Katharinasittich

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Katharinasittich
Bolborhynchus lineola -pet parrot.jpg

Katharinasittich (Bolborhynchus lineola)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)
Gattung: Dickschnabelsittiche (Bolborhynchus)
Art: Katharinasittich
Wissenschaftlicher Name
Bolborhynchus lineola
(Cassin, 1853)
Ein Katharinasittich von der Seite
Verbreitungsgebiet

Der Katharinasittich (Bolborhynchus lineola) ist eine Art der Neuweltpapageien. Er kommt von Mittelamerika bis nach Südamerika vor.

Der in seinem Verhalten papageienähnliche Katharinasittich verdankt seinen Namen einem kleinen „Übersetzungsfehler“. Noch heute wird der grüne Südamerikaner in Mexiko Catarina listada oder Catarina rayada (d. h. „gezeichneter/gestreifter Sittich“) genannt.

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Der Katharinasittich ist etwa 16 bis 17 cm lang,[1] wobei nur knapp sechs Zentimeter auf den Schwanz entfallen. Das Gewicht eines ausgewachsenen Vogels liegt bei etwa 50 bis 60 Gramm. Die Wildfarbe des Katharinasittichs ist grün. Dies dient in der ursprünglichen Umgebung der Tiere vor allem der Tarnung. In grünem Blätterwerk ist das Gefieder kaum von seiner Umgebung zu unterscheiden. Die Stirn ist gelbgrün. Der Scheitel ist blau überhaucht. Bei den meisten wildfarbenen Katharinasittichen weisen die Federn des Hinterkopfes und des Nackens schmale schwarze Säume auf. Auch die Federn der Flanken und Brustseiten sind grünschwarz gesäumt. Der Flügelbug ist schwarz. Die Handdecken, Handschwingen und Armschwingen sind grün. Die Unterflügeldecken sind bläulich grün. Der Schnabel ist hornfarben. Der Augenring ist schmal und unbefiedert sowie von grauer Farbe. Die Iris ist dunkelgrau. Wie für Dickschnabelsittiche charakteristisch ist die Wachshaut unbefiedert. Die Füße sind hell fleischfarben.[1]

Der Katharinasittich gehört zur Gattung der Dickschnabelsittiche. Wie der Name schon vermuten lässt, ist der Schnabel das auffälligste Merkmal dieser kleinen Sittiche. Der Schwanz ist sittichuntypisch kurz und spitz. Männchen und Weibchen sind nur schwer voneinander zu unterscheiden.

Verbreitungsgebiet[Bearbeiten]

Die Nominatform (B. l. lineola) ist von Südmexiko bis Westpanama zu finden. Den Peru-Katharinasittich (B. l. tigrinus) dagegen trifft man südlicher in West-Kolumbien, in den Anden-Regionen Nord-West-Venezuelas, Nord-West-Ecuador und Zentral-Peru an. Es sind aber auch Exemplare in Bolivien gesichtet worden.

Dabei suchen die Tiere in den Sommermonaten die Gebirgswälder bis zu Höhen von 2300 m auf. Bevorzugt halten sie sich oberhalb von 1500 m auf. Im Winter dagegen ziehen sie sich in niedriger gelegene Gebiete zurück (etwa 600 m).

Verhalten[Bearbeiten]

Die nomadisch lebenden Katharinasittiche treten meist in kleinen Schwärmen unter 20 Vögeln oder paarweise auf. Lediglich außerhalb der Brutzeit sind Gruppen von über 100 Tieren zu beobachten. So werden Schlafbäume von Hunderten der kleinen Sittiche aufgesucht. Sie überfliegen freie Flächen hoch und schnell unter lautem, schrillem Rufen. Katharinasittiche sind, wie die meisten Papageien, Höhlenbrüter, die ihre Jungen in abgestorbenen Bäumen großziehen.

Der Katharinasittich in menschlicher Obhut[Bearbeiten]

Der Katharinensittich wurde erstmals 1886 nach Europa importiert. Er wird seitdem immer wieder in unregelmäßigen Abständen eingeführt und im Handel angeboten. Über Jahrzehnte war er die einzige Art der Dickschnabelsittiche, die in menschlicher Obhut gepflegt wurde. Entsprechend ist die Literatur für diese Art verhältnismäßig groß. Zur Beliebtheit des Katharinensittichs in der Ziervogelhaltung trägt bei, dass diese Papageienart verhältnismäßig leise ist.[2] Die Erstzucht gelang 1902 einer Frankfurter Privathalterin.[3]

Außenvoliere für Katharinasittiche
Artgerechter Zimmerkäfig für Katharinasittiche

Farbmutationen[Bearbeiten]

Mit der vermehrten Haltung als Stuben- und Volierenvogel wurde der Katharinasittich in den letzten Jahren auch für Züchter immer interessanter. Die in Deutschland etablierten Farbmutationen sind die blauen bzw. türkisfarbenen, die gelben und cremefarbenen Farbschläge. Auch mauve-farbene Vögel werden immer häufiger angeboten.

