Jakobus von Lüttich

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Jakobus von Lüttich, auch Jacobus Leodiensis, Jacobus van Luik und Jacques de Liège (* um 1260; † nach 1330) war ein franco-flämischer Musiktheoretiker. Wie bei vielen Zeitgenossen ist von seinem Lebenslauf nur sehr wenig bekannt.

Speculum Musicae[Bearbeiten]

Er ist Verfasser des siebenbändigen Werks Speculum Musicae. Dieses Werk wurde ursprünglich Johannes de Muris zugeschrieben. Dies ist jedoch nicht haltbar, da die Anfangsbuchstaben der Texte der sieben Bände das Akrostichon „IACOBUS“ bilden, und somit den Namen des Verfassers offenbaren.

Aufbau[Bearbeiten]

Das Speculum ist ein enzyklopädisches Werk. Band 1–5 sind der theoretischen Musiklehre, der musica speculativa gewidmet. In den letzten zwei Bänden nimmt er die Ausführung der Musik, die musica practica unter die Lupe.

  • Band 1 beschäftigt sich mit den Grundlagen, die notwendig sind, um musikalische Konsonanzen zu verstehen. Hierbei nimmt er Bezug auf Boëthius, Isidor von Sevilla, Guido von Arezzo, Aristoteles, Platon und Petrus Comestor. Der Band endet mit einem Kapitel über die Harmonietheorie des Pythagoras.
  • Band 2 beschäftigt sich mit Konsonanzen, und zwar auf der Basis des Monochords. Die verschiedenen Intervalle werden in eigenen Abschnitten behandelt: ab Kapitel 8: diapason (Oktave), ab Kapitel 23: bis diapason (Doppeloktave), ab Kapitel 27: diapente (Quint), ab Kapitel 32: diatessaron (Quart), ab Kapitel 38: tonus (Ganzton)
  • Band 3 ist zur Gänze mit mathematischen Überlegungen über Proportionen und Intervalle, und ihre Teilungen gefüllt.
  • Band 4 bewertet die Konsonanzen, vergleicht sie und beschäftigt sich mir ihren Fortschreitungen. Hier verwendet er bereits den Begriff Kadenz, womit gemeint ist, dass imperfektere Konsonanzen ihrer Natur entsprechend zu perfekteren fortschreiten. So schreiten die Sekund und die kleine Terz zum Einklang fort; die große Terz zur Quinte, die Quart entweder in den Einklang oder die Quinte. Die Quint gilt als stabil, die große Sext und die kleine Sept schreiten entweder zur Quint oder zur Oktave fort. Kleine Sext und große Sept werden nicht erwähnt.
  • Band 5 beschäftigt sich mit drei verschiedenen Arten von Tetrachorden. Jakobus' Quellen hierfür sind Boethius und Guido von Arezzo. Der Vergleich dieser Tetrachorde mit den Guidonischen Hexachorden ist hier ebenfalls thematisiert.
  • Band 6 beschreibt die liturgische Einstimmigkeit (Gregorianik), insbesondere die Kirchentonarten, aber auch die Notation und das Repertoire.
  • Band 7 beschäftigt sich dagegen mit der Mensuralmusik. Hier verteidigt er in erster Linie die Ars Antiqua, allerdings – entgegen weitverbreiteter Meinung – ohne die Ars Nova zu verdammen. Er wehrt sich dagegen, die Semibrevis als teilbaren Wert zuzulassen. Auch stört er sich an der Gleichberechtigung des imperfekten Modus. (Näheres zu diesen Neuerungen im Artikel Mensuralnotation).

Literatur[Bearbeiten]