Midi-Job

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Als Midi-Job oder Gleitzonenfall bezeichnet man nach § 20 Abs. 2 SGB IV ein Beschäftigungsverhältnis, wenn das daraus erzielte Arbeitsentgelt zwischen 450,01 Euro und 850,00 Euro (Gleitzone; bis 31.12.2012: zwischen 400,01 Euro und 800,00 Euro) im Monat liegt und die Grenze von 850,00 Euro im Monat regelmäßig nicht überschreitet; bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen ist das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt maßgebend. Der Arbeitgeberbeitrag liegt in der Gleitzone konstant bei 19,58 % (Werte für 2012).

Zweck dieser Regelung ist, die so genannte Teilzeitmauer zu durchbrechen, d.h. für Arbeitnehmer den Wechsel von einem versicherungsfreien Mini-Job in ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis attraktiver zu machen. Der Arbeitnehmer soll nicht plötzlich mit hohen Sozialabgaben belastet werden, wenn das Arbeitsentgelt die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro übersteigt.[1]

Ziele[Bearbeiten]

Die Ziele sind,

  1. im Niedriglohnbereich die Sozialversicherungsbeiträge zu senken, um Beschäftigungen attraktiv zu machen, deren Entgelt knapp über der Entgeltgrenze der Mini-Jobs (450,00 €) liegen,
  2. jede Art von legaler Beschäftigung sozial abzusichern (insbesondere Krankenversicherungsschutz; Entschärfung der Problematik des „Working Poor“ für die Dauer der Beschäftigung),
  3. den Anreiz zur Aufnahme einer Beschäftigung zu erhöhen und damit verstärkt Arbeitslose durch Aufnahme einer Beschäftigung wieder dem Arbeitsmarkt zuzuführen,
  4. den Sozialversicherungen weitere Beitragsquellen zu ihrer finanziellen Stabilisierung zu erschließen.

Bis zum Inkrafttreten der Regelung stieg bei einem Wechsel vom Minijob in besser bezahlte Arbeit durch die Sozialversicherungspflicht die Abgabenbelastung von 0 % auf ca. 21,5 % des Bruttoverdienstes an.

Dies führte zur Entwicklung des Niedriglohn-Konzepts mit einer Gleitzone (Midi-Job) (§ 20 Abs. 2 SGB IV), innerhalb der sich der Sozialversicherungsbeitrag des Arbeitnehmers von ca. 11 % auf ca. 21 % erhöht.[2]

Im Gegensatz zum bereits vorher existierenden Mini-Job geht diese Einrichtung auf die Neuregelung zu den geringfügigen Beschäftigungen ab 1. April 2003 zurück, dessen Rechtsgrundlage die "Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" vom 1. Januar 2003 sind. Die Neuregelung ist Bestandteil des Hartz-Konzeptes (Hartz II) zur Reformierung des Arbeitsmarkts, der Midi-Job wird dort jedoch – im Gegensatz zum Mini-Job – nicht explizit erwähnt.

Anwendung[Bearbeiten]

Die Regelungen für Beschäftigungen in der Gleitzone werden angewandt, wenn

  1. die Tätigkeit ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis ist,
  2. diese Beschäftigung nicht zur Berufsausbildung (einschließlich einiger Praktika) ausgeübt wird, und
  3. das regelmäßige Entgelt zwischen 450,01 € und 850,00 € liegt. Unter regelmäßigem Arbeitsentgelt sind nicht nur die laufenden monatlichen Entgelte zu verstehen, sondern auch Einmalzahlungen, auf die der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat. Wird das Arbeitsentgelt nicht durchgehend in gleicher Höhe bezahlt, ist eine Schätzung vorzunehmen oder eine Durchschnittsberechnung durchzuführen.

Bei mehreren sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen muss der Bruttolohn aus allen Beschäftigungsverhältnissen zusammen in der Gleitzone liegen, andernfalls wird die normale Beitragsberechnung angewandt. Mini-Jobs bis 450,00 € und Beamtenbezüge werden hier nicht mitgerechnet.

