Mjassischtschew M-4

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Mjassischtschew M-4 / 3M
Soviet M-4 Bison bomber in flight 1982.JPEG
Eine sowjetische Mjassischtschew 3M (1982)
Typ: Strategischer Bomber
Entwurfsland: Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: OKB Mjassischtschew
Erstflug: 20. Januar 1953
Indienststellung: 1954
Produktionszeit: 1953-1963
Stückzahl: 93

Die Mjassischtschew M-4 (russisch Мясищев М-4, NATO-Codename: Bison) war ein sowjetischer strategischer Bomber, der vom OKB Mjassischtschew ab 1951 entwickelt wurde. Die M-4 war über viele Jahre ein wichtiges Waffensystem der sowjetischen Fernfliegerkräfte.

Geschichte[Bearbeiten]

Die in der UdSSR gebaute Mjassischtschew M-4, auch als „Molot“ (Vorschlaghammer) bezeichnet, hatte am 20. Januar 1953 mit F. Opadschi ihren Erstflug und wurde am 20. Juli 1954[1] erstmals auf der traditionellen Luftparade in Moskau-Tuschino öffentlich vorgestellt. Die Maschine war der erste vierstrahlige strategische Langstreckenbomber der Sowjetunion und sollte eine Alternative zur gleichzeitig entwickelten Tupolew Tu-16 darstellen. Die Reichweite des Bombers war anfangs jedoch noch zu begrenzt, um US-Ziele zu erreichen, da Mjassischtschew kein praktikables Verfahren entwickeln konnte, um das Flugzeug in der Luft zu betanken. Dies war westlichen Militärbeobachtern jedoch zunächst nicht bekannt. Unterhalb der Triebwerke konnte unter jeder Tragfläche je ein Zusatztank mitgeführt werden, was aber nur sehr selten praktiziert wurde. Auch wurden bei der Vorführung 1954 die vier vorhandenen Exemplare in großen Runden über die Zuschauer gelenkt, so dass der Eindruck entstehen sollte, die Sowjetunion verfüge über mindestens 28 Maschinen dieses Typs. Die M-4 wurde zur M-4A mit stärkeren AM-3M-Triebwerken und verbesserter Radarausrüstung weiterentwickelt. Mit einer Betankungssonde direkt vor dem Cockpit ausgerüstet war sie nun auch in der Lage, durch Kraftstoffübernahme in der Luft höhere Reichweiten zu erzielen.

Als leistungsgesteigerte Version wurde die 3M entwickelt, die im März 1956 erstmals flog. Im Gegensatz zur M-4 verfügte sie über vier stärkere WD-7-Triebwerke, die eine höhere Startmasse und Reichweite ermöglichten. Äußeres Unterscheidungsmerkmal war der spitz zulaufende, unverglaste Rumpfbug.

Maschinen vom Typ M-4 oder deren Weiterentwicklungen M-4A und 3M (NATO-Codename: Bison-B) waren über Jahrzehnte als strategische Bomber, Aufklärungs- und Tankflugzeuge im aktiven Einsatz. Als strategischer Bomber wurde das Flugzeug von jeweils zwei schweren Bombenfliegerregimentern auf den Stützpunkten Engels und Ukrainka betrieben. Die besondere Fahrwerksanordnung (Stützräder unter den Tragflächenenden) schränkte den Einsatzbetrieb mit diesem Flugzeug ein, weil mindestens 50 Meter breite Rollwege auf den zu nutzenden Flugplätzen vorhanden sein mussten.

In den 1950er-Jahren wurden mit als 103M und 201M bezeichneten Versionen dieses Flugzeuges 19 internationale Rekorde aufgestellt. So transportierte A. S. Lipko im Herbst 1959 27.000 kg Nutzlast über eine Strecke von 1000 km und erreichte dabei eine Geschwindigkeit von 1028,66 km/h. Während eines anderen Fluges wurden 55.220 kg Zuladung auf eine Höhe von 13.121 m befördert.

Seit 1986 ist eine 3M im Zentralen Museum der Luftstreitkräfte der Russischen Föderation in Monino ausgestellt. Der letzte militärische Einsatzflug erfolgt mit einer 3MS-2 am 23. März 1994.

Eine zum Transport von Außenlasten umgebaute Maschine 2005 auf der MAKS in Schukowski, auch bekannt als WM-T „Atlant“

Für die Mjassischtschew WM-T „Atlant“ wurden drei M-4 der Luftstreitkräfte verwendet. Das erste Exemplar diente als statische Versuchszelle, die anderen beiden wurden zu den flugfähigen Exemplaren CCCP-01501 und CCCP-01502 umgebaut, die dazu dienten, im Rahmen des Buran-Raumfährenprogamms die Raumfähre und auch Teile der Trägerrakete Energija zu transportieren. Das Flugzeug war auch unter der Bezeichnung 3M-T bekannt. Die Projektarbeiten begannen im Sommer 1979, der Erstflug fand am 6. Januar 1982 statt. Augenscheinlichstes Merkmal war das veränderte, in zwei Seitenendscheiben ausgeführte Leitwerk. Der erste Transporteinsatz nach Baikonur erfolgte am 4. April des gleichen Jahres.[2] Ab 1989 übernahm die An-225 die Aufgaben der WM-T „Atlant“.

Technische Daten[Bearbeiten]

3M in Monino (2006), im Vordergrund liegen Lastkörper (Bombenattrappen)
Dreiseitenriss
Kenngröße Daten (M-4) Daten (3M)
Spannweite 50,48 m 50,48 m
Länge 47,20 m 49,00 m
Höhe 12,80 m 12,80 m
Flügelfläche 309 m² 320 m²
Leermasse 82.000 kg k.A.
Zuladung 40.000 kg k.A.
Startmasse 181.000 kg 210.000 kg
Höchstgeschwindigkeit 900 km/h in 11.000 m Höhe 950 km/h in 12.000 m Höhe
Marschgeschwindigkeit 835 km/h 860 km/h
Reichweite 9.800 km mit 11.000 kg Bomben 13.000 km mit 12.000 kg Bomben
Gipfelhöhe 13.700 m 15.000 m
Bewaffnung sechs bis zehn 23-mm-Kanonen, bis zu 12.000 kg Bomben wie M-4
Triebwerk vier Mikulin AM-3D-Strahltriebwerke vier Dobrynin WD-7-Strahltriebwerke
Leistung je 85,6 kN Startschub je 127,48 kN Startschub
Besatzung 6–11 6–8

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl-Heinz Eyermann, Wolfgang Sellenthin: Die Luftparaden der UdSSR. Zentralvorstand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, 1967. S. 37
  2. Flieger Revue 2/90, Seite 60

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]