Katholisch

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Dieser Artikel behandelt den theologischen Begriff katholisch im Allgemeinen. Näheres zur römisch-katholischen Kirche findet sich im eigenen Artikel. Zu weiteren Bedeutungen siehe Katholische Kirche (Begriffsklärung).

Das Wort katholisch stammt von griechisch καθολικός (katholikós, aus κατά katá ‚um … willen‘ und ὅλον hólon ‚das Ganze‘) ab und bedeutet ‚das Ganze betreffend‘, ‚allgemein‘.[1] Es bezeichnete früh die christliche Kirche, in einem engeren Sinne heute zumeist die römisch-katholische Kirche in Abgrenzung zu den orthodoxen und evangelischen Kirchen.

Der Begriff katholisch

Wenn von der katholischen Kirche gesprochen wird, können folgende Gruppen gemeint sein:

Als früheste Belegstelle für die theologische Verwendung des Begriffs kann Ignatius von Antiochien (35–117) angeführt werden: „Denn da, wo Jesus Christus ist, ist auch die katholische Kirche“.[2]

Justin der Märtyrer (100–165) spricht in seinem Dialog mit dem Juden Tryphon davon, dass es „für alle ohne Ausnahme die allgemeine [= katholische] und sogenannte ewige Auferstehung“ geben werde.[3]

Clemens von Alexandria (150–215) bezeichnet das Aposteldekret Apg 15,22–29 EU als „katholischen Brief“ aller Apostel, als den „gemeinsamen Brief aller Apostel“.[4]

Im weitesten Sinne versteht man heute unter der katholischen (alles umfassenden) Kirche die von Jesus Christus begründete Gemeinschaft aller Christen. Sie ist abstrakt gesehen die von Christus gewollte, eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche und als solche die eine Kirche Christi oder Mutterkirche aller Christen. Während im ersten Jahrtausend die Kirche noch relativ einig war, begann mit der Kirchenspaltung im Jahre 1054 zugleich die theologische Kontroverse über die Frage, in welcher der jeweiligen Teilkirchen die katholische Kirche in diesem Sinne zu finden sei. Der Hintergrund ist, dass es nur eine einzige allgemeine Kirche geben kann. In der Folge der Reformation hat diese Frage an Komplexität gewonnen, so dass der Begriff von den verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften unterschiedlich interpretiert wird.

In einem engeren Sinne, vor allem seit der Reformation, versteht man im Deutschen unter katholische Kirche die römisch-katholische Kirche. Selbst in ihrem eigenen Selbstverständnis kann sie nicht mit der oben beschriebenen, einen Kirche Christi einfach identifiziert werden. In dieser engeren Verwendung, die sich in der Folge der Reformation entwickelt hat, bezeichnet katholische Kirche also eine bestimmte Konfession. Die Aufgliederung der römisch-katholischen Kirche in die katholische Kirche von Rom und die Ostkirchen wurzelt in der Trennung von Westrom (um Rom) und Ostrom (um Byzanz, Byzantinischer Ritus) und der Missionsdiaspora in Asien und Afrika. Im Laufe der Zeit haben etliche Kirchen des Ostens den Papst (Bischof von Rom) als Oberhaupt bestimmt („romuniert“).
In Deutschland ist die Bezeichnung katholisch ohne Zusatz namensrechtlich für die römisch-katholischen Kirche geschützt. In Österreich ist Katholische Kirche die gesetzliche wie Eigenbezeichnung für die Römische und romunierten Kirchen gemeinsam, während römisch-katholisch die amtliche und auch landläufige Bezeichnung nur des lateinischen Ritus (Lateinische Kirche, Kirche von Rom) ist.

Die Bezeichnung beansprucht auch die Altkatholische Kirche, das sind diejenigen Kirchen, die das I. Vatikanum 1870 nicht anerkannt haben (Schisma von Utrecht).

Des Weiteren führen mehrere kirchliche Gemeinschaften, deren Rechtsstatus zum Teil unklar oder zweifelhaft ist und deren Bischöfe den sogenannten Vagantenbischöfen zuzurechnen sind, den Begriff katholisch in ihrem Namen (siehe Liste der christlichen Konfessionen).

