Nakalipithecus nakayamai

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Nakalipithecus nakayamai
Zeitliches Auftreten
spätes Miozän
9,9 bis 9,8 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
Altweltaffen (Catarrhini)
Überfamilie: Menschenartige (Hominoidea)
Gattung: Nakalipithecus
Art: Nakalipithecus nakayamai
Wissenschaftlicher Name
Nakalipithecus nakayamai
Kunimatsu et al. 2007

Nakalipithecus nakayamai ist eine ausgestorbene Art der Primaten aus der Gattung Nakalipithecus, die während des späten Miozäns in Ostafrika vorkam. In Kenia, am Ostrand des Großen Afrikanischen Grabenbruchs entdeckte Fossilien, die zu dieser Art gestellt wurden, datierten ihre Entdecker in der Erstbeschreibung von Nakalipithecus nakayamai im Jahr 2007 mit Hilfe der 39Ar-40Ar-Methode in die Zeit vor 9,9 bis 9,8 Millionen Jahren.[1]

Als Holotypus wurde in der Erstbeschreibung durch Yutaka Kunimatsu et al. das Fragment eines Unterkiefers mit drei erhaltenen großen Backenzähnen eines vermutlich erwachsenen Individuums ausgewiesen (Archivnummer KNM-NA46400). Als Paratypen wurden dem Holotypus weitere elf einzelne Zähne von der gleichen Fundstelle beigegeben. Diese liegt bei Nakali, 40 km westlich von Maralal, der Hauptstadt des Samburu Distrikts. Die Fossilien werden im Nairobi National Museum (früher: Kenya National Museum, daher KNM) in Nairobi aufbewahrt.

Nakalipithecus nakayamai ist zugleich die Typusart der Gattung Nakalipithecus. Diese Bezeichnung ist abgeleitet vom Fundort im Gebiet von Nakali sowie von griechisch πίθηκος, altgriechisch ausgesprochen píthēkos = „Affe“. Das Epitheton nakayamai gedenkt des verstorbenen Geologen Katsuhiro Nakayama, der dem überwiegend aus Japan stammenden Grabungsteam angehört hatte.

Die Körpergröße von Nakalipithecus ist vergleichbar mit der von weiblichen Gorillas. In der Erstbeschreibung von Nakalipithecus nakayamai wird dessen Habitat aufgrund von Fossilienfunden anderer Tierarten – darunter Schlank- und Stummelaffen der Gattung Microcolobus – als bewaldet interpretiert. Die Merkmale von Nakalipithecus ähneln jenen des etwas jüngeren, in Griechenland entdeckten Ouranopithecus macedoniensis, dessen stärker verdickter Zahnschmelz jedoch auf einen offeneren und trockeneren Lebensraum hinweise.

Ouranopithecus macedoniensis war – obwohl nur aus Griechenland bekannt – wiederholt als möglicher enger Verwandter der gemeinsamen Vorfahren von Gorillas, Schimpansen und der Hominini in Betracht gezogen worden. Der ungefähr gleich alte Fund von Nakalipithecus liefert den Autoren seiner Erstbeschreibung zufolge neue Hinweise auf die Anatomie der unmittelbaren Vorfahren aller heutigen afrikanischen Menschenaffen; ausdrücklich erwähnt wird, dass diese Gattung „dem letzten gemeinsamen Vorfahren der noch vorhandenen afrikanischen Großen Menschenaffen und des Menschen nahestehen könnte“. Dieser letzte gemeinsame Vorfahre von Gorillas, Schimpansen und Mensch wird heute zumeist in die Zeit vor 9 bis 8 Millionen Jahren datiert, wobei Fossilienfunde aus dem späten Miozän (von vor 11 bis 5 Millionen Jahren) in Afrika bisher sehr selten sind; Ausnahmen sind beispielsweise Chororapithecus sowie (mit bislang unklarer verwandtschaftlicher Zuordnung) Samburupithecus kiptalami, dessen Oberkiefer 1982 im Norden Kenias in den Samburu Hills entdeckt worden war. Aus dieser Armut an afrikanischen Funden war zuvor wiederholt geschlossen worden, dass die unmittelbaren Vorfahren der heutigen Menschenaffen womöglich in Eurasien gelebt und von dort aus nach Afrika eingewandert seien.

Weblinks[Bearbeiten]

  • anthropology.net: Introducing Nakalipithecus nakayamai. (engl., mit einer Abbildung des Holotypus)
  • discovery channel: Possible Ape Ancestor Found.
  • pnas.org vom 11. Dezember 2007: New apes fill the gap, von Raymond L. Bernor

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Yutaka Kunimatsu u. a.: A new Late Miocene great ape from Kenya and its implications for the origins of African great apes and humans. In: Proceedings of the National Academy of Sciences, Band 104, Nr. 49, 2007, S. 19220–19225; doi:10.1073/pnas.0706190104