Investor Relations

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Investor Relations (IR) bzw. Finanzkommunikation ist ein Handlungsfeld der Unternehmenskommunikation und bezeichnet bei einer Aktiengesellschaft oder anderen kapitalbasierten Gesellschaften die Kontaktpflege zu Aktionären bzw. Investoren, Analysten und Finanzmedien. Diese drei Gruppen bilden die sogenannte Financial Community. Jedoch haben alle Zielgruppen anderes Vorwissen, unterschiedliche Erwartungen sowie differierende Anlagehorizonte, so dass sie mit Zielgruppen-optimierten Informationen und Maßnahmen angesprochen werden müssen. Da sich Investor Relations auf profitorientierte Organisationen beziehen, sind sie als Disziplin der Unternehmenskommunikation (engl. Corporate Communications) einzuordnen.

Ziele[Bearbeiten]

Ziel der IR ist es, der Financial Community all jene Informationen (Unternehmensberichte, Factbook, Präsentationen, IR-Seiten im Internet etc.) zur Verfügung zu stellen, damit die Entwicklung des Unternehmenswertes eingeschätzt werden kann, um die Erwartungen des Marktes zu steuern. Unsicherheiten und unklare Kommunikation können ebenso zu einer Unterbewertung der Aktie führen wie schlechte Gewinnzahlen. Auf der anderen Seite führen zu optimistische Aussagen zum Geschäftsverlauf oder den Gewinnaussichten zu einem Vertrauensverlust. Strategisches Ziel ist die Steigerung des Umsatzes gehandelter Aktien, um Kursschwankungen durch zu niedrige Umsätze bzw. eine Unterbewertung zu vermeiden. Ebenso ist es ein Ziel, viele Investoren zu kennen, um ihnen bei Aktienkäufen und -verkäufen zu helfen und um unfreundliche Übernahmen zu erschweren.

Organisation[Bearbeiten]

Träger der Kommunikation ist in der Regel die IR-Abteilung eines Unternehmens, der ein Investor Relations Officer (IRO) vorsteht. Er ist entweder dem Finanzchef (Chief Financial Officer - CFO), dem Geschäftsführer (Chief Executive Officer - CEO) oder der Kommunikationsabteilung bzw. dessen Chef (Chief Communications Officer - CCO) unterstellt.

Viele börsennotierte Unternehmen beauftragen für ihre IR spezialisierte IR-Agenturen. Da die Kommunikation in den letzten Jahren zunehmend juristischen Vorgaben folgen muss, richten IR-Abteilungen oft eine Rechtsabteilung für Finanzmarktfragen ein bzw. beschäftigen entsprechende Spezialisten.

Aufgaben[Bearbeiten]

Neben den gesetzlich geregelten Pflichtveröffentlichungen (Ad-hoc-Mitteilungen) ist ein wichtiger Aspekt der Finanzkommunikation die Anwendung von Best Practices für Transparenz und faire Information aller Marktteilnehmer. Instrumente sind etwa Konferenzen und Roadshows. Auch "Designated Sponsors" können eine große Rolle für die Wahrnehmung eines Unternehmens am Markt spielen.

„Effektive Finanzkommunikation“ zeichnet sich laut DVFA-Definition vom Mai 2006 durch folgende Kriterien aus:

  • Erwartungsmanagement
  • Gleichbehandlung
  • Kapitalmarktorientierung
  • Kontinuität/Aktualität
  • Nachvollziehbarkeit
  • Wesentlichkeit

Die Abdeckung durch Research-Häuser (sog. „Coverage“) hilft dem Unternehmen zu größerer Aufmerksamkeit. Dazu kann Research direkt in Auftrag gegeben werden, gilt jedoch als unseriös, da für den Analysten ein Zielkonflikt entsteht.

Wissenschaftstheoretische Ansätze[Bearbeiten]

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Investor Relations findet bisher nur begrenzt statt. Die wesentlichen Strömungen hier sind Ansätze der Neuen Institutionenökonomik und organisationswissenschaftliche beziehungsweise kommunikationswissenschaftliche Herangehensweisen.