Unterbringung in Käfig oder Voliere[Bearbeiten]

Ein immenses Problem des Katharinasittichs ist seine geringe Größe und seine anfangs zurückhaltende Art. Sein Bedürfnis nach reichlich Bewegung wird dadurch leicht unterschätzt. Aber der Katharinasittich braucht viel Bewegungsraum in einer ausreichend großen Unterkunft und jede Menge Beschäftigung. Wie alle Papageien kann der Katharinasittich hervorragend klettern. Ein Käfig sollte mindestens ein Meter lang sein. Für die dauerhafte Unterbringung eines Paares Katharinasittiche ist eine Voliere mit zwei Metern Länge absolutes Minimum. Wird täglich Freiflug gewährt, können auf zwei Quadratmetern auch zwei bis drei Paare gehalten werden. Bei einer Koloniehaltung sollte pro Paar mindestens ein Quadratmeter Bodenfläche zur Verfügung stehen. Auch eine Haltung in Außenvolieren ist möglich. Wichtig ist ein Schutzhaus, welches im Winter frostfrei gehalten werden sollte.

Verhalten[Bearbeiten]

Lautstärke[Bearbeiten]

Sicherlich gehören Katharinasittiche zu den eher ruhigen Vertretern der Papageien. Katharinasittiche gelten als ruhige, friedliche Tiere und eignen sich somit für die Haltung im Haus oder in Außenvolieren. Ihre Stimme ist angenehm, lediglich morgens und abends sind sie auch stimmlich aktiver. Bei der Haltung eines Katharinasittichpaares wird man in der Regel keine Probleme mit der Lautstärke seiner Tiere haben. Erhöht sich die Anzahl der Tiere zu einem kleinen Schwarm, so kann es vor allem morgens und abends auch mal lauter werden. Bei Rundflügen muss schließlich ständig der Kontakt zu den Artgenossen gehalten werden.

Werden am Morgen paarweise oder in Gruppen die ersten Runden außerhalb des Käfigs oder der Voliere gedreht, so lassen die Katharinasittiche dabei ein gemeinschaftliches, lautes Geschrei ertönen.
Mit diesen lauten Rufen halten Katharinasittiche akustischen Kontakt. Oft verstummen diese Kontaktrufe erst, wenn entweder beide Tiere wieder nebeneinander sitzen oder wenn der akustische Kontakt komplett unterbrochen wird.
In den Ruhepausen und beim Dösen wird manchmal leise vor sich hin geplappert. Dabei wechseln sich knackende Laute und ein dunkles Knurren ab. Diese Geräusche lassen sich aufgrund der geringen Lautstärke nur schwer aufnehmen.
Bei kleinen Störungen jedoch ändert sich dieses Gesäusel schnell in ein aufgeregtes Geplapper, wobei sich alle Mitglieder eines Schwarmes daran beteiligen.

Sozial- und Schwarmverhalten[Bearbeiten]

Kraulendes Paar

Die beiden Partner eines Paares verbringen die meiste Zeit des Tages zusammen. Der direkte Körperkontakt ist sehr wichtig. Beim Kuscheln oder Dösen sitzen beide Katharinasittiche nah zusammen, meist Schwanz an Schwanz. In den Ruhepausen kraulen sich die Partner ausgiebig und sehr intensiv. Möchte der eine Katharinasittich gerne gekrault werden, so streckt er seinem Gegenüber den Hinterkopf hin und/oder stupst ihn sanft an. Meist kann dann der andere nicht widerstehen und beginnt mit der sozialen Gefiederpflege. Ist ein Paar, aus welchen Gründen auch immer, für einen Moment getrennt, so hält es über laute Rufe zumindest akustischen Kontakt. Katharinasittiche sind wie viele Papageien Schwarmvögel und können in einer Voliere oder einem Zimmer als solcher gehalten werden. Gleichzeitige Nahrungsaufnahmen gehören ebenso dazu wie gemeinsame Ruhepausen mit Putzen, Kuscheln und Kraulen. Dennoch gestaltet sich das Leben in einem Katharinasittichschwarm bunter und aufregender als bei reiner Paarhaltung. Die Paare und auch unverpaarten Tiere kommunizieren untereinander in vielfältiger Weise, es wird gezankt, in großen Gruppen gekuschelt oder einfach nur geplappert.

