Normal 8

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8-mm-Kamera Bell & Howell Filmo Straight Eight

Normal-8 ist ein Schmalfilm-Format, welches im März 1932 von Eastman-Kodak auf den Markt gebracht und mit der Einführung von Super 8 im Mai 1965 von diesem schnell abgelöst wurde. Entsprechend der gängigsten Konfektionierung sprach man auch von Doppel-8.

Verbreitung[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

16-mm-Film, Doppel-8-Film und 8-mm-Film
8-mm-Kamera Bauer 88 B, ca. 1954

Um Filmkosten zu sparen, entstand aus dem bekannten 16-mm-Film dadurch ein Amateurfilm, indem man ihn zweimal je zur Hälfte belichtete und nach der Entwicklung in der Mitte durchschnitt. Dadurch verringerte sich das Bildformat von 7,5 mm x 10,4 mm bei 16-mm-Film auf 3,7 mm x 4,7 mm, also ungefähr um den Faktor 4,5. Die modernen hochauflösenden Filmemulsionen sorgten dennoch für eine ausreichende Bildqualität, so dass schon in den späten 1930er Jahren 8-mm-Kameras doppelt so häufig waren wie 16-mm-Kameras.

Die Vorteile des 8-mm-Films lagen in kleineren Kameras, vor allem aber in erheblich geringeren Kosten für Apparate und Filmmaterial, die private Filme überhaupt erst im größeren Umfang ermöglichten.

Agfa hatte mit der Movex-Filmkassette und ihrem einfachen Filmwechsel einen weiteren Vorteil eingeführt, das System konnte sich aber nicht durchsetzen.

Rückgang[Bearbeiten]

Nachteilig an diesem Vorgehen waren die für den schmalen Film unverhältnismäßig breiten Perforationslöcher, was schließlich zum Super-8-Film führte, bei dem eine schmalere Perforation ein größeres Bildformat und somit eine hinsichtlich Auflösung überlegene Bildqualität bot. Dies führte zum einen zur Bezeichnung Normal-8 (englisch: Regular-8) für den bisherigen Film, zuvor sprach man nur vom 8-mm-Film; zum anderen zum Untergang des Formats insoweit, dass bald keine Neugeräte mehr angeboten wurden. Hinsichtlich des Bildstandes blieb Super-8 seinem Vorgängerformat allerdings unterlegen.

Der Übergang von Normal-8 zu Super-8 ging sehr schnell vonstatten, wobei gebrauchte Geräte etwa um die Hälfte an Wert verloren. Ungeachtet dessen ist Doppel-8-Rohfilm bis heute auf dem Markt geblieben, schwarzweiß und für Farben.

Filme[Bearbeiten]

Doppel-8[Bearbeiten]

Doppel-8-Kamera Agfa Movex 88, 1956
8-mm-Kamera Pentacon Pentaflex 8 mit Kassette, 1966

Am verbreitetsten waren offene Tageslichtspulen mit 7,5 m (Nutzlänge) Filmmaterial, das nach der Entwicklung im Labor gesplittet und zu einem 15 m langen Film zusammengeklebt wurde. In einem Kameradurchlauf konnten bei 16 Bilder/s 2 min aufgenommen werden, dann vertauschte man die beiden Spulen für den zweiten Durchlauf. Einige wenige Kameras konnten auch 30-m-Spulen aufnehmen, was insgesamt 16 min Aufnahmezeit ermöglichte.

Um 1955 kostete eine 7,5-m-Spule mit Agfa-Schwarzweißfilm 13,20 DM, mit Agfacolor-Tageslichtfilm 18,50 DM. Diese Preise enthielten die Entwicklung mit dem oben angesprochenen Splitten und Zusammenkleben.

Movex[Bearbeiten]

Die 1937 eingeführte Movex-Kassette besaß zwei in einer Ebene liegende Spulen, womit sie der Single-8-Kassette ähnlich sah. Sie nahm 10 m Film auf, wobei es keinen zweiten Durchlauf gab, und konnte fertig konfektioniert gekauft werden. Agfa bot bis 1956 Kameras für dieses System an und ging dann mangels Erfolgs auf Doppel-8-Kameras über.

Andere Kassetten und Spulen[Bearbeiten]

Auch andere Firmen boten Doppel-8- oder Normal-8-Film in Kassetten an, wie z. B. Kodak. Da sich aber kein einheitlicher Standard durchsetzen konnte, ereilte diese Systeme schnell dasselbe Schicksal wie das Movex-System. In den USA waren zudem 8 mm breite Filme auf Tageslichtspulen auf dem Markt. Weitere Kassettensysteme von verschiedenen Herstellern mussten von Nutzer vorher selbst mit Doppel-8-Film auf Tageslichtspulen geladen werden. Z. T. wurde dieser Service auch von Fotohändlern angeboten.[1]

Emulsion[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu Super-8 gab und gibt es bei Normal-8-Farbfilmen Kunst- und Tageslicht-Farbfilm.

Kameras[Bearbeiten]

Antrieb[Bearbeiten]

Geöffnete 8-mm-Amateurkamera Elmo 8-V

Im Gegensatz zu Super-8 war der Elektroantrieb in der Normal-8-Zeit noch nicht selbstverständlich, er kam erst in der Endphase auf. Zuvor ging der Filmtransport mit einem Federwerk vonstatten, man musste die Kamerafeder aufziehen und konnte dann zumeist nur etwa 1,5 m Film belichten.

Objektive[Bearbeiten]

Ähnlich verhielt es sich mit Zoom-Objektiven: Einfache Kameras besaßen nur eine Festbrennweite, teurere Modelle einen Revolver mit mehreren Objektiven. Anfang der 1960er Jahre kamen Modelle mit Zoom-Objektiven auf den Markt.

Geschwindigkeit[Bearbeiten]

Es kommt beim Stummfilm nicht so sehr auf die exakte Vorführgeschwindigkeit an, ohnehin hielten die Federwerk-Antriebe der Kameras die Geschwindigkeit nicht exakt ein, zumindest war die Genauigkeit der Fliehkraftregler für Synchronton über längere Passagen nicht ausreichend.

Tonfilm[Bearbeiten]

Mit Normal-8 wurden zumeist Stummfilme gedreht, lediglich einige engagierte Amateure produzierten seit Mitte der 1950er Jahre auch Tonfilme, was aufnahmeseitig stets mit dem Zweibandverfahren (siehe Super 8) vonstatten ging.

Die Vorführung lief zumeist auch mit verschiedenen Zweibandverfahren ab, in den 1960er Jahren kamen aber bereits Tonfilmprojektoren auf, die allerdings teuer und infolgedessen wenig verbreitet waren. Diese Projektoren arbeiteten mit einer nachträglich auf dem Film anzubringenden Magnetspur, die im Gegensatz zu Super-8 neben der Perforation lag. Aus verschiedenen Gründen war die Tonqualität des Magnet-Randspurtons bei Normal-8 eher bescheiden, so dass die meisten Amateur-Tonfilme mit unterschiedlichen Zweibandverfahren vertont und vorgeführt wurden. Der Bund Deutscher Filmamateure versuchte zwar, das ETS-Verfahren (Einheits-Tonsystem) mit Synchronimpulsen alle 4 Bilder als Norm zu etablieren, dieses konnte sich aber nicht so recht durchsetzen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Kleines Kassettenchaos", Siegbert Fischer, schmalfilm 4/2005, S. 42ff