Prinzipal-Agenten-Theorie[Bearbeiten]

Bei der Prinzipal-Agenten-Theorie geht man von zwei Parteien aus, wobei eine Partei (der Agent) aufgrund ihrer Position, Erfahrungen oder Ausbildung einen Informationsvorsprung (asymmetrische Informationsverteilung) gegenüber der anderen Partei (dem Prinzipal) hat. Beide Parteien streben danach, ihren eigenen Nutzen zu maximieren. Es besteht die Gefahr, dass der Agent seine Position zum Nachteil des Prinzipals ausnutzt. Bei den Investor Relations geht man dementsprechend davon aus, dass für die IR-Abteilung als Agenten die Möglichkeit besteht die financial community nicht vollständig oder falsch zu informieren. Die financial community kann aber das Verhalten des Agenten nicht überprüfen oder kontrollieren. Die klassische Lösung bei einer solchen Konstellation liegt darin, externe Anreize zu schaffen, die dieses Verhalten unprofitabel machen.

Transaktionskostenansatz[Bearbeiten]

Die Transaktionskosten umfassen alle Anstrengungen/Kosten, die unternommen werden müssen eine Transaktion anzubahnen, sie durchzuführen und zu kontrollieren. Auf die Investor Relations übertragen können das beispielsweise die Kosten eines potentiellen Investors sein, die er aufbringen muss um eine Aktiengesellschaft so gut wie möglich zu bewerten, Anteile zu erstehen und festzustellen, wie sich der Wert der AG entwickelt. Wenn Informationen schwer zu erhalten sind, die rechtliche Situation unklar ist oder einer Aktiengesellschaft kein Vertrauen entgegengebracht wird erhöhen sich dementsprechend die Kosten der Financial Community.

Organisations- und kommunikationswissenschaftliche Ansätze[Bearbeiten]

Eine weitere wissenschaftliche Herangehensweise ist es, die Beziehung zwischen der Financial Community und den Aktiengesellschaften mit Hilfe von Kommunikations- oder Organisationstheorien zu modellieren. Dafür werden teilweise veraltete Kommunikationsmodelle wie das Messaging aus den 1950er Jahren genutzt. Hier gibt es einen Sender (die IR-Abteilung,) der eine Nachricht kodiert und sie über einen Kanal versendet. Der Empfänger (die Financial Community) empfängt diese Nachricht, dekodiert sie und versteht den Inhalt. Derartige Modelle gelten in der Kommunikationswissenschaft aber als unterkomplex und waren nie dafür konzipiert die Kommunikation von Unternehmen abzubilden.

Eine deutlich differenziertere Herangehensweise bietet die Communicative Constitution of Organization. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Ansätzen, die alle davon ausgehen, dass Kommunikation das entscheidende Element jeder Organisation ist und somit auch der Aktiengesellschaft. Insbesondere die Montréal School mit ihrer Text and Conversation Theory ist hier hervorzuheben. Sie wurde maßgeblich geprägt von James R. Taylor. Nach der Montréal School sind Investor Relations als eine Form des Metatexts zu verstehen. Die IR-Abteilung einer Aktiengesellschaft interpretiert die internen Vorgänge und reduziert damit die Komplexität für die Financial Community. Durch diese Vereinfachung in metatext kann es dazu kommen, dass die Financial Community keinen Zugang mehr zu den Rohdaten der Aktiengesellschaft hat, ein Analyst oder Investor diese Daten aber möglicherweise anders interpretiert hätte als die Aktiengesellschaft selbst und zu einer anderen Bewertung des Aktienpreises käme. Dementsprechend ist aus dieser Perspektive eine transparente Vermittlung der internen Entscheidungsgrundlagen und Abläufe von besonderer Bedeutung.

Internationale IR-Verbände[Bearbeiten]

IR-Weiterbildunginstitute[Bearbeiten]

CIRO - Certified Investor Relations Officer, Deutscher Investor Relations Verband e.V.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Dürr (1995): Investor Relations - Handbuch für Finanzmarketing und Unternehmenskommunikation.
  • Klaus R. Kirchhoff/Manfred Piwinger (2005): Praxishandbuch Investor Relations.
  • Patrick Kiss (2001): Investor Relations im Internet. Eine theoretische und praktische Analyse. Wolfratshausen: Going-Public-Media