Introversion und Extraversion

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Dieser Artikel befasst sich mit Persönlichkeitsausprägungen; zur gleichnamigen Computerspiele-Firma siehe Introversion Software.

Introversion und Extraversion sind zwei Pole einer Persönlichkeitseigenschaft, die durch die Interaktion mit der Umwelt charakterisiert wird. Den Begriffen nach bezeichnet Introversion eine nach innen, Extraversion eine nach außen gewandte Haltung.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Begriffe wurden von C. G. Jung 1921 [1] als gegensätzliche Wesensarten der Wahrnehmung, des Denkens und Fühlens sowie der Intuition beschrieben, wonach jede Person eher zu der einen oder der anderen Haltung neigt. Extravertiert war für Jung gleichbedeutend mit bewusst, introvertiert mit unbewusst.

Das Konzept der Introversion-Extraversion wurde von zahlreichen weiteren Persönlichkeitsforschern aufgegriffen und weiterentwickelt. Für Eysenck handelt es sich um ein Kontinuum, eine einheitliche Persönlichkeitsdimension statt um Gegensatzpaare. Eysencks Theorie führt Unterschiede auf eine unterschiedliche Erregbarkeit des Gehirns zurück - Extravertierte suchen mehr äußere Reize, weil es ihnen an inneren Reizen mangelt - Introvertierte können ihr optimales kortikales Erregungsniveau durch innere Reize aufrechterhalten[2]

Die Wurzeln der Gegenüberstellung gehen dabei weiter auf verschiedene Typenlehren zurück (z. B. Theophrastos von Eresos). Raymond Bernard Cattell, Joy Paul Guilford oder im deutschen Sprachraum Kurt Pawlik haben ebenfalls diese Dimension in ihren Theorien verwendet bzw. durch Testverfahren gemessen.[3]

Auch in neueren Modellen der Differentiellen Psychologie betrachtet man Introversion und Extraversion als einheitliche Dimension. Mittels Persönlichkeitstests ist es hierbei möglich, die individuelle Position des Probanden auf entsprechenden Skalen zu ermitteln. Sie gehört unter anderem zu den Big Five, einem Fünf-Faktoren-Modell für die Hauptdimensionen der Persönlichkeit.

Korrekte Schreibweise[Bearbeiten]

Da es sich um einen in die Alltagssprache eingegangenen Wissenschaftsbegriff handelt, sind Introversion (introvertiert) und Extraversion (extravertiert) die korrekten und einzig "theoriekonformen" Schreibweisen. Die Schreibweise "extrovertiert" (Herkunft: gebildet nach introvertiert)[4], nicht aber Extroversion, wird dabei zusätzlich vom Duden aufgeführt, weil sie sich in der Alltagssprache verbreitet hat. Intraversion (häufiger in der Alltagssprache) bzw. intravertiert (sehr selten) bleiben auch nach Duden Falschschreibungen.

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Introversion[Bearbeiten]

„Introversion“ (engl. „introversion“) ist der Gegenpol zu Extraversion. Introvertierte Charaktere wenden ihre Aufmerksamkeit und Energie stärker auf ihr Innenleben. In Gruppen neigen sie eher zum passiven Beobachten als Handeln und werden häufig als „still“, „sorgfältig“ und „bedächtig“ beschrieben. Introversion ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit Schüchternheit.

Ein markanter Unterschied zwischen introvertierten und extravertierten Personen ist, dass sich der Introvertierte nach längerer Zeit ohne Zeit „für sich selbst“ im Gegensatz zum Extravertierten energielos und „ausgesaugt“ fühlt. Daher bevorzugen introvertiert geprägte Menschen oft eine ruhige Umgebung, wie z. B. die eigene Wohnung, Bibliotheken, Parks, Wälder etc. Oft nutzen Introvertierte auch ihre Wochenenden und ihre Freizeit um sich zu erholen, indem sie je nach Möglichkeit so viel Zeit wie möglich allein oder mit engen Freunden und Bekannten verbringen. Dabei genießen sie, anders als von Außenstehenden häufig angenommen, diese Zeit, da sie sich nur auf diese Art effektiv erholen und nachdenken können.

Irrtümlicherweise werden Absagen von Partys, Ablehnungen von Verabredungen oder ein Ausbleiben von Kontaktaufnahme vom Bekannten- und Freundeskreis introvertierter Menschen in vielen Fällen so aufgefasst, als ob von Seite des Introvertierten kein Interesse oder Gleichgültigkeit an der Freundschaft bzw. Bekanntschaft mehr bestünde. Introvertierte streben genauso wie auch Extravertierte nach sozialen Kontakten, Freundschaften und Unternehmungen, jedoch nicht in solchem Umfang wie andere. So meiden Introvertierte meist überfüllte Partys und Veranstaltungen, verbringen dagegen aber gerne ein paar ruhige Stunden mit ihnen bereits vertrauten Freunden, solange die Gruppe nicht größer als 4-6 Personen ist.

