Mikroevolution

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mit Mikroevolution wird vor allem in Kreationismus und Intelligent Design jene evolutionäre Entwicklung von Lebewesen bezeichnet, welche innerhalb einer biologischen Art und damit innerhalb eines in evolutionären Maßstäben kurzen Zeitraumes stattfindet. Dabei handelt es sich um kleinere Veränderungen, die durch Mutationen, Rekombinationen und Selektionsprozesse, zu einer veränderten Morphologie oder Physiologie der Organismen führen. Diese Veränderungen haben ihre Ursache in der Veränderung der Allelfrequenzen der Population, „einen solchen Wandel der genetischen Struktur einer Population bezeichnet man als Mikroevolution.“[1]

Abgrenzungen[Bearbeiten]

Die Verwendung der Begriffe „Mikroevolution“ und „Makroevolution“ ist umstritten. Die Mehrheit der Evolutionsbiologen vermeidet beide Begriffe mit dem Argument, dass der gleiche Sachverhalt zugrunde liege: Bei „makroevolutionären“ Prozessen handele es sich lediglich um eine zeitliche Summierung von „mikroevolutionären“ Prozessen, die Unterteilung sei somit künstlich und unscharf. Andere, etwa Stephen Jay Gould, verwenden die Begriffe, weil sie der Meinung sind, dass für die Dynamik der Makroevolution, neben den gleichen Prozessen, die auch für Mikroevolution verantwortlich seien, zusätzlich auch noch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. In Kreationismus und Intelligent Design wird diese Unterteilung verwendet, um zum Schein unbestreitbare Fakten der Evolutionslehre im Rahmen von Mikroevolution zu akzeptieren und sich so einen Schein der Wissenschaftlichkeit zu geben. Speziell gegenüber allgemeingebildeten Menschen wird damit versucht Aspekte aus dem Umfeld der Züchtung oder Resistenzentwicklung als Bestandteil einer Schöpfungslehre zu präsentieren. In Wirklichkeit werden jedoch konkrete und belegte Erkenntnisse der Evolution im Kleinen grundsätzlich abgelehnt, um Artenbildung auf ein ausschließlich auf Verarmung des Genpools und Selektion basierendes Grundtypkonzept reduzieren zu können. Dazu gehören unter Anderem alle Formen der Mutation, welche die genetische Ausstattung prinzipiell erweitern.

Beispiele[Bearbeiten]

Beispiele für Mikroevolution sind

  • das seit dem 19. Jahrhundert stark vermehrte Auftreten einer dunklen Variante des Birkenspanners in englischen Industrierevieren, auch bekannt als Industriemelanismus;
  • Resistenzausbildung von Mikroorganismen gegen Antibiotika;
  • Veränderungen der Schnabelgröße bei Darwinfinken.

Belege[Bearbeiten]

  1. Joachim Jaenicke/Andreas Paul (Hg.), Biologie heute entdecken SII, Ausgabe 2004 für die Sekundarstufe II, Schroedel Verlag 2005.

Siehe auch[Bearbeiten]