Darüber hinaus verstehen sich auch alle Kirchen, die die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse anerkennen, wie zum Beispiel die evangelischen Kirchen, als neben der römisch-katholischen Kirche gleichwertige Teile der „einen heiligen allgemeinen bzw. christlichen (=katholischen) Kirche“.[5] Nach ihrem Selbstverständnis bilden die verschiedenen Kirchen – auch die römisch-katholische – eine durch den Glauben an Jesus Christus von Gott gestiftete Einheit. Der Anspruch auf Allgemeingültigkeit spielt bei diesen allerdings keine so große Rolle. Auf die aus der Reformation hervorgegangen Kirchen wird der Begriff katholisch jedoch seltener angewandt, um Verwechslungen mit der römisch-katholischen Kirche zu vermeiden.

Der Katholizität im ursprünglichen Wortsinn kommt im ökumenischen Dialog eine besondere Bedeutung zu. Die ursprüngliche Bedeutung von katholisch hat sich im Griechischen bis heute erhalten, es bedeutet dort universell, sofern kein weiteres Adjektiv es einschränkt. In der ökumenischen Bewegung wird heute manchmal statt des Wortes katholisch das Wort sobornost verwendet, das die russische Übersetzung des griechischen Wortes katholikos ist, um die allgemeine Kirche zu bezeichnen, ohne die mit dem Wort katholisch verbundene Assoziation auf die römisch-katholische Kirche zu beschränken.

Das Glaubensbekenntnis

Neben anderen Schriftzeugnissen kommt den ersten ökumenischen Konzilien eine besondere Bedeutung zu. Das Nicäno-Konstantinopolitanum hat in seinem Glaubensbekenntnis, welches seither die grundlegende Glaubensformel fast aller Christen ist, die wesentlichen Merkmale der von Jesus Christus errichteten Kirche ausgesprochen:

Credo in … unam, sanctam, catholicam et apostolicam ecclesiam
Ich glaube / Wir glauben an … die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“

Erstes Konzil von Konstantinopel, 381[6]

Sprachlich möglich ist auch die Verwendung des deutschen Begriffes „allgemein“ für „katholisch“. Im deutschen Sprachraum machen davon ausschließlich reformierte Kirchen Gebrauch. In den evangelischen Kirchen in Deutschland (z. B. in der EKD) wird der Begriff „katholisch“ im Glaubensbekenntnis mit „christlich“ oder „allgemein“ wiedergegeben, etwa:

„Ich glaube an … die heilige christliche Kirche.“

– Apostolisches Glaubensbekenntnis

„Ich glaube an … die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche.“

– Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel

In anderen Sprachen hat sich hingegen die Verwendung des Begriffes katholisch erhalten.

Wesensmerkmale der Katholizität

Die Katholizität im ursprünglichen Wortsinn gehört damit zu den Wesensmerkmalen der christlichen Kirche. Katholisch, also allgemein, wurde die Kirche in verschiedener Beziehung genannt:

  • wegen der Allgemeinheit der Lehre, die in ihr verkündet wird (Kyrill von Jerusalem, Catecheses)
  • wegen der Allgemeinheit aller Tugenden, die in ihr geübt werden (Francisco Suárez)
  • wegen der Dauer von Adam bis zum Ende der Welt (Augustinus)
  • wegen ihrer Veranlagung, das Leben aller Menschen in allen Lebenslagen und zu allen Zeiten zu heiligen,
  • wegen ihrer zeitlichen Ausdehnung über die ganze Welt und der Menge ihrer Glieder aus allen Völkern.

Eine häufig verwendete Definition stammt von Vinzenz von Lérins:

„Darüber hinaus müssen wir in der katholischen Kirche selbst alle mögliche Sorgfalt anwenden, dass wir uns an den Glauben halten, der überall, immer, von allen geglaubt wurde.“

Die Bedeutung des Begriffs war während der gesamten Theologiegeschichte Gegenstand der Diskussion. Er bekam eine besondere Bedeutung durch die Kirchenspaltungen des 2. Jahrtausends, als sich die getrennten Kirchen ihrer tatsächlichen Partikularität bewusst wurden. Deshalb bereitet die Verwendung des Begriffs im allgemeinen Sprachgebrauch Schwierigkeiten.