Bei Arbeitnehmern, deren rentenversicherungspflichtiges Arbeitsentgelt am 31. Dezember 2012 oberhalb der zu dieser Zeit geltenden Gleitzonenregelung lag (also mehr als 800,00 €), wird, solange das Beschäftigungsverhältnis andauert und das Entgelt nicht mehr als 850,00 € beträgt, nach § 276bVorlage:§/Wartung/buzer Abs. 2 SGB VI aus Bestandsschutzgründen ab dem 1. Januar 2013 in der Rentenversicherung die Gleitzonenregelung nur angewandt, wenn der Arbeitnehmer die Anwendung der Gleitzonenregelung schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber erklärt. Die Erklärung kann noch bis zum 31. Dezember 2014 abgegeben werden und gilt nur für die Zukunft. In der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung gibt es mangels Notwendigkeit keine entsprechende Bestandsschutzregelung.

Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge[Bearbeiten]

Die Beiträge werden immer für jeden Versicherungszweig (Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung) getrennt berechnet.

Die Berechnung des Gesamtbeitrags, reduzierten Arbeitnehmeranteils und des Arbeitgeberanteils erfolgt nach folgenden Formeln:

  1. Gesamtbeitrag = Gleitzonenentgelt * Beitragssatz
  2. Arbeitgeberanteil = tatsächliches Entgelt * Beitragssatz Arbeitgeber
  3. Arbeitnehmeranteil = Gesamtbeitrag minus Arbeitgeberanteil,

Ermittlung des Gleitzonenentgeltes[Bearbeiten]

Das Gleitzonenentgelt (GE) wird seit 1. Januar 2013 nach folgender Formel berechnet:
GE = F × 450 + (850/(850−450) − 450/(850−450) × F) × (AE−450)
AE = tatsächliches Brutto-Arbeitsentgelt

Für AE = 450 Euro ergibt diese Formel ein Gleitzonenentgelt von F x 450 Euro, für AE = 850 Euro ergibt diese Formel ein Gleitzonenentgelt von 850 Euro, für AE Werte zwischen 450 Euro und 850 Euro wird das Gleitzonenentgelt linear interpoliert. Eine alternative Darstellung der gleichen Formel lautet:
GE = (850−AE)/(850−450) × F × 450 + (AE−450)/(850−450) × 850

Der Faktor F wird vom Bundesministerium für Gesundheit und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ermittelt. Der Ablauf der Berechnung ist im § 163 Abs. 10 SGB VI festgelegt. Die Formel dafür ist:

  • in der Zeit vom 1. Juli 2006 bis …:

Faktor F = 30 % geteilt durch den durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz

  • in der Zeit vom 1. April 2003 bis 30. Juni 2006:

Faktor F = 25 % geteilt durch den durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz

Zeitraum ab Wert
2003 1.4. 0,5995
2004 0,5952
2005 0,5952
2006 1.1. 0,5967
2006 1.7. 0,7160
2007 0,7673
2008 0,7732
2009 0,7472
2010 0,7585
2011 0,7435
2012 0,7491
2013 0,7605
2014 0,7605

Zusätzliche Beiträge[Bearbeiten]

Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen müssen zusätzlich einen Beitrag von 0,9 % des Bemessungsentgeltes, Mitglieder der gesetzlichen Pflegeversicherung, die kinderlos und älter als 23 Jahre sind, müssen einen zusätzlichen Beitrag von 0,25 % des Bemessungsentgeltes entrichten. Bei Bemessung dieser zusätzlichen Beiträge wird das Gleitzonenentgelt mit dem zusätzlichen Beitragssatz (0,9 % oder 0,25 %) multipliziert.

Umlagebeiträge zu den Ausgleichsverfahren nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz[Bearbeiten]

Die vom Arbeitgeber zu tragenden Umlagebeiträge zu den beiden Ausgleichsverfahren sind nach den Bemessungsentgelten zu berechnen, nach denen der Rentenversicherungsbeitrag zu berechnen ist. In der Gleitzone wird die Umlage somit nicht auf den vollen Bruttolohn bezahlt, sondern nur auf das Gleitzonenentgelt (Berechnung siehe oben).

Beispiel[Bearbeiten]

Beispiel:

Hinweis: Der Rechenweg hat sich seit 2008 nicht verändert, die Prozentsätze und der verwendete Faktor „F“ sind jedoch nicht mehr aktuell.

