Momo
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Momo ist die Protagonistin des gleichnamigen, 1973 erschienenen Romans von Michael Ende. Der vollständige Titel lautet: MOMO oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.
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[Bearbeiten] Handlung
In einer Phantasiewelt, die sehr an das Heute erinnert, ist die Gesellschaft der grauen Herren am Werk. Sie versuchen, alle Menschen dazu zu bringen, Zeit zu sparen. In Wahrheit werden die Menschen um ihre Zeit betrogen – während sie versuchen Zeit für später zu sparen, vergessen sie, im Jetzt zu leben. Denn Zeit kann man nicht sparen, wie z. B. Geld. Je mehr man versucht, Zeit zu sparen, desto „kürzer“ werden die Tage und Wochen.
Als die Welt schon fast den grauen Herren gehört, beschließt der weise Meister Hora (der geheimnisvolle „Verwalter der Zeit“) zu handeln. Er hält die Zeit an, wodurch die ganze Welt zum Stillstand kommt, und schickt seine Schildkröte Kassiopeia mit dem kleinen, strubbligen Mädchen Momo, das eine Stundenblume für eine Stunde Zeit in die Hand bekommt, in den Kampf gegen die übermächtig erscheinenden grauen Herren.
[Bearbeiten] Hintergrund
Das Wirken von Michael Ende in Japan, der Heimat seiner zweiten Ehefrau, hat einen engen Zusammenhang mit Momo. Werner Onken, Leiter der Freiwirtschaftlichen Bibliothek in Varel, schrieb 1986 eine Interpretation von Momo, die in der Zeitschrift Fragen der Freiheit veröffentlicht wurde. In einem Brief wurde Onken von Michael Ende bestätigt, dass sein Werk Momo das heutige Geldsystem kritisiere: „[...] Übrigens sind Sie bis jetzt der erste, der bemerkt hat, dass die Idee des alternden Geldes im Hintergrund meines Buches Momo steht. Gerade mit diesem Gedanken von Steiner und Gesell habe ich mich in den letzten Jahren intensiver beschäftigt, da ich zu der Ansicht gelangt bin, dass unsere ganze Kulturfrage nicht gelöst werden kann, ohne dass zugleich oder vorher sogar die Geldfrage gelöst wird.“
Erwachsenen Lesern fällt eventuell auf, dass das Buch nicht nur ein phantastisches Märchen ist. Es soll vielmehr eine Allegorie sein auf das, was Ende als „unsere heutige Kultur“ empfindet, in der das ganze Leben dem Streben nach Nützlichkeit und Wachstum untergeordnet sei, dem Streben nach abstraktem zukünftigen Gewinn, symbolisiert durch die grauen Männer. Diese Kultur ist eng mit dem heutigen Zeitbegriff verbunden, darum handelt die Geschichte von der Zeit, welche das Leben ist und von der Zeitsparkasse, der die Menschen fortan für Glücksversprechen in der Zukunft ihre Zeit opfern. Der Autor beschreibt mit seiner anschaulichen Bildersprache die in seinen Augen wunden Punkte und den von ihm wahrgenommenen Mechanismus „unserer“ Gesellschaft.
Michael Ende hat in seiner Erzählung eine Sprache für das Unsagbare, das Unsichtbare zu finden versucht, welches das Leben in der Industriegesellschaft seiner Meinung nach so dramatisch verändert hat. Er wählte für seine Gesellschaftskritik die Form eines Märchens bzw. einer phantastischen Geschichte, um die Dinge zu zeigen, für die wir keine rechte Begriffswelt hätten und die sich unserer Anschauung entzögen, die aber jeder in seinem tiefsten Inneren kenne.
[Bearbeiten] Charaktere und Figuren
- Momo – das kleine Mädchen, das eines Tages im Amphitheater auftaucht, so gut zuhören kann und damit andere tröstet. Schwarze Haare, schwarze Augen
- Gigi – Girolamo Fremdenführer – einer der beiden besten Freunde Momos, der Geschichtenerzähler und Fremdenführer. Außerdem ist er Parkwächter, Trauzeuge, Hundespazierenführer, Liebesbriefträger, Beerdigungsteilnehmer, Andenkenhändler, Katzenfutterverkäufer und noch vieles andere mehr.
