Praxeologie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mit Praxeologie wird in Philosophie, Wirtschaftswissenschaft oder Soziologie eine allgemeine Theorie des menschlichen Handelns bezeichnet. Der Begriff wird auf Alfred Espinas zurückgeführt.[1]

Philosophie[Bearbeiten]

In der Philosophie ist sie die Lehre von den Erfahrungsregeln und beschreibt, wie man bestimmte Handlungsweisen ausgestalten und ethisch rechtfertigen kann. In der Wirtschaftswissenschaft ist mit dem Begriff Praxeologie eine Auffassung von der reinen Theorie verknüpft, die wie im apriorischen Denkansatz von Ludwig von Mises denknotwendige, streng allgemeine Sätze aus den Begriffen des zweckrationalen Entscheidungshandelns logisch ableitet. In der Soziologie bezieht man sich damit häufig auf den Ansatz von Pierre Bourdieu.

Wirtschaftswissenschaft[Bearbeiten]

Für Ludwig von Mises ist Praxeologie die Lehre vom menschlichen Handeln schlechthin. Sie steht als Wissenschaftsdisziplin eigenständig neben Ethik, Naturwissenschaft und Geschichte. Die subjektivistische Nationalökonomie erweitert mit der Theorie der Wahlakte das von der klassischen Nationalökonomie bearbeitete Forschungsgebiet. Mit dem Problem der Wirtschaftlichkeit besitzt die Ökonomie ihr autonomes Untersuchungsfeld. Alles Handeln ist schon vom Begriff her rational, weil es nicht anders von der Theorie zu erfassen ist.[2]

Hans Albert kritisiert die Verquickung von normativer (ordnungspolitischer) Problemstellung und dem Erklärungsproblem von wirtschaftlichen Verhaltensweisen und Institutionen (wie etwa zu lösen versucht durch eine Marktsoziologie) als politische Ideologie. Sie werde mit einer Begriffskonfusion hinsichtlich „Rationalität“ logisch erschlichen.[3] Insbesondere sei es logisch nicht möglich, die ethische Bewertung von Mitteln durch die Neutralisierung der Ziele auszuschalten; denn dies liefe auf die Regel hinaus, der Zweck heilige jedes Mittel.[4]

Soziologie[Bearbeiten]

Pierre Bourdieu entwickelte in den frühen 1970er Jahren in seiner Studie Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft die Praxeologie als Theorie der Praxis. Dabei handelt es sich um einen Modus der Beobachtung gesellschaftlicher Zustände, der sich auf die Beziehungen zwischen den sozialen Strukturen und den Dispositionen der sozialen Akteure bezieht.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre Bourdieu: Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft, 2. Auflage, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009 (zuerst französisch 1972).
  • Murray N. Rothbard: Praxeology: The Methodology of Austrian Economics. In: The Logic of Action One: Method, Money, and the Austrian School. Edward Elgar, Cheltenham 1997, S. 58–77 (online (PDF; 71 kB) auf mises.org).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alfred Espinas: Les origines de la technologie. Paris 1897 (online auf gallica.bnf.fr), S. 7f.
  2. Ludwig von Mises: Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens. München 1980, ISBN 3-88405-010-9 (zuerst Genf 1940; online (PDF; 50,2 MB) auf mises.org), S. 2 ff.
  3. Hans Albert: Ökonomische Ideologie und politische Theorie. Das ökonomische Argument in der ordnungspolitischen Debatte. Verlag Schwartz und Co., Göttingen 1954 (Monographien zur Politik, Heft 4, 2. Auflage 1972).
  4. Albert bezieht sich hierbei u. a. auf Gunnar Myrdal: Das politische Element in der nationalökonomischen Doktrinbildung. Berlin 1932.
  5. Achim Landwehr: Kulturgeschichte. Stuttgart 2009, S. 41f.