Horizontalsperre
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Eine Horizontalsperre hindert Bodenfeuchtigkeit daran, im Mauerwerk kapillar aufzusteigen. In Neubauten wird standardmäßig eine Horizontalsperre eingebaut, in älteren Bauwerken ist sie jedoch häufig undicht oder gar nicht vorhanden.
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[Bearbeiten] Ausführung bei Neubauten
Als Horizontalsperre kommen meistens Bitumenbahnen oder dicke Folien zum Einsatz; diese müssen auf einer glatten Unterlage (z.B. Mörtelschicht) verlegt werden, und es ist darauf zu achten, dass sich die Bahnen an den Stößen ausreichend überlappen. Bei unterkellerten Gebäuden werden oft zwei oder drei Horizontalsperren angebracht, die erste auf dem Fundament, die oberste oberhalb des Erdreichs (unterhalb der Kellerdecke), sodass Spritzwasser nur unterhalb dieser Sperre auf die Wand auftreffen kann.
[Bearbeiten] Undichte Horizontalsperre
Eine undichte Horizontalsperre führt zu kapillar aufsteigender Feuchtigkeit im Mauerwerk. Diese wiederum bringt Feuchtigkeitsschäden wie Schimmelpilz-, Schwammbefall und ähnliches mit sich. Weiters nimmt mit zunehmender Feuchte die Wärmeleitfähigkeit zu (d.h., die Wärmedämmung wird schlechter). Durch die niedrigere Wandtemperatur kann es im Winter zur Kondensation an der Wand und somit zu einem weiteren Ansteigen der Durchfeuchtung kommen.
[Bearbeiten] Nachträgliche Horizontalsperre
Eine Horizontalsperre kann auch nachträglich eingebracht werden. Hier gibt es je nach Durchfeuchtungsgrad und Baumaterial verschiedene Verfahren.
[Bearbeiten] Mauersägeverfahren
Beim Mauersägeverfahren wird das Mauerwerk in einer Fuge in Abschnitten von ca. 1 m aufgeschnitten und es werden PE-Fiberglas- oder Edelstahlplatten eingelegt. Anschließend werden die Platten im Schnitt verkeilt und die Schnitte wieder verschlossen. Durch die mechanische Sperre wird die Feuchtigkeit langfristig daran gehindert, im Mauerwerk aufzusteigen. Eventuell ist zusätzlich eine Abdichtung des Bodens notwendig, die an eine in den Sägeschlitz mit eingelegte Folie angeschlossen werden kann, um so eine Art Wanne zu konstruieren, auf der nun der Innenboden aufgebaut werden kann.
[Bearbeiten] Einschlagen von Blechen
Eine mechanische Trennung wird auch dadurch hergestellt, dass nichtrostende Chromstahlplatten (Nirostastahl) in eine Lagerfuge eingetrieben werden. Ohne Öffnung der Mauer wird eine 1,5 mm dicke gewellte Platte eingeschlagen. Dabei braucht man eine durchgehende Mörtelfuge. Der Baustoff selbst ist bei dieser Methode nicht entscheidend. Setzungen treten kaum auf, weil die Platten ohne vorheriges Öffnen in die Mörtelfuge eingeschlagen werden. Der Mörtel wird auf diese Weise nach oben und unten verdrängt bzw. verdichtet. Die feinen Schläge können sich auf das gesamte Mauerwerk auswirken, sodass unter Umständen am Haus kleine Risse entstehen können. Um den Verdrängungs- und Verdichtungswiderstand zu verringern, werden seit einiger Zeit Chromstahlplatten verwendet, die keil-bzw. pfeilförmig verformt bzw. angespitzt sind. Dadurch wird die Durchdringungsgeschwindigkeit erhöht. Dieses seit mehr als zwanzig Jahren angewendete Verfahren hat sich als eine der sichersten Methoden erwiesen.
[Bearbeiten] Bohrkernverfahren
Bei diesem Verfahren werden Löcher mit einem Durchmesser von 8 - 12 cm gebohrt und anschließend mit einem dichten Mörtel gefüllt. Die Löcher werden so gesetzt, dass sie sich überlappen, also nach Beendigung der Arbeiten eine durchgehende Sperrschicht vorhanden ist.