Die katholische Lehre, die sich als Maßstab unter den christlichen Lehren versteht und z. B. der gemeinsamen Eucharistie mit anderen Kirchen entgegensteht, wird als Orthodoxie bezeichnet.

Kennzeichen der Katholizität

Kennzeichen der Katholizität sind nach dem Verständnis der römisch-katholischen Kirche, die sie uneingeschränkt mit den altkatholischen und orthodoxen Kirchen sowie unter Vorbehalt mit den Kirchen der anglikanischen Tradition teilt:

  1. Erstes Konzil von Nicäa
  2. Erstes Konzil von Konstantinopel
  3. Konzil von Ephesos
  4. Konzil von Chalcedon
  5. Zweites Konzil von Konstantinopel
  6. Drittes Konzil von Konstantinopel
  7. Zweites Konzil von Nicäa

Die einzelnen sich als katholisch in diesem Sinne verstehenden Kirchen unterscheiden sich in einigen Punkten in ihrem Selbstverständnis. Diese Unterschiede werden in den einzelnen Artikeln weiter dargelegt.

Auffassung der Evangelisch-Lutherischen Kirchen

Die lutherische Reformation versteht sich als innerkatholische Reformbewegung. Dieser Sachverhalt findet seine Begründung und Entfaltung zunächst im 7. und 8. Artikel des Augsburger Bekenntnisses aus dem Jahr 1530. Dort wird festgehalten, dass „allezeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben.“ Der lateinische Text als der dogmatisch verbindliche bekennt und definiert die Kirche als una sancta ecclesia.

Kennzeichen der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche sind demnach die reine Lehre (pure docetur) und die einsetzungsgemäße Spendung der Sakramente (recte administrantur sacramenta). Menschliche Traditionen, Riten oder Zeremonien sind zur wahren Einheit der Kirche nicht notwendig.

Dogmatisch wird von der una sancta catholica et apostolica auch als Kirche im weiteren Sinn (large dicta) gesprochen, die ihre sichtbar verfasste Gestalt in der reinen Lehre und der einsetzungsgemäßen Spendung der Sakramente erfährt und hierdurch erkennbar wird. Dennoch bleibt es die eine katholische Kirche. Die eine heilige katholische und apostolische Kirche ist für die Lutherische Kirche ein Glaubensartikel, wie sie es auch in den drei altkirchlichen Symbolen und den Bekenntnisschriften bekennt.

Die reine Lehre und das Verständnis der einsetzungsgemäßen Verwaltung der Sakramente wird in den lutherischen Kirchen in den Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche dargelegt, weil diese dort verfasste Lehre mit der Heiligen Schrift, Alten und Neuen Testaments, übereinstimme. Lehren und Lehrer, so die Konkordien Formel in ihrem 1. Artikel, die der Heiligen Schrift widersprechen, stehen außerhalb der katholischen Kirche. Die im Konkordienbuch zusammengestellten Bekenntnisschriften verstehen sich selbst als katholisch in dem Sinne, dass die dort gemachten verbindlichen Aussagen von der Einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche zu allen Zeiten und allen Orten geglaubt und bekannt werde. Die Lutherischen Bekenntnisschriften sehen sich demnach nicht als konfessionsspezifische Lehre, sondern als rechte Lehre im Sinne der Katholizität.

Die Heilige Schrift als die Offenbarungsquelle steht uneingeschränkt als die Lehrautorität fest. Kirchliche Traditionen und Lehrauffassungen sind nach den Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche dann katholisch, wenn diese im Einklang mit der Heiligen Schrift stehen. Folglich finden sich im Korpus der Bekenntnisschriften zahlreiche Zitate von Kirchenvätern und auch von Päpsten. Folglich kennt und anerkennt die Lutherische Kirche die kirchliche Tradition, bindet sich an dieselbe, wenn sie im Einklang mit der Heiligen Schrift steht. Offenbarungsquelle bleibt aber allein die Schrift (sola scriptura). Eine Gleichrangigkeit von Heiliger Schrift und Tradition als zweite Offenbarungsquelle neben der Schrift, kann es daher für Lutherische Kirchen nicht geben.