Brutverhalten[Bearbeiten]

Das Weibchen brütet fest, meist erst nach dem zweiten oder sogar erst nach dem dritten Ei. Die Zahl der Eier liegt meist zwischen drei und sechs, im Schnitt werden vier Eier gelegt. Die Brutdauer liegt bei ungefähr 21 Tagen. Das Männchen füttert seine Partnerin während der Brut. Das Weibchen verlässt das Gelege nur selten, um Kot abzusetzen und zu trinken. Wenn die Jungen etwa acht bis zehn Tage alt sind, verlässt auch das Weibchen hin und wieder das Nest. Die Jungvögel bleiben zwischen vier und sechs Wochen im Nest. Oft werden die Jungen noch zwei bis drei Wochen nach dem Ausfliegen von den Elterntieren gefüttert. Der Familienverband ist fest, die Nisthöhle wird oft von den Jung- und den Alttieren gemeinsam als Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Ab und zu wird von Paaren berichtet, die sich mit einem weiteren Paar einen Nistkasten teilen. Ebenso kann beobachtet werden, dass Junge der vorangegangenen Brut sowie auch völlig unbeteiligte Vögel die Küken der neuen Brut füttern. Dies wird von den meisten Eltern geduldet. Im Allgemeinen nimmt die Streitlust der Katharinasittiche während der Brutzeit etwas zu.

Angst- und Fluchtverhalten[Bearbeiten]

Das Angst- und Fluchtverhalten der Katharinasittiche ist ziemlich ungewöhnlich. Bemerken sie etwas Ungewohntes in ihrer Umgebung, z. B. fremde Geräusche oder visuelle Reize, so erstarren die Katharinasittiche sofort. Dabei wird das Gefieder eng angelegt und die volle Aufmerksamkeit auf die Störung fokussiert. Bleibt die Störung bestehen, so geben die Katharinasittiche nach einiger Zeit leise, fiepende Geräusche von sich. Es wird nun versucht, ganz langsam der möglichen Gefahr zu entkommen, indem der Standort durch Laufen oder Klettern gewechselt wird. Das Ziel ist, die Quelle der Störung ausfindig zu machen. Nur wenn sich die Katharinasittiche dann nach einiger Zeit noch immer bedroht fühlen, fliegen sie weg. Oft wird zusätzlich als Zeichen der Angst oder Unsicherheit der Schwanz gefächert. Fühlt sich der Katharinasittich aber erschreckt oder akut bedroht, dann fliegt er planlos unter lautem Geschrei los. So eine Panikattacke ist gefährlich, die Vögel fliegen mit voller Wucht gegen Hindernisse, Fenster und Wände. Daher ist es ratsam, sich den Vögeln immer vorsichtig zu nähern und sie frühzeitig anzusprechen.

Ernährung[Bearbeiten]

Katharinasitiche beim Fressen

Grundsätzlich setzt sich das Futter für die Katharinasittiche aus 50 % feuchtem Futter, bestehend aus Obst und Gemüse, 10 % grünem Futter, bestehend aus Grünfutter und Kräutern sowie 40 % trockenen Sämereien zusammen. Die reichlich aufgenommene Nahrung wird mit einer enormen Geschwindigkeit verdaut und verschwenderisch verstoffwechselt. Dementsprechend üppig und von der Konsistenz her eher breiig bis flüssig ist auch der Kot der Katharinasittiche nach einer obsthaltigen Mahlzeit. Verschiedene Sorten von Körnermischungen und anderen Saaten werden idealerweise durch viel Obst und Gemüse ergänzt. In den Sommermonaten bieten sich auch frische Gräser an. Wie bei vielen anderen Sittichen auch, gilt bei den Katharinasittichen Kolbenhirse als besonderer Leckerbissen.

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Arndt, S. 77
  2. Arndt, S. 79
  3. Arndt, S. 81

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Arndt: Südamerikanische Sittiche – Enzyklopädie der Papageien und Sittiche, Band 5, Horst Müller-Verlag, Walsrode 1986, ISBN 3-923269-09-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Katharinasittich (Bolborhynchus lineola) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien