Human Brain Project

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Human Brain Project ist ein Großprojekt der Europäischen Kommission, welches das gesamte Wissen über das menschliche Hirn zusammenfassen und mittels computerbasierten Modellen und Simulationen nachbilden soll. Als Ergebnis werden neue Erkenntnisse über das menschliche Hirn und seine Erkrankungen sowie neue Computer- und Robotertechnologien erwartet.

Projektorganisation[Bearbeiten]

Am Projekt sind über 80 europäische und internationale Forschungseinrichtungen beteiligt. Es ist auf zehn Jahre ausgelegt und soll 1,19 Milliarden Euro kosten. Koordiniert wird das Projekt von Henry Markram, einem Neurowissenschaftler an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL). Als Kodirektoren fungieren der Physiker Karlheinz Meier von der Universität Heidelberg und der Mediziner Richard Frackowiak vom Universitätsspital Lausanne (CHUV) und der Universität Lausanne (UNIL).

Projektziele[Bearbeiten]

Das Human Brain Project wird neue Instrumente zur Verfügung stellen, um das Gehirn und seine grundlegenden Mechanismen besser zu verstehen und dieses Wissen in der Medizin und in der Computerwissenschaft der Zukunft anzuwenden.

Informations- und Kommunikationstechnologien werden im Projekt eine zentrale Rolle spielen. Es sollen geeignete Supercomputing-Plattformen entwickelt werden, um neurowissenschaftliche Daten aus aller Welt für Modelle und Simulationen des Gehirns aufzubereiten. Für die Neurowissenschaft entsteht somit eine gemeinsame Basis, um Informationen auf der Ebene Gene, Moleküle und Zellen mit dem Denken und Verhalten des Menschen zu verbinden.

In ähnlicher Weise soll eine neuartige Medizininformatikplattform klinische Informationen aus aller Welt für Computermodelle von Erkrankungen nutzbar machen, um damit Techniken für die objektive Diagnose von Gehirnerkrankungen zu entwickeln, die ihnen zugrunde liegenden Mechanismen zu erforschen und die Entwicklung neuer Therapien zu beschleunigen.

Ein weiteres Projektziel ist die Nutzung eines besseren Verständnisses der Arbeitsweise des Gehirns zur Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien. Hier stehen verbesserte Energieeffizienz und Zuverlässigkeit sowie die bessere Beherrschung der Programmierung komplexer Rechnersysteme im Vordergrund.

Kritik[Bearbeiten]

Im Juli 2014 äußerten zahlreiche namhafte Neurowissenschaftler in einem offenen Brief an die Europäische Kommission Kritik am Management des Projekts und forderten unter anderem eine transparentere Vergabe von Forschungsgeld.[1] [2]

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Gast: Hirn-Boykott. Süddeutsche.de, 8. Juli 2014, abgerufen am 8. Juli 2014.
  2. Open message to the European Commission. 7. Juli 2014, abgerufen am 8. Juli 2014. (englisch)