- Beppo – Beppo Straßenkehrer – der andere beste Freund Momos, ein geduldiger Straßenkehrer, der so lange überlegt, bis er eine Antwort gibt, dass die meisten Menschen schon vergessen haben, was sie wissen wollten. Von ihm stammt der berühmte Tipp, statt das Ende der langen Straße zu beachten immer nur das nächste Stück zu sehen.
- Meister Hora – Secundus Minutius Hora – der Hüter der Zeit und der Stundenblumen. Auf Momos Frage, ob er der Tod sei, antwortet er ausweichend.
- Kassiopeia – Meister Horas Schildkröte, die eine halbe Stunde in die Zukunft schauen kann – und doch nicht sagen kann, was passieren wird. Sie drückt sich mittels geschriebener Worte aus, die sie auf ihrem Panzer erscheinen lassen kann.
- Die Grauen Herren – Die vielen grauen Herren mit fahler grauer Haut, grauen Hüten, einem ebenso grauen Sakko, „eleganten grauen Autos“ und einer Zigarre aus getrockneter Zeit – ohne die sie nicht existieren können – im Mund. Sie kommen laufend in der Geschichte vor und kontrollieren schließlich die gesamte Stadt, wobei sie allerdings nie so in Erscheinung treten, dass sie im Gedächtnis bleiben.
- Die Kinder – die vielen Kinder, mit denen sich Momo stets im Amphitheater trifft und mit denen sie aufregende Spiele spielt.
- Nino – der Gastwirt.
- Liliana – Ninos Frau.
- Nicola – der Maurer.
- Herr Fusi – der Friseur.
- BLW/553/c (Agent) – Der graue Herr, der versucht, Momo zu bestechen.
- XYQ/384/b (Agent) – Der graue Herr, der zu Herrn Fusi in das Friseurgeschäft kommt.
- Bibigirl – die vollkommene, sprechende Puppe.
[Bearbeiten] Sonstiges
- Schum-Schum gummilastikum – ein Naturphänomen, das in einer Geschichte in der Geschichte beschrieben ist; ein Wirbelwind, der über dem Wasser tanzt. Die Beschreibung des Schum-Schums entspricht exakt einer Plastik vor dem Großen Warmhaus im Botanischen Garten von Berlin.
[Bearbeiten] Verfilmungen
- 1986 – Momo (Regie: Johannes Schaaf, mit Radost Bokel, Mario Adorf, Armin Mueller-Stahl)
- 1986 – Momo in der phantastischen Welt des Meister Hora. Videofilm aus Gemälden von Angerer der Ältere zum Buch.
- 2001 – Momo alla conquista del tempo (italienischer Animationsfilm, mit Erica Necci als Momo, Musik Jörg Schnabel)
- 2002 – Momo (Zeichentrickfilm, Ufa)
- 2004 – Momo (Zeichentrick-Serie)
Außerdem wurde 1975 das Buch und ein Ausschnitt in der Sendung Lemmi und die Schmöker vorgestellt.
[Bearbeiten] Hörspiele
Es gibt mehrere Hörspielfassungen des Romans:
- Karussell 1984 drei Kassetten; 1999 drei CDs
- Teil 1: Momo und ihre Freunde
- Teil 2: Momo und die grauen Herren
- Teil 3: Momo und die Stundenblumen
- Der Audio Verlag 2008 fünf CDs, Lesung mit Rufus Beck
[Bearbeiten] Musicals
- Regie, Musik, Texte: Stefan Krämer, Erstaufführung: 11. Juni 2009, Gymnasium Osterbek Hamburg (die musicaLISTEN)
[Bearbeiten] Aktuelle Ausgabe
- Michael Ende: Momo oder die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Ein Märchen-Roman. Mit Bildern des Autors. (47. Auflage.) Thienemann, Stuttgart und Wien 2005, 301 S., ISBN 3-522-17750-9
[Bearbeiten] Weblinks
- Momo (1986) in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
- Momo alla conquista del tempo (2001) in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (1960) | Jim Knopf und die Wilde 13 (1962) | Momo (1973) | Das Traumfresserchen (1978) | Die unendliche Geschichte (1979) | Das Gauklermärchen (1982) | Der Spiegel im Spiegel (1983) | Der Wunschpunsch (1989)