Nizamiyya

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Ermordung des Seldschuken-Wesirs Nizam al-Mulk durch einen Agenten (al-fidāʾī) der Ismailiten (Assassinen) (links, mit weißem Turban) 1092

Nizamiyya (arabisch: al-Madrasa al-Niẓāmiyya) ist der Name einer Anzahl von religiösen Schulen, die von Nizam al-Mulk (1018–1092), dem Wesir der beiden seldschukischen Herrscher Alp Arslan und Malik Schah in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts im Irak, der Dschazira und in Persien gegründet wurden und Gelehrten der aschʿarītischen und schāfiʿitischen Ausrichtung des sunnitischen Islams vorbehalten waren. Während die Asch'ariten und Schafi'iten vorher im Seldschukenreich verfolgt worden waren,[1] erhielten sie mit diesen Schulen erstmals offizielle Anerkennung und Förderung.[2]

Die erste dieser Schulen wurde zwischen 1065 und 1067 in Bagdad errichtet, und zwar zeitgleich mit der hanafitischen Madrasa am Grab Abū Ḥanīfas. Weitere Nizamiyyas folgten in Nischapur, Balch, Mossul, Herat und Merw.[3] Die wissenschaftlich-kulturellen, heutigen Hochschulen ähnelnden Einrichtungen trugen zur Entfaltung der islamischen Kultur und des höheren Bildungswesens bei, insbesondere zur Verbreitung der aschʿarītischen[4] und der schāfiʿitischen Lehrrichtung.

Nizamiyya von Bagdad[Bearbeiten]

Die Nizamiyya von Bagdad wurde für den schafiitischen Gelehrten Abū Isḥāq al-Schīrāzī († 1083) errichtet. Der Bau wurde 1065 begonnen, die Einweihung fand am 22. September 1067 statt.[5] Ab 1091 (= 484 der Hidschra) war al-Ghazali (1058–1111) an der Schule tätig.[6] Die Bibliothek der Nizamiyya in Bagdad gilt als die erste Islamische Universitätsbibliothek.

Nizam al-Mulk entschloss sich,

„Bagdad in ein Zentrum für den Austausch religiöser Meinungen umzuwandeln. Er machte die Nizamiyah zum größten Zentrum der Islamischen Öffentlichkeitsarbeit und wollte damit gegen die massive Werbung der Ismailiten in der Al-Azhar-Universität von Kairo, dem Zentrum der fatimidischen Kalifen vorgehen. So wurde die Nizamiyah in Bagdad zu einem großen Islamischen Zentrum und berühmter als alle anderen wissenschaftlichen Lehrzentren in irakischen Städten und Städten des nordostiranischen Chorasan. (Sendemanuskript des Rundfunks der Islamischen Republik Iran)“

Offensichtlich plante Nizam al-Mulk, diese Schule analog zu der zeitgleich errichteten hanafitischen Madrasa am Grab Abū Ḥanīfas mit einer Begräbnisstätte zu versehen. Der ägyptische Geschichtsschreiber Al-Maqrīzī berichtet, dass Nizam al-Mulk im Jahre 1081/82 mit seinem fatimidischen Kollegen Badr al-Dschamali in briefliche Verhandlungen trat, um die Überreste asch-Schāfiʿīs, dessen Rechtssystem an der Nizamiyya gelehrt wurde, aus Kairo nach Bagdad überführen und in seiner Schule unterbringen zu können. Aufgrund von Protesten der Bevölkerung in Kairo kam diese Überführung aber nicht zustande.[7] So ging der Plan nicht auf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Asad Talas: La Madrasa Nizamiyya et son histoire. Paris: Geuthner, 1939

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Vgl. dazu das Kapitel "Die Asch'aritenverfolgung" in T. Nagel: Die Festung des Glaubens. Triumph und Scheitern des islamischen Rationalismus im 11. Jahrhundert. München 1988. S. 85-90.
  2. Vgl. H. Bowen und C.E. Bosworth: Art. "Nizam al-Mulk" in Encyclopaedia of Islam Second Edition. S. 71-72.
  3. Vgl. G. Makdisi und J. Pedersen: Art. "Madrasa" in Encyclopaedia of Islam, Bd. V, S. 1126f
  4. nach Abū l-Ḥasan al-Aschʿarī; vgl. sacred-texts.com: Al-Ash‘arī
  5. Vgl. Makdisi/Pedersen 1126b
  6. Vgl. George Makdisi: The Rise of Colleges. Institutions of Learning in Islam and the West. Edinburgh 1981. S. 303.
  7. Vgl. al-Maqrīzī: al-Mawāʿiẓ wa-l-iʿtibār bi-ḏikr al-Ḥiṭaṭ wa-l-āṯār. 3 Bde. Kairo: Maktabat al-Madbūlī 1998. Bd. III, S. 692f.