[Bearbeiten] Injektionsverfahren mit Druck
Das Injektionsverfahren wird manchmal auch als Verkieselung bezeichnet. Es werden im Abstand von ca. 10 bis 25 cm zweireihig versetzt Injektionslöcher gebohrt. Diese werden in einem Winkel von ca. 30° bis 50° gesetzt und anschließend mit sogenannten 'Packern' bestückt. Über diese wird mittels Niederdruck (max. 13 bar) eine auf Mauerwerk und Durchfeuchtung abgestimmte Injektionsflüssigkeit in das Mauerwerk eingebracht, die den Kapillareffekt unterbindet. Unter Umständen kann es möglich sein, dass die Injektion nach einigen Jahren wiederholt werden muss. Der Einfülldruck der Injektionsflüssigkeiten in die Bohrungen reicht vom allmählichen Einsickern aus gefüllten und einzeln in die Wand einzusteckenden Spezialbehältern allein durch die Schwerkraft über weitere sog. "Niederdruckverfahren" (von ca. 0,25 bis 1 bar für z.B. lösemittelhaltige hydrophobierende Flüssigkeiten) bis hin zu Druckstärken von ca. 13 bar für die Injektion von auf flüssigem Silikon basierenden und lösemittelfreien Wirkstoffen. Letztere sind jedoch hinsichtlich ihrer Einbringung und damit schließlich ihrer Wirksamkeit als Horizontalsperre nicht unumstritten, da speziell in einem alten Mauerwerk nicht ohne weiteres kontrollierbar sein wird, welchen Weg das flüssige und mit hohem Druck eingebrachte Material innerhalb der Wände (speziell über die durchbohrten Fugen) nehmen wird. Anmerkungen: Beim Bohrlochabstand und bei der auszuwählenden Wirkflüssigkeit muss man sich an der Feuchteaufnahme und dem Baustoff orientieren. Abstände von 15 cm bei einer sehr nassen Wand sind sicher zu groß. Ein Problem dieses Verfahrens liegt darin, dass Kapillaren die mit Wasser gefüllt sind, keine weiteren Stoffe aufsaugen. Es kann zwar noch viel Injektionsflüssigkeit (das Merkblatt der WTA e.V. gibt pro m² ca. 20 Ltr. an) in eine Wand eingebracht werden, jedoch gelangt nur ein Bruchteil in die schon mit Wasser gefüllten Kapillaren.
[Bearbeiten] Injektionsverfahren ohne Druck
In einem solchen Fall muss das Mauerwerk getrocknet werden. Das kann durch in die Bohrlöcher eingeschobene Heizstäbe erfolgen. Erst dann kann das Mauerwerk durch Kapillareffekt andere Flüssigkeiten aufnehmen. Meist wird flüssiges Paraffin in die vorhandenen Bohrlöcher eingebracht, um die Kapillaren zu verschließen. Dieses Verfahren eignet sich auch bei einer durchfeuchteten Wand über 60% , da die Bereiche erst getrocknet werden.
[Bearbeiten] Elektroosmoseverfahren
Das Elektroosmoseverfahren ist keine Horizontalsperre im engeren Sinn, sondern basiert gemäß den Angaben der Anbieter auf dem physikalischen Prinzip der Elektroosmose. Die Wirksamkeit wurde durch wissenschaftliche Studien jedoch nicht bestätigt. Näheres ist unter dem Stichwort Elektrophysikalische Mauertrockenlegung zu finden.
[Bearbeiten] Literatur
- Nachträgliche mechanische Horizontalsperren. In: Merkblätter der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege. Nr.4-7-02/D.
- Mauerwerksinjektion gegen kapillare Feuchtigkeit. In: Merkblätter der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege. Nr. 4-4-96/D
- F. Frössel: Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung. IRB-Verlag 2001, 2. Auflage 2003
- F. Frössel: Lexikon der Bauwerksabdichtung und Kellersanierung. Baulino Verlag 2005, 1. Auflage 2005
- F. Frössel: Lehrbuch der Kellersanierung und -abdichtung. Expert Verlag 2006, 1. Auflage 2006
- Jürgen Dreyer: Grundlagen der Bauphysik.
- Edmund Bromm: Gesund wohnen in Altbauten. Pro Literatur Verlag 2007

