Ofenkachel

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Typische Ofenkachel,
Format ca. 190 × 215 mm, 50 mm dick: unten Rückansicht, mit Schamottestein gefüllt
Seitenansicht zu Bild oben
Runde Ofenkachel, Durchmesser 400 mm

Ofenkacheln sind – seit der Erfindung des Kachelofens im 8./9. Jahrhundert in der Region Elsass/Baden-Württemberg bzw. der Nordwestschweiz – neben Ofenlehm, Stopfsteinen, steinernen oder metallenen Basisplatten und metallenen Fixierungs- und Verspannungsdrähten sowie Backsteinen für Züge und Auskleidung (ab dem 19. Jahrhundert) die wichtigsten Bestandteile von Kachelöfen. Die Kacheln speichern gemeinsam mit dem Ofenlehm oder der inneren Schamotte-Auskleidung des Ofens (erst ab dem späten 19./20. Jahrhundert) aufgrund ihrer Wärmekapazität Wärmeenergie und erwärmen damit den umgebenden Raum noch einige Zeit nach dem Erlöschen des Ofenfeuers. Sie dienen weiterhin der Dekoration und besitzen aufgrund ihrer Glasur gute Reinigungseigenschaften.Ofenkacheln bestehen immer aus gebranntem Ton und gehören damit zur Keramik.

Typen von Ofenkacheln[Bearbeiten]

Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen einfachen Kacheln oder Gefäßkacheln und zusammengesetzten Kacheln.

Zu den einfachen Kacheln/Gefäßkacheln gehören:

  • Becherkacheln
  • Röhrenkacheln
  • Topfkacheln
  • Schüsselkacheln
  • Napfkacheln

Zu den zusammengesetzten Kacheln, die aus einer separat gefertigten (gemodelten) Schauseite und einem angesetzten Teil bestehen, gehören:

  • Pilzkacheln
  • Tellerkacheln
  • Nischenkacheln
  • Halbzylinderkacheln
  • Blattkacheln
  • Blattnapfkacheln
  • Eckkacheln
  • Gesimskacheln
  • Kranzkacheln
  • Bekrönungskacheln

Daneben gibt es auch noch weitere, keramische Ofenbestandteile, wie z. B.

  • Ofenaufsätze
  • Leistenkacheln
  • Ofenfüsse
  • Ofensäulen

Herstellung und Verarbeitung von Ofenkacheln im 19./20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Ofenkacheln werden seit dem späten 19. Jahrhundert oft aus mit Schamott gemagertem Ton-Schlicker gegossen, getrocknet und anschließend geschrüht (vorgebrannt). Sie werden anschließend auf der Außenseite mit Glasurfarben begossen oder bemalt und glattgebrannt.

Ofenkacheln besitzen zum Ofeninnenraum (Feuerung) hin einen Rumpf (auch Tubus oder Zarge), der mit Ofenlehm und Stopfsteinen, in jüngerer Zeit aber mit Schamotte-Steinen ausgefüllt wurde. Zwischen die Tubi konnten Dachziegelfragmente oder Steine zur Ausrichtung und als Abstandhalter eingeschoben werden. Oft wurden die Kacheln untereinander auch noch mit Draht verklammert bzw. verdrahtet, um eine bessere Standfestigkeit der Öfen zu gewährleisten. Diese Vorgänge nennen sich Ausschiefern und Verzwickeln. Zum Verzwickeln besaßen die Kacheln oben und unten in der Zarge ein Loch.

Neben der gegossenen Steg- oder Rumpfkachel gibt es auch die sogenannte „Vollkachel“. Diese ist eine fünf Zentimeter starke Kachel, die (meist mit der Hand) geformt wird und aufgrund ihrer Form eine höhere Stabilität aufweist. Beim Versetzen erspart sich der Ofenbauer bei diesen Kacheln das Ausschiefern und Verzwickeln, da sie aufgrund der Dicke eine entsprechend höhere bautechnische Stabilität aufweisen.

Verwendung[Bearbeiten]

Kacheln bilden einen großen Masse-Anteil von Kachelöfen und tragen daher wesentlich zur Wärmespeicherung bei. Sie besitzen unabhängig von Farbe und Form einen hohen Absorptionsgrad im mittleren Infrarot, daher ist die Wärmeabstrahlung bei den relativ niedrigen Temperaturen eines Kachelofens sehr effektiv.

Aufgrund der Strahlungswärme kann die Raumtemperatur in einem mit Kachelofen beheizten Raum bei gleicher Behaglichkeit wesentlich niedriger sein als bei anderen Heizanlagen.

Kacheln ähnlich den zum Ofenbau verwendeten Formen werden vereinzelt auch als dekorative Wandverkleidung eingesetzt. Aufgrund der offenen Porosität des Scherbens und teilweise rissiger Glasur sind Kacheln jedoch nicht frostfest. Für dekorative und witterungsabweisende Außenanwendungen werden daher Fliesen verwendet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eva Roth Heege: Ofenkeramik und Kachelofen – Typologie, Terminologie und Rekonstruktion im deutschsprachigen Raum (CH, D, A, FL) mit einem Glossar in siebzehn Sprachen. Mit Beiträgen von Monika Dittmar, Julia Hallenkamp-Lumpe, Andreas Heege, Matthias Henkel, Klaus Hufnagel, Uwe Lamke, Katja Lesny, Margret Ribbert, Harald Rosmanitz und Günther Unteidig. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 39. Verlag Schweizerischer Burgenverein, Basel. ISBN 978-3-908182-23-8.
  • Kölner Ofenkacheln. Die Bestände des Museums für Angewandte Kunst und des Kölnischen Stadtmuseums, bearbeitet von Ingeborg Unger, mit einem Beitrag von David Gaimster, Locher GmbH, Köln 1988, ISBN 3-927396-01-X (wichtige Materialvorlage).

Weblinks[Bearbeiten]