Nigrische Allianz für Demokratie und Fortschritt

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Nigrische Allianz für Demokratie und Fortschritt
ANDP-Zaman Lahiya
Partei­vorsitzender Moussa Moumouni Djermakoye
Gründung 27. Februar 1992
Haupt­sitz Niger
Parlamentsmandate 8 von 113

Die Nigrische Allianz für Demokratie und Fortschritt (französisch: Alliance nigérienne pour la démocratie et le progrès-Zaman Lahiya, Kürzel: ANDP-Zaman Lahiya) ist eine politische Partei in Niger.

Ausrichtung[Bearbeiten]

Die Nigrische Allianz für Demokratie und Fortschritt gilt als traditionalistische Partei, die ethnisch bei den Zarma der Stadt Dosso verwurzelt ist. Ihre bisherigen Parteivorsitzenden Adamou Moumouni Djermakoye und Moussa Moumouni Djermakoye entstammten einer Seitenlinie der Zarmakoye (Djermakoye), des traditionellen Herrscherhauses der Zarma von Dosso.[1] Zaman Lahiya, der Beiname der Partei, kommt aus der Sprache Hausa und bedeutet „in Frieden leben“.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Nigrische Allianz für Demokratie und Fortschritt wurde am 27. Februar 1992 gegründet.[3] Sie entstand als Abspaltung von der Nationalen Bewegung der Entwicklungsgesellschaft (MNSD-Nassara) und geht auf den Klub der Freunde von Adamou Moumouni Djermakoye (französisch: Club des Amis de Moumouni Adamou Djermakoye, Kürzel: CAMAD) zurück, der 1991 innerhalb des MNSD-Nassara Adamou Moumouni Djermakoye bei dessen Bemühungen unterstützte, Parteivorsitzender zu werden, sich aber gegen Mamadou Tandja nicht durchsetzen konnte.[4]

Bei der Präsidentschaftswahlen von 1993 gewann Mahamane Ousmane von der Nigrischen Partei für Demokratie und Sozialismus (PNDS-Tarayya), Adamou Moumouni Djermakoye wurde Vierter. Bei den Parlamentswahlen von 1993 erhielt die ANDP-Zaman Lahiya zwölf der 83 Sitze in der Nationalversammlung. Sie war unter anderem mit dem PNDS-Tarayya und der CDS-Rahama in der Neun-Parteien-Koalition Allianz der Kräfte des Wandels verbunden, das mit 50 Abgeordneten in der Nationalversammlung vertreten war und den MNSD-Nassara von der Macht verdrängte.[5] Adamou Moumouni Djermakoye wurde Präsident der Nationalversammlung, was er bis 1994 blieb.[6] Bei den Parlamentswahlen von 1995 verlor die ANDP-Zaman Lahiya drei Mandate und war nunmehr mit neun von 83 Sitzen in der Nationalversammlung vertreten.[7] Als der PNDS-Tarayya die Allianz der Kräfte des Wandels verließ und sich mit dem MNSD-Nassara verbündete, schloss sich auch die ANDP-Zaman Lahiya diesem Schritt an.[4] Staatspräsident Mahamane Ousmane wurde 1996 durch einen Staatsstreich von Ibrahim Baré Maïnassara gestürzt, der sich bei den Präsidentschaftswahlen von 1996 zu dessen Nachfolger wählen ließ. Dem Präsidentschaftskandidaten Adamou Moumouni Djermakoye brachte das offizielle Wahlergebnis einen fünften (und letzten) Platz ein. In der Übergangsregierung unter Premierminister Boukary Adji war die ANDP-Zaman Lahiya mit Arbeitsminister Seïni Ali Gado vertreten.[8] Anders als die meisten anderen Parteien boykottierte die ANDP-Zaman Lahiya die Parlamentswahlen von 1996 nicht und wurde mit acht von 83 Sitzen erneut in die Nationalversammlung gewählt.[9] Bald wandte sie sich aber von den autoritären Plänen Ibrahim Baré Maïnassaras ab, der 1999 bei einem Staatsstreich den Tod fand. Die Präsidentschaftswahlen von 1999 brachten dem MNSD-Nassara-Kandidaten Mamadou Tandja den Sieg ein. Adamou Moumouni Djermakoye wurde Fünfter. Bei den Parlamentswahlen von 1999 trat die ANDP-Zaman Lahiya als Bündnispartner des PNDS-Tarayya auf, allerdings ging auch hier das Lager des MNSD-Nassara als Sieger hervor.[4] Die ANDP-Zaman Lahiya konnte nur noch vier der 83 Parlamentssitze gewinnen und wurde damit erstmals in ihrer Geschichte zur kleinsten in der Nationalversammlung vertreteten Partei.[10] Die Präsidentschaftswahlen von 2004 wurden wieder von Mamadou Tandja (MNSD-Nassara) gewonnen und Adamou Moumouni Djermakoye landete erneut auf dem fünften Platz. Bei den Parlamentswahlen von 2004 wechselte die ANDP-Zaman Lahiya auf die Seite des auch hier erfolgreichen MNSD-Nassara[4] und erhielt fünf von 113 Sitzen in der Nationalversammlung.[11]

