Mahasanghika

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Mahasanghika (Große Gemeinde) ist der Name einer frühen Schule des Buddhismus. Sie entstand 140 Jahre nach dem Tod (Eingang ins Nirvana) des Siddhartha Gautama am dritten Konzil von Pataliputra (253 v. Chr.). In diesem Konzil äußerte der Mönch Mâhadeva die Beobachtung zahlreicher anderer Mönche, daß einige Arhats spirituell höher stehen als andere. Die meisten stimmten dieser Beobachtung zu, aber eine Minderheit verweigerte diese 'Neuerung'. Diese Gruppe von Mönchen verließ daher das Konzil und nannten sich die Sthaviravâdin ('die vom alten Weg'); die zurückbleibenden Mönche erhielten dadurch den Namen Mahâsanghika, weil sie eine Theorie der Großen Sangha lehrten.[1]

Beide Schulen änderten in der Folge ihren Kanon. Einige Autoren betonen, dass in der Änderung der Mahasanghikas auch größere Möglichkeiten für Laien (Nichtordinierte) bot als der stark mönchisch orientierte Weg des Theravada [2]

Später entstanden durch weitere solche Meinungsverschiedenheiten 18 Schulen, wobei heute nicht immer klar ist, welcher dieser beiden ursprünglichen Gruppen sie angehörten.[3] Die Mahasanghika galten als eine der vier Shravaka-Schulen ('faithful listeners': Sthaviravada, Mahasanghika, Sammitiya, Sarvastivada).

Der Unterschied blieb im praktischen Leben ohne große Konsequenzen, buddhistische Mönche verschiedener Tradition verkehrten sehr wohl miteinander. So war beispielsweise der Mahasanghika Atisha Bibliothekar des Klosters Vikramalashila, das selbst einer anderen Richtung angehörte, und von seinen Lehrern schätzte er am höchsten den Guru aus Sumatra (Suvarnadvipi), der wieder einer anderen Schule angehörte [4]

Infolge dieser Änderung entwickelten die Mahasanghika das Konzept des Bodhisattvapfades [5], während das Ziel des Theravada (Sthaviravada) weiterhin 'Arhatschaft' genannt wird. König Ashoka hatte einen Lehrer aus dem Theravada; zwar förderte er auch Mahasanghika-Klöster, aber er sandte einen Theravada-Mönch nach Sri Lanka, von wo aus sich diese Tradition nach Südostasien verbreitete. Dort überlagerte sie zum Teil Mahasanghika-Traditionen (z.B. in Thailand).

Die Sarvastivada-Schule hingegen wurde vom König nicht geschätzt und konzentrierte sich in der Folge fernab vom Königshof in Nordindien, Kashmir und im Westen (Bamiyan). Dadurch verbreitete sie sich über die Seidenstraße (Khotan, Tunhuang) nach China, von dort nach Korea, Japan, aber auch Vietnam (?). Kurz vor und in der Folge der Zerstörung der buddhistischen Kultur durch islamische Eroberer ('furor islamicus')[6] kam es zu immer mehr Kontakten Tibets mit zentralasiatischen, dann kaschmirischen, zuletzt nordindischen Buddhisten (z.T. Flüchtlingen, zuerst aus Khotan und Kaschmir, später aus Nordindien), die alle Mahasanghikas (Saravstivada) waren (und zwar einheitlich die Untergruppe der Prasanghika-Madhyamaka).

Diese Schule unterschied zum Zweck der Motivationsprüfung der Schülerinnen und Schüler zwischen einem 'kleinen Pfad' und einem 'großen Pfad', auf skt. Hinayana und Mahayana. Dabei bleibt die Motivation des kleinen Pfads (Erleuchtung zum eigenen Wohl) theoretisch, man strebt nach der Motivation des 'großen Pfads' (Erleuchtung zum Wohl aller Lebewesen). Diese Unterscheidung wurde später (von Europäern) aufgegriffen, um die Theravada-Schule als Hinayana zu titulieren.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Tarthang Tulku, 1977, A history of the Buddhist Dharma. in: Crystal Mirror V: 3-330. Seite 32
  2. Reynolds, John Myrdhin, 1996, The Golden Letters. Snow Lion Publications.
  3. Rhys Davids, T.W. 1891, The Sects of the Buddhists. in: The Journal of the Royal Asiatic Society, Seite 409-422
  4. Pabongka Rinpoche, 1997, Liberation in the Palm of Your Hand, A concise discourse on the path to enlightenment edited by Trijang Rinpoche, translated by Michael Richards. Seite 45ff.
  5. E. J. Thomas: The Lalitavistara and Sarvastivada. In: Indian Historical Quarterly 16/2 (1940), S. 241
  6. cf. "[…], several Muslim chronicles of the time portray the impact of repeated massacres, the looting of monasteries, the destruction of Buddhist images, and the burning of books, people, and libraries." Crosby, Kate 2003: Persecutions. in: Buswell, Encyclopedia of Buddhism. MacMillan, pp. 639-644.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Wolfgang Schumann, Buddhismus. Stifter, Schulen und Systeme. ISBN 3-424-01123-1
  • Bu-sTon, 1931-1932, A history of Buddhism., tr. by E.E. Obermiller. 2 parts. Heidelberg.
  • Hirakawa Akira & Paul Groner, 1993,A history of Indian Buddhism: from Sakyamuni to early Mahayana. Delhi.
  • Jonang Taranatha, 1983, The Seven Instruction Lineages by Jonang Taranatha. Translated and edited by David Templeman. Dharamsala: Library of Tibetan Works and Archives (LTWA).
  • Losang Norbu Tsonawa, (transl.) 1985, Indian Buddhist Pandits. From "The Jewel Garland of Buddhist History". Dharamsala: Library of Tibetan Works and Archives (LTWA).
  • Majumdar, A.K. 1977, Concise history of Ancient India (3 volumes). Delhi: Munshiram Manoharlal.
  • Pabongka Rinpoche, 1997, Liberation in the Palm of Your Hand, A concise discourse on the path to enlightenment edited by Trijang Rinpoche, translated by Michael Richards.
  • Charles Prebish, Janice J. Nattier, 1977, Mahasamghika Origins: The Beginnings of Buddhist Sectarianism"; History of Religions, 16, 3, 237-272.
  • Charles Prebish, 1996, Saiksa-dharmas Revisited: Further Considerations of Mahasamghika Origins"; History of Religions, 35, 3, 258-270.
  • Roerich, George N. (tr.), 1949, The Blue Annals. Parts One and Two. 2 vols. 1st ed. Delhi: Motilal Banarsidass; siehe Blaue Annalen