  • Tatsächliches Entgelt eines Midi-Jobs pro Monat im Jahr 2008: 650,00 €
  • Arbeitnehmer hat keine Kinder, Der Arbeitgeber nimmt auch am Ausgleichsverfahren bei Krankheit teil
  • Es besteht Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht

Beitragssätze:

  • Krankenversicherung: 13,9 % (zusätzlicher Beitragssatz 0,9 %),
  • Rentenversicherung: 19,9 %,
  • Arbeitslosenversicherung: 3,3 %,
  • Pflegeversicherung: 1,7 % (zusätzlicher Beitragssatz 0,25 %),
  • Pflegeversicherung : 1,95 % ab 1. Juli 2008

Umlagesätze:

  • Umlage U1 (Ausgleichsverfahren bei Krankheit): 1,5 %
  • Umlage U2 (Ausgleichsverfahren Mutterschaftsgeld): 0,1 %
  • Umlage U3 (Ausgleichsverfahren Insolvenzgeld): 0,41 % (ab 1. Januar 2011: 0,0 %)

Berechnung: Gleitzonenentgelt (Bemessungsentgelt) =

 0,7732 * 400 € + (2 − 0,7732) * (650 € − 400 €) =
 309,28 € + 1,2268 * 250 € = 615,98 €.

Krankenversicherung:

  • Gesamtbeitrag ohne Zusatzbeitrag: 615,98 € * 13,9 % = 85,62 €
  • Arbeitgeberanteil: 650,00 € * 6,95 % = 45,18 €
  • Arbeitnehmeranteil ohne Zusatzbeitrag: 85,62 € − 45,18 € = 40,45 €
  • Zusatzbeitrag: 615,98 € * 0,9 % = 5,54 €
  • Arbeitnehmeranteil gesamt: 40,45 € + 5,54 € = 45,99 €

Rentenversicherung:

  • Gesamtbeitrag: 615,98 € * 19,9 % = 122,58 €
  • Arbeitgeberanteil: 650,00 € * 9,95 % = 64,68 €
  • Arbeitnehmeranteil: 122,58 € − 64,68 € = 57,91 €

Arbeitslosenversicherung:

  • Gesamtbeitrag: 615,98 € * 3,3 % = 20,33 €
  • Arbeitgeberanteil: 650,00 € * 1,65 % = 10,73 €
  • Arbeitnehmeranteil: 20,33 € − 10,73 € = 9,60 €

Pflegeversicherung:

  • Gesamtbeitrag ohne Zusatzbeitrag: 615,98 € * 1,7 % = 10,47 €
  • Arbeitgeberanteil: 650,00 € * 0,85 % = 5,53 €
  • Arbeitnehmeranteil ohne Zusatzbeitrag: 10,47 € − 5,53 € = 4,95 €
  • Zusatzbeitrag: 615,98 € * 0,25 % = 1,54 €
  • Arbeitnehmeranteil gesamt: 4,95 € + 1,54 € = 6,49 €

Arbeitgeber Umlage zum Ausgleichsverfahren bei Krankheit:

  • Gesamtbeitrag: 615,98 € * 1,5 % = 9,24 €

Umlage zum Ausgleichsverfahren Mutterschaftsgeld:

  • Gesamtbeitrag: 615,98 € * 0,1 % = 0,62 €

Umlage zum Ausgleichsverfahren Insolvenzgeld:

  • Gesamtbeitrag: 615,98 € * 0,41 % = 2,53 €

Auswirkungen[Bearbeiten]

Bei Entgeltersatzleistungen wie Krankengeld oder Übergangsgeld, die nach einem Regelentgelt berechnet werden, geben die gesetzlichen Bestimmungen vor, dass diese Leistungen 90 % eines fiktiven Nettoarbeitsentgeltes nicht übersteigen dürfen. Das fiktive Nettoarbeitsentgelt ist das Nettoarbeitsentgelt, das ohne Anwendung der Gleitzonenregelungen errechnet worden wäre. Der Gesetzgeber wollte höhere Leistungen vermeiden, die durch die Berechnung mit dem tatsächlichen Nettoentgelt entstanden wären.

Gesetzliche Fundstellen[Bearbeiten]

Im § 20 SGB IV findet sich die Definition der Gleitzone (Midi-Job).

Die Berechnungsvorschrift ist bei dem jeweiligen Versicherungssystem notiert, im Fall der Rentenversicherung z. B. in § 163 Abs. 10 SGB VI.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. etwa die Rede der Bundestagsabgeordneten Thea Dücker, Bündnis 90/Die Grünen, in der Sitzung des Deutschen Bundestages vom 19. Dezember 2002, Plenarprotokoll 15/16, S. 1237.
  2. Helmut Rudolph: Mini- und Midijobs – Geringfügige Beschäftigung im neuen Outfit. IAB-Kurzbericht Nr. 6/23.5.2003 PDF, 256 kB abgerufen am 23. Januar 2010
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