Christkatholische Kirche der Schweiz

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Christkatholische Kirche der Schweiz
Karte Schweiz.png
Basisdaten
Fläche: 41'285[1]
Mitgliedschaft: Utrechter Union
Bischof: Harald Rein
Emeritierter Bischof: Fritz-René Müller
Hans Gerny
Bischöflicher Vikar: Jean-Claude Mokry
Priester: 44[2]
Diakone: 6[2]
Kirchgemeinden: 33[3]
Diasporagebiete: 8[4]
Christkatholiken: 13.312 (2000[5])
Kathedralkirche: St. Peter & Paul (Bern)
Offizielle Website: www.christkatholisch.ch

Die Christkatholische Kirche ist die altkatholische Kirche in der Schweiz. Mit landesweit rund 13.500 Mitgliedern hat die Christkatholische Kirche in verschiedenen Kantonen den offiziellen Status einer Landeskirche.

Zum Begriff „Christkatholisch“[Bearbeiten]

Die Bezeichnung „christkatholisch“ geht auf die Josephinismus genannte kirchliche Reformbewegung unter Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph zurück, die in der Schweiz das bis 1801 österreichische Fricktal (Teil des Bistums Basel) prägte, wo es heute mehrere christkatholische Gemeinden gibt. Unter dem Einfluss des Josephinismus, des Febronianismus und seines Lehrers Johann Michael Sailer gab der Konstanzer Generalvikar Ignaz Heinrich von Wessenberg 1812 ein Christkatholisches Gesang- und Andachtsbuch heraus, durch welches er den Wortgottesdienst mit Lesungen in deutscher Sprache und deutschem Kirchengesang fördern wollte.

Durch Übernahme dieses Begriffs als Selbstbezeichnung wollte die Christkatholische Kirche unterstreichen, dass ihrer Überzeugung nach allein Christus und nicht der Papst das Haupt der katholischen Kirche sei.

Entstehung[Bearbeiten]

Eduard Herzog um 1859

Die Christkatholische Kirche verdankt ihre Entstehung dem Protest gegen die Dogmen des Ersten Vatikanischen Konzils von 1870. Einer der Protagonisten des Protests war Professor und Nationalrat Walther Munzinger, der schon 1860 über Papsttum und Nationalkirche geschrieben hatte. Er organisierte am 18. September 1871 in Solothurn den ersten schweizerischen Katholikenkongress, der die Keimzelle der Christkatholischen Kirche bildete.

Im Zuge des Schweizer Kulturkampfes wurden in den Kantonen Solothurn, Aargau, Zürich, Basel, Bern und Genf von Rom unabhängige christkatholische Gemeinden gegründet. Diese gaben sich auf der ersten Session der Nationalsynode in Olten am 14. Juni 1875 eine Kirchenverfassung. Ein Jahr später, an der zweiten Session der Nationalsynode, wurde Pfarrer Eduard Herzog zum ersten christkatholischen Bischof gewählt und am 18. September 1876 in Rheinfelden durch Bischof Joseph Hubert Reinkens geweiht. Der erste Präsident des christkatholischen Synodalrates, des Exekutivorgans, war der Aargauer Politiker Augustin Keller.

Während seiner langen Amtszeit (bis zu seinem Tod im Jahr 1924) leistete Herzog einen wesentlichen Beitrag zur theologischen und organisatorischen Festigung der Christkatholischen Kirche in der Schweiz und engagierte sich für Beziehungen mit anglikanischen, später auch mit orthodoxen Kirchen.

Zu seinen Nachfolgern siehe Liste der Schweizer Christkatholischen Bischöfe.

Theologische Lehranstalt[Bearbeiten]

Da der Kanton Bern den liberalen Katholizismus stärken wollte, errichtete er an der Universität Bern am 10. Dezember 1874 eine katholisch-theologische Fakultät. Da man als Studienabgänger jedoch keine Aussicht hatte, in der römisch-katholischen Kirche als Priester tätig zu sein, wurden dort de facto nur christkatholische Geistliche ausgebildet. Seit 2001 ist die Lehranstalt als Departement für Christkatholische Theologie in die christkatholisch- und evangelisch-theologische Fakultät eingegliedert, die 2008 ihren Namen auf „Theologische Fakultät“ vereinfachte.