Der Parteigründer Adamou Moumouni Djermakoye starb 2009. Als Staatspräsident Tandja und sein MNSD-Nassara zunehmend autoritäre Tendenzen zeigten, schloss sich die vorübergehend führungslose ANDP-Zaman Lahiya einem Oppositionsbündnis an, das die Parlamentswahlen von 2009 boykottierte.[12] Staatspräsident Mamadou Tandja wurde im Februar 2010 bei einem Staatsstreich gestürzt. Im Juni 2010 wurde Adamou Moumouni Djermakoyes Bruder Moussa Moumouni Djermakoye zum neuen Parteivorsitzenden der ANDP-Zaman Lahiya gewählt.[13] Die von Mahamadou Issoufou (PNDS-Tarayya) gewonnenen Präsidentschaftswahlen von 2011 brachten Moussa Moumouni Djermakoye den sechsten Platz ein. Bei den Parlamentswahlen von 2011 ging die ANDP-Zaman Lahiya wieder ein Bündnis mit dem diesmal siegreichen PNDS-Tarayya ein.[4] Die Partei ist seitdem mit acht der 113 Sitze in der Nationalversammlung vertreten.[14] Sie schloss sich im selben Jahr mit 32 weiteren politischen Parteien und Gruppierungen in einer Allianz zusammen, die sich auf gemeinsame Grundsätze verständigte und zusagte, die Regierung Mahamadou Issoufous bei ihren Vorhaben zu unterstützen.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Les partis politiques nigériens, leurs leaders respectifs et les pratiques politiques inavouables. Website africatime.com, veröffentlicht am 1. März 2004, abgerufen am 11. Oktober 2012.
  2. Mamoudou Gazibo: La vertu des procédures démocratiques: élections et mutation des comportements politiques au Niger. In: Roland Marchal (Hrsg.): Justice et réconciliation: ambiguïtés et impensés. Politique africaine No. 92. Karthala, Paris 2003, S. 148.
  3.  Chaïbou Maman: Répertoire biographique des personnalités de la classe politique et des leaders d’opinion du Niger de 1945 à nos jours. Volume II, Démocratie 2000, Niamey 2003, S. 336.
  4. a b c d e Abdourahmane Idrissa und Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Aufl., Scarecrow, Plymouth 2012, ISBN 978-0-8108-6094-0, S. 373.
  5. Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 1993. Website der Interparlamentarischen Union, abgerufen am 9. Oktober 2012.
  6. Historique (Version vom 15. Mai 2013 im Internet Archive). Website der Assemblée Nationale, veröffentlicht am 17. Oktober 2011, abgerufen am 17. August 2012.
  7. Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 1995. Website der Interparlamentarischen Union, abgerufen am 9. Oktober 2012.
  8. Le gouvernement du Niger, formé le 23 août 1996 (Version vom 2. März 2005 im Internet Archive). Website Afrique Express, abgerufen am 9. Oktober 2012.
  9. Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 1996. Website der Interparlamentarischen Union, abgerufen am 9. Oktober 2012.
  10. Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 1999. Website der Interparlamentarischen Union, abgerufen am 9. Oktober 2012.
  11. Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 2004. Website der Interparlamentarischen Union, abgerufen am 9. Oktober 2012.
  12. Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 2009. Website der Interparlamentarischen Union, abgerufen am 9. Oktober 2012.
  13. M. Bako: Congrès extraordinaire de l'ANDP Zaman Lahiya: l'ancien Colonel Moussa Moumouni Djermakoye élu président du Parti. Website Le Sahel, veröffentlicht am 21. Juni 2010, abgerufen am 9. Oktober 2012.
  14. Niger: Assemblée nationale, last elections. Website der Interparlamentarischen Union, abgerufen am 9. Oktober 2012.
  15. Zeinabou Gaoh: Déclaration de création de la Mouvance pour la Renaissance du Niger (MRN): trente-deux partis politiques s'allient pour une bonne gestion du pouvoir. Website Le Sahel, veröffentlicht am 9. August 2011, abgerufen am 14. Oktober 2012.