Nikotinersatztherapie
Nikotinersatztherapie (NET, auch NRT für engl. nicotine replacement therapy „Nikotinersatztherapie“) ist die dosierte Zuführung von Nikotin mittels nikotinhaltiger Präparate als Ersatz für die wegfallende Nikotinzufuhr bei der Raucherentwöhnung. Dabei wird durch Nikotinpflaster, Nikotinkaugummis, Nikotinlutschpastillen, Nikotininhalator oder Nikotinspray Nikotin aufgenommen. Die Aufrechterhaltung des Nikotinspiegels soll die Erscheinungen eines Tabakentzuges vermeiden bzw. mildern, um den dauerhaften Verzicht auf das Rauchen zu erleichtern oder zu ermöglichen.[1]
Die Suchtwirkung von Nikotin hängt sehr stark von der Art der Nikotinzufuhr ab. Tierversuche haben gezeigt, dass Nikotin ein hohes Suchtpotenzial hat, wenn es schnell und in kurzen Stößen ins Gehirn gelangt (durch Inhalieren oder intravenöse Zufuhr), jedoch ein relativ niedriges bei einer langsamen und kontinuierlichen Zufuhr (durch Pflaster).[2]
Die aufgeführten Nikotinpräparate sind Präsentationsarzneimittel und, bis auf das Nikotinnasenspray, rezeptfrei ausschließlich in Apotheken erhältlich.
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Wirkweise[Bearbeiten]
Nikotinersatzpräparate sollen helfen, das Verlangen nach Tabakrauch zu dämpfen, indem sie langsam Nikotin an den Körper abgeben. Anders als Zigaretten, geben sie nur Nikotin ab und keine weiteren Giftstoffe, wie Kohlenmonoxid, Formaldehyd, Acrolein, Blausäure, Arsen oder krebserzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die in Zigaretten enthalten sind. Nikotinersatzpräparate gibt es in verschiedenen Stärken.
Erfolgschancen[Bearbeiten]
Die Rückfallwahrscheinlichkeit bei Rauchern, die ohne Hilfsmittel mit dem Tabakkonsum aufhören, liegt bei 97 % innerhalb von sechs Monaten nach dem Rauchstopp. Bis 2012 ging man davon aus, dass Nikotinersatzpräparate bei korrekter Dosierung und weiterer fachlicher Anleitung die Erfolgschancen um 3 % steigern können.[3] Eine neuere Studie von 2012 besagt, dass die Rückfallraten bei denen, die Nikotinersatzpräparate zum Aufhören verwendet haben, genau so hoch war wie derer, die ohne Hilfsmittel aufgehört haben.[4][5]
Frei verkäufliche NET-Produkte[Bearbeiten]
Die folgenden Produkte sind in verschiedenen Stärken in Deutschland in Apotheken auch ohne Rezept erhältlich.
Nikotinpflaster[Bearbeiten]
Nikotinpflaster werden auf die Haut geklebt und täglich gewechselt. Empfohlen für mittelstarke bis starke Raucher, die relativ gleichmäßig über den Tag verteilt rauchen. Die auf dem Pflaster aufgebrachte Nikotindosis variiert zwischen 8,3 mg bis 52,5 mg, wobei allerdings nur zwischen 7 mg und max. 21 mg des Wirkstoffs über die Klebeschicht oder eine Zwischenmembran in 24 Stunden freigesetzt werden. Das Suchtpotenzial ist nahe Null.[6]
Nikotinkaugummis[Bearbeiten]
Empfohlen für weniger starke bis mittelstarke Raucher oder „Geselligkeitsraucher“. Nikotinkaugummis kaut man wie gewöhnliche Kaugummis und können auch eingesetzt werden, um Nikotinpflaster bei besonders starkem Verlangen nach einer Zigarette zu ergänzen. Nikotinkaugummi ist in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Stärken (2 mg und 4 mg) erhältlich. Es gibt ein geringes Suchtpotenzial[6].
Nikotinlutschtabletten[Bearbeiten]
Empfohlen für mittelstarke bis starke Raucher, die eher ungleichmäßig über den Tag verteilt rauchen. Sie setzen das Nikotin beim Lutschen frei und werden – wie Nikotinkaugummis – bei Bedarf angewendet und sind in drei Stärken (1 mg, 2 mg und 4 mg) erhältlich.
Nikotininhalator[Bearbeiten]
Mit dem Nikotininhalator saugt man das Nikotin über ein Mundstück in den Mund ein, ähnlich wie beim Zigarettenrauchen. Eine Patrone enthält 10 oder 15 mg Nikotin. Außer dem Nikotin sind auch Geschmacksstoffe wie z.B. Menthol enthalten.
Verschreibungspflichtige NET-Produkte[Bearbeiten]
Die folgenden Produkte sind in Deutschland in Apotheken auf Rezept erhältlich.
Nikotinnasenspray[Bearbeiten]
Nikotinnasenspray wird für starke Raucher mit sehr hoher Nikotinabhängigkeit empfohlen. Nikotinhaltige Flüssigkeit wird in die Nase gesprüht. Eine 10 ml Flasche enthält 100 mg Nikotin.
Quellen[Bearbeiten]
- ↑ Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Handlungsleitlinie Tabakabhängigkeit aus Empfehlungen zur Therapie der Tabakabhängigkeit. Arzneiverordnung in der Praxis, Sonderheft, 1. Auflage, Mai 2001 (PDF, 44 KB)
- ↑ http://www.rcplondon.ac.uk/pubs/contents/4fc74817-64c5-4105-951e-38239b09c5db.pdf Harm reduction on nicotin addiction (Seite 98/99)
- ↑ Stead et al.Nicotine replacement therapy for smoking cessation. Cochrane Tobacco Addiction Group, 16 Jul 2008
- ↑ DKFZ Nikotinersatz und andere Medikamente zur Raucherentwöhnung. abgerufen am 6. März 2013.
- ↑ Alpert HR et al. A prospective cohort study challenging the effectiveness of population-based medical intervention for smoking cessation. Center for Global Tobacco Control, Januar 2013
- ↑ a b https://www.oma.org/Resources/Documents/e2008RethinkingStop-SmokingMedications.pdf Rethinking Stop-Smoking Medications: Treatment Myths and Medical Realities (engl.)