Kreissäge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Kreissäge ist eine Maschine zur spanenden Trennung von Werkstücken. Mit ihr werden Sägearbeiten an verschiedenen Werkstoffen wie beispielsweise Holz, Metall, Kunststoff, Baustoffen oder Naturstein durchgeführt. Man unterscheidet sie nach Art und Einsatzgebiet, wobei die größte Anzahl an Sägen im Bereich des Trennens von Holz und Metall eingesetzt wird.

Generell sollte zwischen Sägen für den handwerklichen und den industriellen Einsatz differenziert werden, da sich die Maschinen zum Teil erheblich in ihren Dimensionen und ihrer Funktion unterscheiden.

Arten[Bearbeiten]

Stationäre Kreissägen[Bearbeiten]

Stationäre Kreissägen werden in Werkstätten und auf Baustellen eingesetzt.

Tischkreissäge

Kreissägen zum Innenlochtrennen[Bearbeiten]

Bei Kreissägen zum Innenlochtrennen ist die Schneidkante an der Innenseite einer Bohrung in der Mitte des kreisförmigen Sägeblatts, das hat den Vorteil, dass das Sägeblatt (außen) fester eingespannt werden kann, beim Sägen weniger „flattert“ oder vibriert, wodurch präzisere Schnitte mit dünneren Sägeblättern möglich sind und weniger Lärm entsteht. Mit solchen Sägen werden bei einer minimal möglichen Schnittbreite von 0,3 mm (mit entsprechend wenig Schnittabfall), Halbleiter­rohlinge zu Wafern in der Halbleiterindustrie (Mikroelektronik, Photovoltaik und Mikrosystemtechnik) mit anderweitig nicht erreichbarer Präzision bzw. geometrischer Planarität geschnitten.

Aufbau[Bearbeiten]

Stationäre Kreissägen[Bearbeiten]

Auf dem Maschinenständer der Tischkreissägemaschine ist der Arbeitstisch befestigt. Dieser weist eine Durchtrittsöffnung für das Kreissägeblatt auf. Im Inneren sind die Maschinenaggregate zum Antrieb der Sägewelle sowie die Mechanik zur Höhen- und Schrägstellung des Kreissägeblattes untergebracht. Schwenk- und Höhenverstellbewegung erfolgen über ein Handrad oder elektromotorisch. Die Schrägverstellung erlaubt das präzise Ansägen von Winkeln zwischen 0° und 45° (Vielfach auch von −1,5° bis + 46,5°). Einige Maschinenhersteller bieten seit ca. 2006 auch Formatkreissägen mit einen Schwenkbereich von 92° (2x 46°) an. Je nach Hersteller und verwendetem Schwenkmechanismus kann der max. Sägeblattüberstand beim Schwenken von +46° auf -46° unterschiedlich ausfallen. Auf einer Seite des Maschinentisches befindet sich der Parallelanschlag. Er ermöglicht Werkstückschnitte auf Breite, wobei das gewünschte Maß auf einer Skala voreingestellt wird. Bei Formatkreissägen ist auf der gegenüberliegenden Maschinenseite ein Rolltisch befestigt. Dieser nimmt den winkelverstellbaren Queranschlag auf. Werkstücke werden auf den Rolltisch aufgelegt und am Kreissägeblatt vorbeigeführt. Auch hier können gewünschte Maße und Winkel auf entsprechenden Skalen voreingestellt werden. Den Queranschlag kann man aus Platzgründen entfernen.

Die Winkelgenauigkeit für 90°-Längsschnitte, die besonders für den Möbelbau notwendig ist, kann mit der „5-Schnitt-Methode“ überprüft werden: ein viereckiges Brett wird fünf mal rechtwinklig besäumt, wobei das Brett nach jedem Schnitt um 90° gedreht wird. Mit dem letzten Schnitt schneidet man dann einen dünnen Streifen von dem Quadrat ab, dessen Kanten idealerweise genau parallel sein sollen. So kann der Winkel zwischen Queranschlag und Schneideblatt überprüft werden, das Resultat ist eine Winkelabweichung gemessen in Seitabweichung pro Schnittlänge.[1]

Alte Kreissäge ohne Schutzvorrichtungen von 1950

Spaltkeil[Bearbeiten]

