Grazer Uhrturm

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Grazer Uhrturm im Licht der untergehenden Sonne, Hintergrund Stadt Graz
Graz Uhrturm mit Schatten von Markus Wilfing 2003

Der Grazer Uhrturm ist ein 28 Meter hoher Turm. Er steht auf dem Schloßberg und ist das Wahrzeichen von Graz.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kern des Grazer Uhrturms stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. Erste Nennungen des Turms als Teil der Festungsanlage finden sich um 1265. 1560 wurde er in seine heutige Form gebracht. An jeder der vier Seitenflächen des Turmes befindet sich ein großes Zifferblatt mit einem Durchmesser von mehr als fünf Metern. Sie wurden im Jahr 1712 in Freskotechnik angebracht. Über den Zifferblättern führt ein hölzerner Wehrgang um den Turm, von dem aus die Feuerwächter die ganze Innenstadt überblicken konnten.

Ursprünglich verfügte die Uhr des Turms lediglich über einen einzigen Zeiger, den Stundenzeiger je Zifferblatt, wie es damals üblich war. Der später angebrachte Minutenzeiger wurde zur Unterscheidung vom Stundenzeiger kleiner gestaltet. Deshalb sind die vergoldeten Zeiger, nicht wie heute üblich, in der Größe vertauscht. [1] Der Uhrturm wurde 1809 nach der französischen Belagerung von den Grazer Bürgern freigekauft und nicht wie die restliche Festungsanlage auf dem Schloßberg geschleift.

Heute sind im Turm noch drei Glocken erhalten: Die Stundenglocke ist laut ihrer Inschrift die älteste Glocke von Graz (1382) und schlägt zu jeder vollen Stunde. Die Feuerglocke von 1645 warnte je nach Anzahl der Schläge vor Feuer in den verschiedenen Bezirken von Graz. Die Armesünderglocke von ca. 1450 läutete zu Hinrichtungen, im 19. Jahrhundert zur Sperrstunde, was ihr zusätzlich den Namen Lumpenglocke eintrug.

Im Jahr 2003, als Graz „Kulturhauptstadt Europas“ war, wurde der Uhrturm mit einem sogenannten „Schatten“ versehen. Dieser war ein vom Künstler Markus Wilfling maßstabsgetreu nachgebauter, schwarzer Zwillingsturm aus Stahl.[2] Der Uhrturm-Schatten, mit dem Wilfling an die NS-Schattenseite von Graz erinnern wollte[3], wurde nach Ende des Kulturhauptstadtjahres 2003 an die Shoppingcity Seiersberg, ein Einkaufszentrum am Grazer Stadtrand, verkauft, wo er seither als Attraktion dient. — Nach Kaufabschluss wurden über die Medien Stimmen laut, die den unbefristeten Verbleib des Artefakts neben dem Grazer Uhrturm forderten. Die Stadt Graz lehnte jedoch sowohl den Rückkauf als auch das örtliche Bestehenbleiben des Uhrturm-Schattens wegen absehbarer Erhaltungskosten, vor allem jedoch wegen Fragen der Schadenshaftung[4], ab.

Ende September 2008 begann man mit der Generalsanierung des Uhrturms. Die Bodenfeuchtigkeit hatte dem Mauerwerk massiv zugesetzt. Die erste Renovierungsphase, die Sanierung des hölzernen Wehrganges, wurde, bei Kosten von etwa 500.000 Euro, Mitte 2009 abgeschlossen. [5] Ungefähr 115.000 Euro wurden durch eine 900 m² große, um das Gerüst gespannte Werbefläche eingenommen.[6] Bis 2011 waren noch zwei weitere Phasen geplant. Dabei wurde der Uhrturm im November 2011 letztmalig zur Sanierung der Zifferblätter und der Uhrzeiger verhüllt.[7]

Sonstiges[Bearbeiten]

Steinener Hund

Im Bereich des Abgangs zu dem am Fuße des Uhrturms gelegenen Rosengarten, von dem sich ein überaus beeindruckender Blick über Graz eröffnet, findet sich an einer Mauer eine kleine, unter Denkmalschutz stehende Gedenktafel für den aus Villach, Österreich, stammenden Dr. Gerold (eigentl.: Oskar) Walzel (1901–1988), den Verfasser des weithin bekannten „Grazer Studentenliedes“[8].

Unterhalb des Uhrturms wacht auf einem Mauervorsprung der Steinerne Hund. Nach einer Legende bewahrte 1481 ein bellender Hund Kunigunde, die Tochter des Kaisers Friedrich III., davor, von Söldnern des Ungarnkönigs Matthias Corvinus entführt zu werden, der zuvor vergeblich um die Hand der Prinzessin angehalten hatte. Zum Dank ließ Kaiser Friedrich den Hund in Form eines Standbilds verewigen.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Information über vertauschte Zeiger auf www.graz-reise.de
  2. Schattenobjekt Uhrturm. Der Uhrturm und sein Zwilling., Archiv-Site www.graz03.at, abgerufen am 15. Juli 2010
  3. Verschrottungsprämien für Kunstobjekte, derstandard.at, 13. Mai 2009, abgerufen am 16. Juli 2010
  4. Was blieb von Graz 03?, kleinezeitung.at, 22. Juni 2007, abgerufen am 16. Juli 2010
  5. Mit Geduld und Spucke, kleinezeitung.at, 25. März 2010, abgerufen am 25. April 2010
  6. "Grazer Uhrturm monatelang verhüllt", diepresse.com, 30. September 2008, abgerufen am 16. Juli 2010
  7. Grazer Wahrzeichen verhüllt und verstümmelt, kleinezeitung.at, 6. November 2011, abgerufen am 24. Oktober 2013
  8. Portal Steirischer Studentenhistoriker-Verein zu Graz, abgerufen am 15. Juli 2010
  9. Lage 200547.01393415.412123
  10. Der Uhrturm-Schatten wurde in der Zeit nach 2005 auf eine dem Einkaufszentrum vorgelagerte Kreisverkehrsinsel 280 m westlich des Erstaufstellungsortes versetzt. — Klartext in Seiersberg, kleinezeitung.at, 10. März 2010, abgerufen am 16. Juli 2010
  11. Lage 201047.0126115.408892

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grazer Uhrturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.07546305555615.436746111111Koordinaten: 47° 4′ 32″ N, 15° 26′ 12″ O