Kamptokormie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter Kamptokormie (auch latinisiert Camptocormia, von gr. kampto = beuge, kormos = Rumpf) versteht man eine unwillkürliche aktive Beugung des Rumpfes nach vorne. Ursache ist eine unwillkürliche (dystone) Anspannung der Rumpfbeugemuskulatur, die sich bei aufrechter Körperhaltung verstärkt, das heißt vor allem beim Stehen, weniger beim Sitzen.

Erkrankungen[Bearbeiten]

Die Kamptokormie kommt vor bei

Ferner kann die vornübergebeugte Körperhaltung auch als Symptom einer Hysterie auftreten.

Behandlung[Bearbeiten]

Die Behandlung ist schwierig. In manchen Fällen hilft die Injektion von Botulinumtoxin in die Bauchmuskulatur, selten wirken Medikamente (z.B. Kortison, L-Dopa). Bei Parkinson-Patienten helfen Medikamente oft nicht gegen die Kamptokormie, selbst dann nicht, wenn die Patienten ansonsten gut medikamentös behandelt werden können[2].

Der Behandlungsansatz innerhalb der Physiotherapie bei Kamptokormie ist bislang noch nicht nach Studien explizit untersucht[3]. Die kontinuierliche Behandlung durch Physiotherapie kann die Symptome lindern, ändert aber vermutlich den Verlauf nicht[1].

Experimentell ist die Behandlung der Kamptokormie durch die tiefe Hirnstimulation (THS)[4]. Die Berichte über Behandlungserfolge bei der THS sind aber divergent[1].

Literatur[Bearbeiten]

  1. a b c N. Margraf, G. Deuschl: Kamptokormie bei Morbus Parkinson. In: Aktuelle Neurologie. 37, Nr. 7, September 2010, S. 319-326. doi:10.1055/s-0030-1248605.
  2. G. Reichel, A. Stenner, W. Hermann: Therapieoptionen bei primärer und sekundärer Kamptokormie. In: Aktuelle Neurologie. 32, 2005. doi:10.1055/s-2005-919374.
  3. Studie zur Sicherheit und Wirksamkeit aktivierender Therapien bei Patienten mit Parkinson Syndrom, Fokus Gangstörungen und Haltungsanomalien
  4. N. Allert, A. A. Miskiewicz, V. A. Coenen: Tiefe Hirnstimulation bei Morbus Parkinson mit Kamptokormie? Ein Fallbericht. In: Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie. 79, Nr. 2, 2011, S. 97-101. doi:10.1055/s-0029-1245994.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!