Die wichtigste und wirkungsvollste Sicherheitseinrichtung an der Kreissäge ist der Spaltkeil. Er befindet sich hinter dem Sägeblatt. Dort hält er die Schnittfuge offen und verhindert, dass das Werkstück oder Kleinteile vom aufsteigenden Sägeblatt erfasst und in Richtung des Benutzers geschleudert werden, bei Handkreissägen einen Rückschlag sowie Verletzungen der Schnittkante durch unsaubere Führung. Beim Offenhalten der Schnittfugen hinter dem Kreissägeblatt soll der Spaltkeil verhindern, dass unter Spannung stehendes Holz sich nach dem Schnitt hinter dem Sägeblatt wieder zusammenzieht. Darum muss der Spaltkeil auch eine gewisse Breite haben, die abhängig von der Schnittfugenbreite [Sfb] und der Dicke des Stammblattes [Sbb] des Sägeblattes ist. Zur Errechnung eines passenden Richtwerts gilt die Formel: „Spaltkeildicke = (Sfb + Sbb) geteilt durch zwei“. Ausserdem kann der Spaltkeil ein Hineingreifen in das aufsteigende Sägeblatt verhindern. Dafür muss der passende Spaltkeil richtig eingestellt werden: Er muss möglichst nah am Sägeblatt liegen; je nach Sägegut und Sägeart darf der Abstand zu den Zähnen maximal acht bzw. zehn Millimeter betragen, bei Handkreissägen höchstens 5 Millimeter; seine Oberkante kann zwischen der Höhenlage des Zahnfußes und zwei Millimeter unterhalb des Schneidenflugkreises liegen. So sind auch verdeckte Sägeschnitte möglich. Die Dicke des Spaltkeiles muss zwischen Schnittfugenbreite und der Dicke des Sägeblattgrundkörpers liegen. Für unterschiedliche Sägeblattdicken sind entsprechend dicke Spaltkeile erforderlich. Sägen ohne Spaltkeil ist ausschließlich für besondere Arbeiten wie beispielsweise Einsetzsägeschnitte zulässig. Anschließend muss der Spaltkeil sofort wieder montiert werden.

Kreissägeblätter[Bearbeiten]

Bei Kreissägeblättern wird zwischen einteiligen Kreissägeblättern und Verbundkreissägeblättern unterschieden.

Einteilige Kreissägeblätter bestehen aus einem Stück Bandstahl, aus dem sie herausgestanzt werden, um anschließend mit der gewünschten Zahnform versehen zu werden. Da sie allerdings nur für Quer- und Längsschnitte in Vollholz geeignet sind und materialbedingt schneller abnutzen, verlieren sie zunehmend an Bedeutung.

Verbundkreissägeblätter bestehen aus einem Metalltragkörper, auf den Schneiden aus Hartmetall oder polykristallinem Diamant aufgelötet werden. Da die Schneiden immer breiter als der Metalltragekörper sind, ist ein Schränken der Zähne nicht notwendig.

Die Verwendung des Sägeblattes hängt von der Schneidegeometrie des Sägezahns ab. Dies beinhaltet beispielsweise die Zahnform oder die Anzahl der Zähne (Zahnteilung). Die optimale Auswahl und Bestimmung eines Sägeblattes, gerade auch für den industriellen Einsatz sehr wichtig, ist dabei von den verschiedenen Variablen abhängig wie zu schneidendes Material, bei Holz auch ob längs oder quer geschnitten wird, welche Holzfeuchtigkeit vorhanden ist, Drehzahl der Sägewelle (Schnittgeschwindigkeit), Vorschubgeschwindigkeit, Motorleistung, zu erzielende Schnittgüte, der Standzeit und natürlich auch des Preises.

Die Zahnform wird unterteilt in:

  • Flachzahn: Für Längsschnitte in Weich- und Hartholz.
  • Wechselzahn: Auch als Universalblatt bezeichnet, da dies für Quer- wie auch Längsschnitte geeignet ist.
  • Hohlzahn: Für furnierte Flächen, da die Aushöhlung ausrissfreies Arbeiten garantiert. Dabei muss auf die Schnittgeschwindigkeit geachtet werden.
  • Trapezzahn: Sorgt für ein gutes Ergebnis bei lackierten und beschichteten Flächen.
  • Trapez-Flachzahnkombi: Geeignet für Kunststoff bis 10 mm sowie Plattenwerkstoffe, da Spanausräumung und ausrissfreies Schneiden möglich sind.
  • Dachzahn-Flachzahnkombi: Eignet sich für kunststoffbeschichtete Flachpressspanplatten.