Deutlich wird die Katholizität der Lutherischen Kirchen auch in ihrem Weiheverständnis, wie es z. B. in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche zu finden ist:

„Nach dem von dir abgelegten Ordinationsgelübde überantworte ich als berufener und verordneter Diener unseres Herrn Jesus Christus dir hiermit das heilige Amt des Wortes und der Sakramente und weihe dich zu einem Diener der ‚Einen, heiligen, christlichen Kirche‘, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“[7]

In dieser lutherischen Weiheformel wird der Begriff „katholisch“ mit „christlich“ wiedergegeben.

Von Rom unabhängige, nach eigenem Selbstverständnis katholische Kirchen

Mitglieder des Weltkirchenrats

Im Weltkirchenrat:

Kirchen bzw. religiöse Gemeinschaften außerhalb des Weltkirchenrats

Kirchen und Bewegungen der Vergangenheit

(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

Literatur

  • Hans Urs von Balthasar: Katholisch: Aspekte des Mysteriums. Johannes-Verlage, Freiburg (Breisgau) 1993, ISBN 3-89411-072-4.
  • Hendrikus Berkhof: Die Katholizität der Kirche. EVZ, Zürich 1964
  • Hochkirchliche Vereinigung Augsburgischen Bekenntnisses: Um die eine Kirche: evangelische Katholizität. Festschrift für Hans-Joachim Mund zum 70. Geburtstag. Werk-Verlag Edmund Banaschewski, München-Gräfelfing 1984, ISBN 3-8040-0337-0.
  • J. N. D. Kelly u. a.: Katholizität und Apostolizität: Theologische Studien einer Gemeinsamen Arbeitsgruppe zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und dem Ökumenischen Rat der Kirchen. In: Kerygma und Dogma. Beiheft 2. Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1971, ISBN 3-525-56133-4.
  • Peter Steinacker: Die Kennzeichen der Kirche: eine Studie zu ihrer Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität. Verlag de Gruyter, Berlin / New York 1982, ISBN 3-11-008493-7.
  • Gert Kelter: Das Luthertum als inner-(römisch)-katholische Reformbewegung. Ein ökumenischer Weg? In: Lutherische Beträge. Band 4. 2007/2008

Weblinks

 Wiktionary: katholisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1.  Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. München/Wien 1965.
  2. Brief des Ignatius an die Smyrnäer 8,2. Online in der Bibliothek der Kirchenväter.
  3. Dialog mit dem Juden Tryphon, 81,4.
  4. Stromateis, IV. Buch, XV. Kapitel, 97.3. Knut Wenzel: Artikel Katholisch; in LThK3, Bd. 5, Sp. 1345.
  5. Rheinischer Präses: „Wir sind evangelisch-katholisch“. Die evangelische Kirche hat nicht nur eine 500-jährige Geschichte; idea-Pressedienst vom 23. Oktober 2007.
  6. Im griechischen Text des Nicäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses steht der Plural πιστεύομεν pisteúomen „wir glauben“, in der lateinischen Fassung aber der Singular credo „ich glaube“ (Denzinger-Hünermann Nr. 150). Im christlichen Gottesdienst kommt in der Regel die Plural-Fassung zur Geltung, wenn das Nicäno-Konstantinopoltanische Glaubensbekenntnis gesprochen wird: „Wir glauben an den einen Gott …“ (Gotteslob Nr. 356 (katholisch), Evangelisches Gottesdienstbuch, 2. Aufl. 2001, S. 105). Verbreiteter ist im deutschen Sprachraum das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis in der "Ich"-Form. (Denzinger-Hünermann Nr. 10–30, Gotteslob Nr. 2, 5 )
  7. Aus: Agende der Evangelisch-Lutherischen Kirche Altpreußens. 1935