Extraversion[Bearbeiten]

„Extraversion“ (engl. „extraversion“) zeichnet sich durch eine nach außen gewandte Haltung aus. Extravertierte Charaktere empfinden den Austausch und das Handeln innerhalb sozialer Gruppen als anregend.

Typisch extravertierte Eigenschaften sind gesprächig, bestimmt, aktiv, energisch, dominant, enthusiastisch und abenteuerlustig.

Begriffe[Bearbeiten]

Die Begriffe wurden von C. G. Jung in die Persönlichkeitspsychologie eingeführt. Introversion bezeichnet in der Analytischen Psychologie die Hinwendung der psychischen Energie nach innen, also weg von der Außenwelt. In Jungs Typologie der Persönlichkeiten ist Introversion vs. Extraversion der dominante Faktor, also der seiner Ansicht nach wichtigste.

Weiterentwicklungen[Bearbeiten]

In Myers-Briggs-Typindikator und David Keirseys Publikationen werden Introversion und Extraversion unter Berufung auf Jungs Definitionen als bipolare, also zweigeteilte Dimension verwendet, bei der jeder Mensch entweder auf der introvertierten oder der extravertierten Seite liegt.

In Eysencks 3-Typen-Modell (PEN-Modell) bilden Introversion und Extraversion die Pole einer kontinuierlichen Skala, die zu den drei übergeordneten Persönlichkeits-Kategorien zählt. Demnach bestimmt die individuelle Erregungsschwelle des ARAS, wie viel Reiz-Input als angenehm empfunden wird. Die zugehörigen Eigenschaftszuschreibungen übernimmt er vom klassischen Temperamentenmodell. Introversion ist dabei dem melancholischen und phlegmatischen Bereich zugeordnet, mit Eigenschaftszuschreibungen wie reserviert, ungesellig, eher ruhig und passiv, sorgfältig, bedächtig, friedlich (phlegmatisch). Empirische Erkenntnisse Eysencks legen zudem nahe, introvertierte Personen als leicht konditionierbar zu betrachten, die gegenüber äußeren Reizen nur geringe reaktive Hemmungen aufweisen, also bereits durch schwache Reize leicht erregbar sind.

Die Skala aus Extraversion und Introversion ist auch Kernbestandteil des so genannten Fünf-Faktoren-Modells nach Costa und McCrae, das heute als Standard-Instrument zur Beschreibung von Persönlichkeitseigenschaften gilt.

Nach den Modellen, die Introversion und Extraversion als kontinuierliche Skala verstehen, existiert ein Mittelbereich von nicht eindeutig extravertierten oder introvertierten Personen. Das durch diesen Mittelbereich beschriebene Phänomen wird gelegentlich als Ambiversion bezeichnet. Als ambivertiert gelten einerseits Personen mit gemäßigter Neigung, andererseits Personen mit stark wechselhafter introvertierter und extravertierter Neigung. Für die letztgenannte Gruppe wurde eine Korrelation zur Persönlichkeitseigenschaft Neurotizismus beschrieben. [5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jung, C.G. (1921). Psychologische Typen. Zürich, Rascher, siehe z. B. Sarges, W (2013). Managementdiagnostik. Göttingen:Hogrefe
  2. Eysenck, H. J. and Eysenck, S. G. B. (1965). The Eysenck Personality Inventory. British Journal of Educational Studies, Vol. 14, No. 1 (Nov., 1965), p. 140
  3. [http%3A%2F%2Fpersonality-project.org%2Frevelle%2Fpublications%2Fwr.ext.rev2.pdf&ei=qAx6UqO9B-OI4AT9hoEI&usg=AFQjCNFL4q9VGGLs9nH7Zw8vNPkig0ZkVQ&sig2=H_kRCX22ZccW-SXlBwexmQ&bvm=bv.55980276,d.bGE Prepared for the Handbook of Individual Differences in Social Behavior Mark Leary & Richard Hoyle (Editors) Joshua Wilt and William Revelle]
  4. http://www.duden.de/rechtschreibung/extrovertiert
  5. Cohen D./Schmidt J.P.: Ambiversion: characteristics of midrange responders on the Introversion–Extraversion continuum. In: Journal of Personality Assessment, 1979, 43(5): 514–516.