Myofasziales Schmerzsyndrom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das myofasziale Schmerzsyndrom ist ein Krankheitsbild, das durch Schmerzen im Bewegungsapparat gekennzeichnet ist, welche nicht von Gelenken, Periost, Muskelerkrankungen oder anderen neurologischen Erkrankungen ausgehen. Im Gegensatz zur Fibromyalgie liegt beim MSS stets ein lokal begrenzter Schmerzzustand vor.

Ursache[Bearbeiten]

Ursache für das myofasziale Schmerzsyndrom ist ein überempfindlicher Herd in einem Muskel, der als Triggerpunkt bezeichnet wird. Er entsteht durch Überlastung eines Muskels, die zu einer anhaltenden Kontraktion einzelner Sarkomere führt. Dabei kommt es zu einer lokal begrenzten Sauerstoffunterversorgung und zu einer Hemmung der Wiederaufnahme von Calcium in das sarkoplasmatische Retikulum und damit einer Dauerkontraktion. Dieser Kontrakturknoten ist meist tastbar. Die Ausschüttung von Botenstoffen führt zu einem Schmerz, der durch spinale Reflexe auf benachbarte Muskelbezirke ausdehnen kann.

Ausgangspunkt für Muskelüberlastungen können Stress, kleinste Schäden durch ständig wiederkehrende Bewegungen, Fehlernährung, hormonelle Störungen, Immobilität, Muskelschwäche, Krämpfe oder neurologische Schäden (Schädigungen einzelner Nervenwurzeln) sein. Auch eine Unterkühlung (z. B. zu dünne Kleidung im Winter) kann zur Entwicklung von Triggerpunkten führen.

Klinisches Bild und Diagnostik[Bearbeiten]

Charakteristisch ist ein lokaler druckempfindlicher Punkt, ein hartes gespanntes Muskelbündel (Muskelhartspann, taut band) und ein Ausstrahlen des Schmerzes in die so genannte Übertragungszone bei Druck auf den Triggerpunkt. Bei Druck auf den Triggerpunkt kommt es zu einem reflektorischen Zucken der dortigen Muskelfasern (lokale Zuckungsreaktion LZR). Zudem besteht eine eingeschränkte Beweglichkeit und Muskelschwäche des Gebietes. Eine Dehnung des Muskels ist schmerzbedingt nur eingeschränkt möglich.

Wenn der Schmerz bei Ausübung des Druckes einem Dermatom folgt, dann handelt es sich nicht um einen Triggerpunkt. So kann man Triggerpunkte immer klar von neurologischen Ursachen unterscheiden.

Muskelhartspann und reflektorisches Zucken fehlen bei den tender points der Fibromyalgie, allerdings treten bei 70 % der Fibromyalgie-Patienten gleichzeitig MSS-Triggerpunkte auf.

Behandlung[Bearbeiten]

Die Behandlung erfolgt vor allem durch Physiotherapie (Triggerpunkttherapie, Massage). Wärmebehandlungen, wie z.B. Naturfango, Rotlicht oder ein Körnerkissen, können im Anschluss zur eigentlichen Therapie durch die Anregung des Stoffwechsels ebenfalls einen positiven Einfluss haben.

Bei komplizierten Formen können Muskelrelaxantien wie Tetrazepam, Flupirtin, Tolperison oder Methocarbamol eingesetzt werden. Bei therapieresistenten Formen erfolgt eine invase Behandlung durch Infiltration des Triggerpunkts. Dabei wird eine Nadel in den Triggerpunkt vorgeführt und hin- und zurückgeschoben (dry needling), gegebenenfalls werden isotonische Kochsalzlösung, ein Lokalanästhetikum oder Botulinumtoxin injiziert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Christoph Diener, Christoph Maier (Herausgeber): Die Schmerztherapie: Interdisziplinäre Diagnose- und Behandlungsstrategien- mit Zugang zum Elsevier-Portal. Elsevier, Urban&Fischer Verlag, 3. Ausgabe 2008, ISBN 9783437215414, S. 133 ff.
  • Janet G. Travell et al.: Handbuch der Muskel-Triggerpunkte. 1. Obere Extremität, Kopf und Thorax. 2. Auflage 2002, Elsevier Urban & Fischer, ISBN 343741402X.

Leitlinien[Bearbeiten]

S3-Leitlinie Fibromyalgiesyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS). In: AWMF online (Stand 2012)