Harem (Genre)

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Als Harem (jap. ハーレム, Hāremu) wird ein lose definiertes Genre von Anime und Manga bezeichnet. Es ist dadurch charakterisiert, dass der Protagonist der Handlung von mehreren oder gar einer Vielzahl weiterer Charaktere anderen Geschlechts umgeben ist, die sich zu ihm hingezogen fühlen. In der Praxis wird der Protagonist überwiegend durch eine männliche Person gestellt, sodass der Großteil der Charaktere in diesen Werken weiblich ist. Wird von diesem als üblich angesehenen Schema abgewichen, wird nicht formal auch von einem Reverse Harem (逆ハーレム, Gyaku-Hāremu) gesprochen.[1]

Wortabstammung[Bearbeiten]

Der Begriff selbst leitet sich von dem arabischen Wort „Harem“ ab und wurde in den japanischen Sprachgebrauch übernommen. Hier wurde er im Zusammenhang mit Anime und Manga jedoch nicht in seiner ursprünglichen Bedeutung („Frauen; Tabu, heilig“) verwendet, sondern auf eine allgemeine Beziehungssituation erweitert. Letztlich verbreitete sich die Bezeichnung auch im englischen Sprachraum und wurde allmählich zu einer Genre-Bezeichnung.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Da der Begriff aus der Fangemeinde erwuchs, ist er nur sehr unscharf definiert und so gehen exakte Definitionen entweder weit auseinander, oder es wird vermieden, eine exakte Definition des Genres vorzunehmen. Im Fall eines männlichen Protagonisten wird angenommen, dass er in einem solchen Werk mindestens von drei weiblichen Charakteren umgeben sein muss, zu denen eine Beziehung in Aussicht gestellt wird, da sich sonst eine Dreiecksgeschichte ergeben würde. Zudem muss in der Handlung nicht zwangsläufig nur ein männlicher Charakter vorkommen, solange den anderen eine wesentlich geringere Aufmerksamkeit geschenkt wird oder das Verhältnis weiblicher Figuren sehr dominant überwiegt.

Kritik[Bearbeiten]

Manga und Anime, die sich diesem Genre bedienen, sehen sich immer wieder der Kritik ausgesetzt, billige „Massenware“ zu sein, da sie zu viel voneinander kopieren würden.[2] Viele von ihnen sollen sich auf eklatanten Fanservice verlassen und einen Mangel an ausgefeilter Handlung besitzen. Zugleich soll diese Form bei den weiblichen Konsumenten keinen hohen Stellenrang besitzen, da sie darin eine sexistische Fehlinterpretation von Mädchen und Frauen sehen. Dennoch werden die Ursachen dafür nicht direkt im Genre gesehen, sondern einzig in der Qualität der Werke selbst.[3]

Vertreter[Bearbeiten]

Love Hina ist ein bekannter, dem Genre zuzuordnender Manga, ebenso vom gleichen Autor Magister Negi Magi. Weitere Beispiele sind Ranma ½ sowie Nyan Koi!, Rosario + Vampire, Kore wa Zombie Desu ka?, Sekirei und Ladies versus Butlers!.

Zu den typischen Vertretern dieses Genres gehören ebenfalls die Adaptionen von Erogēs, bei denen häufig ein männlicher Protagonist mit verschiedenen weiblichen Charakteren interagiert. Hier wäre beispielsweise Shuffle! oder Kanon zu nennen, in deren Handlungsverlauf sich die meisten weiblichen Charaktere in den Protagonisten verlieben.

Als eher untypisches Werk dieses Genres kann Seitokai no Ichizon genannt werden. Hier wird das Genre an sich dadurch parodiert, dass der Protagonist offen zugibt, einen Harem gründen zu wollen, wogegen sich die weiblichen Charaktere immer wieder zu wehren wissen und ihn ins Leere laufen lassen.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Robin E. Brenner: Understanding Manga and Anime. Libraries Unlimited, 2007, ISBN 978-1-59158-332-5, S. 89.
  2. Der Animationsmarkt in Japan. In: Japan aktuell 4/2008. Abgerufen am 27. Dezember 2009 (PDF; 557 kB): „Inhaltlich betrachtet verstärkt sich, wie bei früheren Booms, der Eindruck, dass der traditionelle Facettenreichtum des Anime von Massenware überdeckt wird, wobei die Produzenten jeden vermeintlichen Trend (z.B. Harem-Anime wie „He is My Master“ von Studio Gainax) bis zur Erschöpfung kopieren.“
  3. Ask John: Why Do Americans Hate Harem Anime? In: animenation.net. 20. Mai 2005, abgerufen am 27. Dezember 2009.