. April 1813 wurden Grasel und Stangl am folgenden Tag in Mallebarn obwohl sie sich heftig wehrten, im Gasthaus verhaftet. Vor dem Landesgericht Schönborn gestand Stangl, Deserteur zu sein. Grasel behauptete, Franz Schönauer aus Neusiedl am See, vom Beruf Ziegelschläger und Bilderhändler sowie auch Deserteur zu sein. Obwohl er nie beim Militär gewesen war, bezeichnete Grasel sich als Deserteur, weil ein Ausbruch aus dem Militärarrest angeblich leichter war. Jedenfalls wurden beide nach Wien überstellt und ins Gefängnis eingeliefert. Zuständig war daher das Militärgericht und nicht mehr das Landgericht Schönborn. Man hielt Grasel für einen Deserteur und nicht für den bereits steckbrieflich gesuchten Räuber, und so flüchtete Grasel in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli 1813 aus der Rennwegkaserne, in der er sich einem Verhör unterziehen hätte sollen.[1]

Da der Bevölkerung Grasels Untaten zuviel wurden, verlangte sie Maßnahmen von der Obrigkeit. So beschloss diese, Therese Penkhart, eine ehemalige, inzwischen ehrlich gewordene Diebin, in das Gefängnis einzuschleusen, um Grasels Freundin Therese Hamberger auszuhorchen. Penkhart und ihr Freund Michael Meyer verhalfen Hamberger zur Flucht. Danach trafen sie sich am 18. November 1815 alle mit Grasel in einem Wirtshaus in Mörtersdorf bei Horn, vorgeblich um einen neuen Raubzug auszuhecken. Sie mischten ihm Opium in den Wein, trauten diesem Schlaf aber nicht. Meyer hatte beschlossen, im am Abend üppig besuchten Wirtshaus nach Gehilfen zu suchen, welche ihm helfen würden, Grasel zu fangen. Als Grasel dann aber in die Wirtsstube kam und Meyer das verabredete Zeichen rief, kam niemand. Darauf versuchte Meyer den Räuber allein anzugreifen, erst dann trauten sich die Bauern zu helfen. In der Nähe von Lettowitz wurden seine Kumpanen gefangengenommen. Über Nacht wurde Grasel nach Wien gebracht, wo er am 31. Jänner 1818 gemeinsam mit Jakob Fähding und Ignaz Stangl öffentlich gehängt wurde. Die Hinrichtung wurde vor dem Neutor auf dem Glacis, ungefähr in der Gegend der heutigen Rossauer Kaserne, vor einer großen Menschenmenge vollzogen. Der Hauptgrund für das Todesurteil war ein von Grasel und drei Komplizen 1814 durchgeführter Raubmord in Zwettl.

Vermarktung[Bearbeiten]

Im Teilen des Waldviertels ist Johann Georg Grasel eine gezielt vermarktete Touristenattraktion. Gedichte, Erzählungen, Romane und Theaterstücke über ihn und sogar Graselheurige gehören hier zum normalen Alltag.

Zum Höbarthmuseum der Stadt Horn gehört der Graselturm. Dieser enthält im Erdgeschoß eine nachgebaute Graselhöhle. Auch mehrere natürliche Höhlen wurden seit dem späten 19. Jahrhundert aus touristischen Gründen so genannt und als Versteck Grasels deklariert, beispielsweise im Wallfahrtsort Maria Dreieichen und beim Naturdenkmal Zigeunermauer in St. Thomas am Blasenstein.

Das Gasthaus „Graselwirtin“ befindet sich in Mörtersdorf bei Horn.

Im Jahre 1968 wurde der Stoff verfilmt. Peter Vogel spielte den Grasel, Guido Wieland den Vater und Kurt Sowinetz den Spitzel Mayer.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Bartsch, Ludwig Altmann (Hrsg.): Johann Georg Grasel und seine Kameraden. Rikola, Wien 1924.
  • Richard Bletschacher: Der Grasel : Chronik eines Räuberlebens. Deuticke, Wien 1995, ISBN 3-216-30190-7.
  • Harald Hitz, Bohuslav Beneš: Johann Georg Grasel. Räuber ohne Grenzen. (= Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes, Band 34). 3. Auflage. 1999, Waldviertler Heimatbund, Horn / Waidhofen an der Thaya, ISBN 3-900708-08-8.
  • Winfried Platzgummer, Christian Zolles (Hrsg.): Johann Georg Grasel vor Gericht. Die Verhörsprotokolle des Wiener Kriminalgerichts und des Kriegsgerichtes in Wien. (= Schriftenreihe des WHB 53). Horn-Waidhofen an der Thaya 2013, ISBN 978-3-900708-27-6.
  • Elisabeth Schöffl-Pöll, Wolfgang Rieder (Illustrationen): Wia da Raübahauptmaunn Grasel vo sein Vodan 's Haundwerk glernt hot. Dichtermühle, Hollabrunn 1998, ISBN 3-9500930-0-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angaben nach: Johann Georg Grasel. Räuber ohne Grenzen. (Hg. Harald Hitz)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Georg Grasel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien