Langdrahtantenne

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Langdrahtantenne ist eine Antenne, die aus einem, relativ zur benutzten Wellenlänge, langen Draht besteht und an einem Ende gespeist wird. Im Gegensatz dazu wird eine Dipolantenne in der Mitte gespeist.

Diese Bauform wird vorzugsweise im Kurzwellenbereich verwendet. Eine Langdrahtantenne ist per Definition mindestens so lang wie die halbe Wellenlänge. Für das KW-Amateurfunkband 1,8 MHz (160 m Wellenlänge) ist eine Langdrahtantenne also 80 m lang.

Langdraht als Empfangsantenne[Bearbeiten]

Für den Empfang sind Langdrahtantennen besonders interessant, wenn sie mehrere Wellenlängen lang sind. Sie haben dann eine deutlichere Richtwirkung entlang der Spannrichtung, die mit einem passenden Abschlusswiderstand gegen Erde auch unsymmetrisch gemacht werden kann (Beverage-Antenne).

Kürzere Langdrahtantennen haben empfangsseitig kaum Vorteile gegenüber sehr viel kürzeren Antennenvarianten, denn im Kurzwellenbereich wird die Empfängerempfindlichkeit durch das atmosphärische Rauschen begrenzt und nicht durch das Rauschen des Empfängers. Der Vorzug ist für Empfangszwecke daher solchen Antennen zu geben, die sich möglichst weit weg von Störquellen befinden und auch noch eine sinnvolle Richtcharakteristik aufweisen. Das lässt sich im Empfangsbereich z. B. recht einfach mit kompakten Magnetantennen erreichen.

Langdraht als Sendeantenne[Bearbeiten]

Für den Sendebetrieb haben Langdrahtantennen typische Abmessungen von 0,5 bis zu einigen wenigen Wellenlängen. Bei längeren Antennen sinkt der Wirkungsgrad, der Aufwand bringt hier keine Vorteile mehr, das Richtdiagramm erhält zudem zahlreiche Minima. Die oben genannte Richtwirkung lässt sich deshalb sendeseitig nicht nutzen. Mehrere Wellenlängen ist so eine Sendeantenne in der Praxis nur lang, wenn sie für ein niedrigeres Band ausgelegt ist (wie z. B. 80-m-Band 40 m lang), aber z. B. auf 20 m betrieben wird (2 Wellenlängen). Nach Möglichkeit ergänzt man eine solche Langdrahtantenne jeweils durch eine weitere für die entsprechend höheren Bänder. In der ehemaligen Sowjetunion verwenden manche Rundfunksender Langdrahtantennen (Sarja-Antenne).

Fuchsantenne und ähnliche Bauformen[Bearbeiten]

Dipol mit Anpassschaltung für Koaxialkabel

Langdrahtantennen, die genau 0,5 oder 1 oder 1,5 (usw.) mal so lang sind wie die Wellenlänge der Betriebsfrequenz, sind am Ende hochohmig mit einer Impedanz von etwa 2000 Ω. Sie werden also mit hohen Spannungen und minimalen Strömen gespeist und benötigen deshalb einen Resonanztransformator zur Anpassung an die erheblich niedrigere Impedanz des Koaxialkabels. Traditionell wird dafür ein Parallelschwingkreis („Fuchskreis“) benutzt. Diese Bauform wird „Fuchsantenne“ genannt (nach Josef Fuchs, Funkamateur aus Österreich, der sie 1927 patentieren ließ). In den letzten Jahren verbreiten sich statt des Fuchskreises Transformatoren mit einem Übersetzungsverhältnis von z. B. 1:9 (sog. Magnetic Balun), wodurch sich der Langdraht ohne Abstimmung des Anpassglieds für mehrere Bänder nutzen lässt.

Der große Vorteil der Fuchsantenne und verwandter Bauformen sind:

  • im Empfangsfall die Vorselektion durch den Abstimmkreis,
  • beim Senden die deutlich vergrößerte Bandbreite von etwa 10 % der Mittenfrequenz,
  • die hochohmige Speisung verringert den Speisestrom. Das Erdungssystem, das bei niederohmig gespeisten, unsymmetrischen Antennen den Antennenwirkungsgrad maßgeblich beeinflusst, ist nicht mehr ausschlaggebend.

Bei vielen Groundplane-Antennen, der typischen Bauform der unsymmetrischen, niederohmig gespeisten Antenne, besteht das Erdungssystem aus bis zu mehreren 100 Drähten, die jeweils ein Viertel der Wellenlänge lang sind.

Fuchsantennen und ähnliche Bauformen sind vor allem für kleinere Sendeleistungen einfache, unauffällige Antennen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Freyer: Antennentechnik für Funkpraktiker. 1. Auflage, Franzis-Verlag GmbH, Poing 2000, ISBN 3-7723-4693-6.
  • Josef Fuchs: Tests on a method of voltage feeding the antenna. In: QST, Juli 1928, Seiten 37, 42.
  • Alois Krischke: Rothammels Antennenbuch. 11. Auflage, Franckh-Kosmos-Verlags-GmbH, Stuttgart 1995, ISBN 3-440-07018-2.