Phasing

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In der Minimal Music bezeichnet Phasing eine Kompositionstechnik, bei der zwei Instrumente dieselbe, oft repetitive Stimme ausführen, wobei eines in stetigem Tempo spielt, während sich das andere in zunehmendem zeitlichem Abstand vor das erste bewegt. Die beiden Stimmen geraten so zunächst "aus der Phase" und allmählich wieder "in Phase" (Phasenverschiebung). Beide Stimmen werden als im selben Tempo gespielt empfunden; es ergeben sich lediglich klanglich und rhythmisch veränderliche Höreindrücke.

Die Technik nahm ihren Ausgang in der „Tape Music“ des Komponisten Steve Reich, bei der mehrere Kopien derselben Bandschleife gleichzeitig auf verschiedenen Tonbandgeräten gestartet werden. Mit der Zeit ergibt sich durch die kleinen Unterschiede in den Bandgeschwindigkeiten ein „Flanger“-Effekt und eine rhythmische Trennung. Beispiele sind Reichs „Come Out“ und „It's Gonna Rain“. Die Technik wurde dann auf akustische Instrumente angewandt (Piano Phase (1967), Marimba Phase (1980)); später wurde die Phasenverschiebung auch schrittweise statt graduell ausgeführt, wie in Reichs „Clapping Music“.

Ein Beispiel aus der Popularmusik ist "The True Wheel" auf Brian Eno's „Taking Tiger Mountain (By Strategy)“.

Das Spielen von sich wiederholenden Phrasen mit demselben Tempo, aber unterschiedlicher metrischer Länge (Schläge pro Takt), wie in der Musik von Philip Glass und anderen, ist kein Phasing, sondern kann als Polyrhythmik angesehen werden.