Jüngere Entwicklungen[Bearbeiten]

Unter Bischof Hans Gerny wurde 1999 in der Christkatholischen Kirche die Frauenordination eingeführt. Gernys Anliegen war, diese Frage in den Kirchen der Utrechter Union zu diskutieren, um zu einer Entscheidung ohne Kirchenspaltung zu kommen. Im Jahr 2000 wurde Denise Wyss zur ersten christkatholischen Priesterin geweiht.

Zwischen 1970 und 1990 verkleinerte sich die Mitgliederzahl der Christkatholischen Kirche von 20.268 auf nur noch 11.748 Mitglieder. Aus den Daten der letzten Volkszählungen geht hervor, dass die Überalterung der Bevölkerung bei der Christkatholischen Kirche ein deutlich grösseres Problem darstellt als bei den anderen Landeskirchen.[6] Entgegen dem Trend von Kirchenaustritten aus den beiden anderen Landeskirchen verzeichnet die Christkatholische Kirche seit 1990 jedoch wieder einen konstanten Mitgliederzuwachs. Zwischen 1990 und 2000 wuchs die Mitgliederzahl um über 13 % von 11.748 auf 13.312 an.[7] Der Wachstum erfolgt dabei hauptsächlich durch Übertritte aus anderen Kirchen. Dennoch ist die kleinste der drei Landeskirchen bei der Bevölkerung noch immer weitgehend unbekannt.

Geographische Verteilung[Bearbeiten]

Die christkatholische Bischofskirche St. Peter und Paul in Bern

Die grössten Kirchgemeinden in Bezug auf die Mitgliederzahl sind Zürich, die den ganzen Kanton umfasst, mit 1700 Mitgliedern, davon etwa ein Drittel in der Stadt selbst, Möhlin mit zirka 1000 Mitgliedern, Bern mit zirka 800 (davon zirka 230 in der Stadt selbst) und die Kirchgemeinde der Region Olten mit zirka 630 Mitgliedern (davon zirka 390 in Olten).[8]

Die stärkste Konzentration an Christkatholiken liegt im aargauischen Fricktal, wo in den Kirchgemeinden Kaiseraugst, Magden/Olsberg, Möhlin, Obermumpf/Wallbach, Rheinfelden und Wegenstetten/Hellikon/Zuzgen insgesamt etwa 2.500 Christkatholiken leben, und damit fast jedes fünfte Mitglied der Christkatholischen Kirche der Schweiz. Die politische Gemeinde mit den meisten Christkatholiken ist Möhlin (ca. 1.000). In der Gemeinde Hellikon hingegen wohnen anteilsmässig am meisten Christkatholiken (rund 20 % der Einwohner).

Weitere starke Konzentrationen befinden sich im Kanton Solothurn und im Raum Basel.

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Christkatholische Stadtkirche Olten

Die Bischofskirche der Christkatholiken ist seit 1875 St. Peter und Paul in Bern.

Weitere christkatholische Kirchengebäude sind unter anderem:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 4.128.491 ha (Bundesamt für Statistik: Bodennutzung und Bodenbedeckung. Tabelle)
  2. a b Jahrbuch der Christkatholischen Kirche der Schweiz. Ausgabe 2009, ISSN 1661-6405, S. 136f.
  3. Protokoll der Nationalsynode der Christkatholischen Kirche der Schweiz, 140. Session vom 23. und 24. Mai 2008 in Magden, S. 4-5; ausserdem Berücksichtigung der per 1. Januar 2009 erfolgten Fusion der Kirchgemeinden Olten-Starrkirch, Trimbach und Hägendorf-Thal-Gäu zur Kirchgemeinde Region Olten.
  4. Jahrbuch der Christkatholischen Kirche der Schweiz. Ausgabe 2009, ISSN 1661-6405, S. 135.
  5. Bundesamt für Statistik: Religionslandschaft in der Schweiz. PDF, S. 12.
  6. Bundesamt für Statistik: Religionslandschaft in der Schweiz. PDF, S. 47.
  7. Bundesamt für Statistik: Volkszählung 1990 und 2000.
  8. Synodalrat der Christkatholischen Kirche der Schweiz, Rechnungsablage Finanzverwaltung 2008, S. 2