Mündigkeit

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Der Begriff Mündigkeit leitet sich vom althochdeutschen Wort Munt ab, das in mittelalterlichen Quellen die Stellung des germanischen Hausherrn gegenüber Frauen, Kindern und Gesinde beschreibt. Die Munt bedeutet nach innen Herrschaft und Fürsorge, nach außen Haftung und Schutz. Aus ihr leitet sich auch der Begriff der „Vormundschaft“ sowie das dem Vormund zugeordnete „Mündel“ ab.

Eine falsche Etymologie beschreibt die Ableitung vom Begriff Mund.

Als juristischer Begriff bezeichnet er Handlungsfähigkeit, Volljährigkeit, Geschäftsfähigkeit, Deliktfähigkeit. Die Begriffe „Mündigkeit“, „mündig“ oder „unmündig“ werden in Österreich und der Schweiz gleichwertig benutzt, treten in deutschen Gesetzen jedoch nicht als Rechtsbegriff auf.

Eine etwas andere Facette besitzt der Begriff Mündigkeit in Philosophie, Pädagogik und Politik.

In der Psychologie ist der Begriff eher nicht mehr gebräuchlich. Stattdessen spricht man in diesem Zusammenhang eher von Autonomie, auch wenn beide Begriffe nahe beieinander liegen.[1]

Definitionen in der Philosophie[Bearbeiten]

Für Kant ist die Aufklärung an die Mündigkeit gebunden.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“[2]

Ideologiekritische Autoren seit Marx übersetzen „selbstverschuldet“ mit den von Menschen in ihrer Geschichte selbstgeschaffenen sozialen Verhältnissen, die das Handeln der Menschen heute bestimmen. Das hindert die Menschen heute nicht daran, Einblick in das Zustandekommen dieser Verhältnisse zu gewinnen. Mündig ist, wer sich diesen Einblick verschafft, und Mündigkeit ist die Voraussetzung um sich eine Veränderung der Verhältnisse und damit der Emanzipation vorstellen zu können, sowie sie im Denken und in der Praxis zu versuchen.[3]

Adorno verbindet Denken mit Mündigkeit.

„Mündig ist der, der für sich selbst spricht, weil er für sich selbst gedacht hat und nicht bloß nachredet […]. Das erweist sich aber an der Kraft zum Widerstand gegen vorgegebene Meinungen und, in eins damit, auch gegen nun einmal vorhandene Institutionen, gegen alles bloß Gesetzte, das mit seinem Dasein sich rechtfertigt. Solcher Widerstand, als Vermögen der Unterscheidung des Erkannten und des bloß konventionell oder unter Autoritätszwang Hingenommenen, ist eins mit Kritik, deren Begriff ja vom griechischen 'krino', Entscheiden, herrührt.“

– Adorno: Kritik. In: Gesammelte Schriften. Band 10.2, S. 785 - Hervorhebung krino im Original.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zum Pädagogischen Begriff der Mündigkeit
  2. Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, Berlinische Monatsschrift, Dez. 1784.
  3. Vgl. u. a. Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit: Vorträge und Gespräche mit Hellmut Becker 1959–1969. Herausgegeben von Gerd Kadelbach, Suhrkamp 2008.