Nierenarterienstenose

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Klassifikation nach ICD-10
I70.1 Atherosklerose der Nierenarterie
Q27.1 Angeborene Nierenarterienstenose
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Nierenarterienstenose beschreibt eine ein-, aber auch beidseitig auftretende Verengung der die Nieren versorgenden Arterie (A. renalis). Folge dieser Verengung kann ein durch den Goldblatt-Effekt (Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems) ausgelöster Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) sein.

Ursachen und Häufigkeit[Bearbeiten]

Als Ursache für arterielle Hypertonie ist die Nierenarterienstenose mit ca. 1 % relativ selten. Ursachen für die Nierenarterienstenose sind:

  • Arteriosklerose (häufigste Ursache mit 60–90 %, vor allem am Übergang der Aorta zur A. renalis lokalisiert)
  • Fibromuskuläre Dysplasie (bei 10–30 % ist diese Veränderung des Bindegewebes die Ursache, vor allem bei den jungen Patienten, am ehesten im mittleren Drittel der A. renalis lokalisiert)
  • Arteriitiden, z.B. Takayasu-Arteriitis
  • weitere seltene Ursachen sind: Thrombosen, Verletzungen oder ein Aneurysma der A. renalis

Pathophysiologie (Goldblatt-Effekt)[Bearbeiten]

Die Pathophysiologie der Nierenarterienstenose begründet sich zu einem großen Teil im sogenannten Goldblatt-Effekt. Bei einer Verkleinerung des Nierenarteriendurchmessers auf weniger als 40 % kommt es zu einem Absinken der Nierendurchblutung. Die Niere reagiert mit einer vermehrten Ausschüttung von Renin, welches über das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System zu einer Vasokonstriktion (Engstellung der Gefäße) und zu einer vermehrten Rückresorption von Natrium und Wasser führt. Folge beider Vorgänge ist der für die Krankheit typische Anstieg des systemischen Blutdrucks. Die erkrankte Niere versucht also ihre eigene eingeschränkte Durchblutung zu verbessern, steigert dabei allerdings den Druck im Körperkreislauf auf krankhafte Werte. Benannt ist dieser Mechanismus nach dem US-amerikanischen Pathologen Harry Goldblatt.

Klinik[Bearbeiten]

  • Bluthochdruck (besonders des diastolischen Blutdruckwertes)
  • aufgehobener Tag-Nacht-Rhythmus bei der Langzeitblutdruckmessung
  • häufig im Verlauf schnelle Entwicklung der hohen Blutdruckwerte
  • Blutdruck lässt sich nicht oder nur schlecht (> 2 Medikamente) einstellen

Diagnostik[Bearbeiten]

Therapie[Bearbeiten]

  • Medikamentöse Therapie: ACE-Hemmer kombiniert mit Betablockern (allerdings unter engmaschiger Kontrolle). Erzielt man damit keine Verbesserung, kommen interventionelle und operative Verfahren in Frage. (Bei beidseitiger Nierenarterienstenose oder bei einer Einzelniere kann die Therapie mit einem ACE-Hemmer jedoch zum akuten Nierenversagen führen und wird daher nicht empfohlen.)
  • Interventionelle Therapie: Perkutane transluminale Angioplastie (PTA): 80 % Erfolgsrate, oft mit nachfolgender Stentimplantation.
  • Operative Therapie: Aortorenale (anatomische) oder extraanatomische Bypass-Operation.
Angiografie einer Nierenarterienstenose aufgrund einer fibromuskulären Dysplasie
Die oben gezeigte Stenose nach Aufdehnung (PTA)


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herold, Innere Medizin - Ausgabe von 2009, S. 294

Literatur[Bearbeiten]

  • Wieneke et al.: Die Nierenarterienstenose. Medizinische Klinik (2009) 104 (5) S. 349–355
  • S2-Leitlinie: Erkrankungen der Nierenarterien, AWMF-Registernummer 004/008 (online: Volltext), Stand 08/2008

Weblinks[Bearbeiten]

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