Antrieb[Bearbeiten]

Der Antrieb der Kreissägewelle erfolgt durch Keil-, Zahn- oder Flachriemen über verschieden große Riemenscheiben. In Verbindung mit polumschaltbaren Drehstrommotoren werden so unterschiedliche Drehzahlen und damit verschiedene Schnittgeschwindigkeiten erreicht. Viele Kreissägen werden auch durch besonders flache Elektromotoren direkt angetrieben (siehe erstes Bild). Bei der Antriebsauslegung ist auf die zu erzielende Drehzahl zu achten, die wiederum in Abhängigkeit von der Größe des Sägeblattes (Durchmesser) die Schnittgeschwindigkeit ergibt. Die ideale, wirtschaftliche und beste Schnittgeschwindigkeit ist abhängig von dem zu schneidenden Material. Viele Maschinenhersteller bieten optional für ihre Maschinen auch frequenzgesteuerte Motoren an. Hierdurch ist es möglich, die Sägeblattdrehzahl stufenlos zu verstellen (häufig im Bereich von 2000 bis 6000 n-1). Dieses ermöglicht zum einen ein optimale materialabhängige Schnittgeschwindigkeit (z.B. für Kunststoffe) und zum anderen eine sehr schnelle und bequeme Anpassung der Drehfrequenz des Sägeblatts, auch während die Maschine eingeschaltet ist.

Handkreissägen[Bearbeiten]

Der Aufbau der Handkreissägen unterscheidet sich von dem stationärer Kreissägen in Anpassung an ihren Einsatzzweck. Während bei stationären Kreissägen das Arbeitsstück über den Arbeitstisch geführt wird, wird bei einer Handkreissäge das Werkzeug über das Arbeitsstück geführt. Im Vergleich mit dem Arbeitstisch einer stationären Kreissäge ist die Grundplatte der Handkreissäge relativ klein. Das Sägeblatt ist nach oben hin verdeckt, um Verletzungen und das Umherfliegen von Spänen zu vermeiden. Der untere Teil des Sägeblattes ist mit einem beweglichen Schutz verdeckt, der erst beim Eindringen in das Werkstück durch dieses zurückgeschoben wird. Eine Ausnahme ist hier die Tauchsäge: Hier ist die Grundplatte beweglich gelagert, sodass das Sägeblatt in Ruhestellung nicht nach unten aus der Grundplatte herausragt. Zum Schnitt wird das Sägeblatt durch die Grundplatte nach unten herausgedrückt.

Um Platz zu sparen, sitzt das Sägeblatt oft direkt auf der Welle des Antriebes. Aktiviert wird die Maschine mit dem Betätigen von zwei Schaltern am Handgriff (Der Hauptschalter wird mit dem Zeigefinger, der Sicherheitsschalter mit dem Daumen betätigt). Dies soll verhindern, dass die Maschine unbeabsichtigt aktiviert wird. Durch ein Rohr werden die Späne zur Seite und nach hinten ausgeblasen oder abgesaugt. Da der Handgriff links vom Sägeblatt liegt, ist das Bedienen einer Handkreissäge für Linkshänder meist unkomfortabel.

Bei langen Schnitten kann als Führung ein Holzstab, eine Sägeschiene oder eine Wasserwaage am Arbeitsstück befestigt werden, um einen geraden Schnitt zu gewährleisten. Einige Modelle haben im Sägetisch Nuten, um sie entlang einer Führungsschiene exakt führen zu können.

Zum Zweck der Unfallverhütung und der Schnittqualität ist es empfehlenswert, vorher die richtige Schnitttiefe einzustellen (Werkstückdicke + rd. 2 mm). Auch ist es so möglich, dünne Platten z. B. auf einem Stück Wellpappe auf dem Boden zu schneiden, wodurch diese flächig aufliegen und Beschädigungen der Schnittkante vermieden werden.

Sicherheitshinweis[Bearbeiten]

Dauermarke aus der Briefmarken-Serie Unfallverhütung von 1972

Schnell laufende Werkzeuge bergen Risiken und sollten daher nur von kundigen Personen bedient werden. Die Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften und die Verwendung der gegebenen Sicherheitsvorrichtungen (z. B. Blattabdeckung, Spaltkeil, Schiebestock, Zuführhilfen) ist unbedingt erforderlich. Kreissägen verursachen einen A-bewerteten Schallleistungspegel von bis zu 110 dB. Die Arbeit mit Gehörschutz und anderen Sicherheitstechniken ist daher absolut notwendig. Beim Umgang mit sich bewegenden Maschinen dürfen keine Handschuhe getragen werden, da diese in die Maschinen geraten und die Hand mithineinziehen können.

Um Abfall- und Brennholz abzulängen, sind Wippsägen besser geeignet als Tischkreissägen, die Verletzungsgefahr ist erheblich geringer.

Es gibt auch moderne Kreissägen, die das Sägeblatt sofort stoppen, wenn ein Körperteil des Arbeiters damit in Berührung kommt.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Nutsch: Holztechnik Fachkunde. 19. Auflage. Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten 2003, ISBN 3-8085-4019-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kreissägen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinz Rösch: Die 5-Schnitt-Methode zur Genauigkeitskontrolle eines Tischkreissägenlängsschnittes (PDF; 461 kB) auf der privaten Homepage von Heinz Rösch.
  2. SawStop, aktive Verhinderung von Verletzungen bei einer Kreissäge