Isogramm

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Als Isogramm (von ἴσος isos, griechisch für gleich und γράμμα Gramma, für Buchstabe) bezeichnet man einen Text (üblicherweise ein einzelnes Wort) beliebiger Länge, in dem alle verwendeten Buchstaben gleich oft (im einfachsten Fall jeder einmal) vorkommen. Ein Pangramm enthält demgegenüber alle Buchstaben des Alphabets mindestens einmal. Ein echtes Pangramm ist sowohl Pan- als auch Isogramm.

Rekordbeispiele im Deutschen[Bearbeiten]

Als längstes deutsches Fantasie-Isogramm mit Sonderbuchstaben gilt Heizölrückstoßabdämpfung (24 Buchstaben).

Ohne Sonderbuchstaben ergeben sich andere Fantasiewörter: oxydschmelzpunktfarbig (22), Konvexrumpfschwitzbad (21), Zylinderkopfwachstum (oder -waschgut) (20), Malzwhiskyduftproben (20), Zylinderhutwompfsack (20), Wildbachverstopfung (19), Jagdkniestrumpfloch (19)

Bei Wortlängen von 19 Buchstaben und weniger findet man häufiger sinnvolle Wortkompositionen, die aber trotzdem selten bis gar nicht verwendet werden. Wörter mit 16 und 15 Buchstaben ohne Buchstabenwiederholung gibt es bereits viele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): unproblematisch, Bildungsprojekt, Zwischenprodukt, Komplizenschaft, Machtverfilzung, Sportklubchefin, Bockwurstzipfel.

Eine Auswahl der längsten Sinn ergebenden deutschen Isogramme
Länge Wort Verwendung Internet 2012 Bemerkung
21 Judokämpferschützling - Beim Schützling eines Judokämpfers handelt es sich zweifelsohne um einen Judokämpferschützling.
21 Plüschfigurwandobjekt - das neueste Werk eines Objektkünstlers
20 Dorfplatzschießübung - auf dem Dorfplatz stattfindende Schießübung
20 Videomarktlöschübung - eine Demonstration der Freiwilligen Feuerwehr
20 Stoßdämpferabkühlung - nicht sehr sinnvoll, aber durchaus möglich
19 Boxkampfschilderung kaum Berichterstattung über einen Boxkampf
19 Fachbildungsprojekt selten real verwendetes Isogramm ohne Umlaute und ß
18 Großkatzenimpfbuch - In einem Zoo wird natürlich Buch geführt.
18 Knoblauchgewürzdip selten ein Wort, das häufiger in Bindestrich-Schreibweise verwendet wird
18 Witzboldaufmärsche - deutsche Übersetzung für Flashmobs (im Dativ Plural: Witzboldaufmärschen(19))
17 Büroflächenumsatz häufig Begriff aus der Immobilienwirtschaft
17 Dialogschwerpunkt häufig Isogramm ohne Umlaute und ß
17 Mobilfunkgespräch häufig
17 Pokalbeschriftung häufig Isogramm ohne Umlaute und ß
17 Rotwildbekämpfung selten
16 Dialektforschung häufig wird oft fälschlich als längstes tatsächlich verwendetes Isogramm ohne Umlaute und ß genannt
16 Polschraubzwinge selten ein Werkzeug

Andere Sprachen und Schriften[Bearbeiten]

Für die chinesische Schrift ist das Qianziwen 千字文 ein klassisches Beispiel. In dem um das Jahr 500 komponierten philosophisch-pädagogischen Text kommen tausend chinesische Zeichen ohne jegliche Wiederholung vor.

Im Japanischen wurde das aus 47 Silben bestehende Iroha-Gedicht als traditionelles „Alphabet“ für die Kana-Zeicheninventare verwendet. In dem möglicherweise eigens zu diesem Zweck geschaffenen Gedicht kommt jedes Kana-Grundzeichen (ohne die Varianten mit Diakritika) genau einmal vor (Isogramm und echtes Pangramm). Die „weichen“ und „harten“ Varianten der Grundformen werden hier ausgeklammert, so wie im deutschen Alphabet verwendeten Buchstaben Ä, Ö und Ü fehlen. Iroha-Alphabet (seltener auch: Irohani-Alphabet) heißt es nach seinen Anfangssilben (analog der Bezeichnung ABC für lateinische Alphabete). Das Gedicht lautet (Wiedergabe in Hepburn-Romaji, aber in der alten Aussprache):

i ro ha ni ho he to
chi ri nu ru wo
wa ka yo ta re so
tsu ne na ra mu
u wi no o ku ya ma
ke fu ko e te
a sa ki yu me mi shi
we hi mo se su.

Im Deutschen ungefähr wiedergegeben mit „Wie wunderduft’ge Blumen dennoch welken, kann niemand ewiglich bestehn, lasst heut uns der Vergänglichkeiten Berge überschreiten, kein seichter Traum mehr wird geschehn, noch Trunkenheit uns leiten“.
In moderneren Lehrbüchern wird meist nicht mehr das Iroha-Alphabet zum Lernen benutzt, sondern eine Darstellung des Kana-Inventars wie in den meisten indischen Schriften vorgenommen, also in einer nach Lautgruppen systematisch sortierten Tabelle („a i u e o – ka ki ku ke ko -“ und so weiter) ohne weitere Bedeutung. Diese seit der Meiji-Zeit übliche Darstellung heißt im Japanischen gojūon (dt. „fünfzig-Laute“-Tafel).

Für Sanskrit gibt es als Isogramm und zugleich Pangramm die dem Iroha entsprechende Gedichtform der Shiva-Sutren oder Maheshvara-Sutren, ein jeweils vierzehnstrophiges Gedicht mit allen Sanskritphonemen, wie sie in der maßgebenden Grammatik des Panini angegeben werden.