Reserverad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
Vor dem Wechsel auf das bereitliegende Notrad. Wagenheber bereits angesetzt.

Ein Reserverad (auch Reservereifen) ist ein Autoreifen, den die meisten mehrspurigen Kraftfahrzeuge mitführen. Es dient zum Austausch, wenn ein Autoreifen defekt ist.

Reserverad am Heck eines Nash 1082R Ambassador von 1923

Ausführungen[Bearbeiten]

Im Regelfall ist ein Sommerreifen, wie die anderen am Fahrzeug montierten, in einer Reserveradmulde im Kofferraum, manchmal auch unter dem Fahrzeug, vorhanden. Bei PKW wird aber auch manchmal aus Platz-, Gewichts- oder Preisgründen ein so genanntes Sparrad (Notrad) eingesetzt. Das Notrad darf nur bis zur nächsten Werkstatt benutzt werden, bei einer maximal zulässigen Geschwindigkeit von 80 km/h.

Ein Sonderfall des Notrads stellt das Faltrad dar. Im Gegensatz zu dem bei vielen Herstellern verwendeten schmalen Notrad auf einer speziellen Felge, wurden Fahrzeuge der Marke Porsche bis Ende der Neunziger Jahre mit Falträdern ausgeliefert, die anfangs auf eine serienmäßige Stahlfelge (vergleichbar mit den Felgen der 1. Generation des Porsche 911) und seit Ende der 1980er Jahre auf spezielle Leichtbau-Alufelgen aufgezogen wurden. Im Vergleich zum konventionellen Notrad hat das Faltrad, dessen Reifenflanke einmal in der Mitte gefaltet zwischen die Felgenhörner passt, den Vorteil, dass es aufgrund der steifen Original- bzw Spezialfelge für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h zugelassen ist. Der Nachteil wiederum ist, dass das Rad vor dem Einsatz erst aufgepumpt werden muss, da die Reifenflanke im Transportzustand gefaltet ist, weshalb zu diesen Fahrzeugen ein mit 12 V betriebener Kleinkompressor gehörte.

Eine neuere Entwicklung stellen sogenannte Pannensets dar, die aus einer Dichtungsflüssigkeit und einem Kompressor bestehen, um den Reifen notdürftig zu flicken und erneut aufzupumpen. Außerdem können seit einiger Zeit pannensichere Reifen gekauft werden, die mit verschiedenen Methoden sicherstellen, dass man trotz einer Panne noch mit begrenzter Geschwindigkeit eine kurze Wegstrecke zurücklegen kann. Mittlerweile bieten viele Reifenhersteller „pannensichere“ Reifen an, mit denen man auch ohne Luft noch eine bestimmte Strecke zurücklegen kann („SSR“, „Run Flat Tire“, „EMT“).

Allen Ausführungen gemein ist die Tatsache, dass man die Fahrt nur so kurz wie möglich und unter größter Vorsicht fortsetzen sollte, um bei der nächsten Werkstatt ein neues, passendes Rad aufziehen zu lassen. Dies gilt insbesondere auch für vermeintlich vollwertige Ersatzräder, die oftmals wegen eines anderen Fabrikats oder Profils, der falschen Reifengröße oder Laufrichtung oder schlicht wegen mangelnden oder nicht überprüfbaren Luftdrucks nicht länger als unbedingt nötig benutzt werden sollten.

Beim normalen Überprüfen des Luftdrucks sollte man daher auch immer das Reserverad kontrollieren, da es auch bei Nichtbenutzung Luft verlieren kann und im Ernstfall dann nicht benutzt werden kann.

Reifenwechsel[Bearbeiten]

Siehe auch: Radwechsel

Zum Reifenwechsel braucht man einen Wagenheber und einen Schraubenschlüssel bzw. ein Radkreuz, um die Radmuttern zu lösen und wieder anzuziehen. Beim Anheben des Wagens muss man ihn gegen Wegrollen durch Unterlegen eines Radkeils oder eines Holzstückes sichern. Beim Wechsel eines Vorderrades sollte man auch die Handbremse anziehen.

Bei LKW lässt sich das zum Wechseln bestimmte Rad oft auch pneumatisch anheben.

Besonders problematisch sind Reifenpannen an der Antriebsachse im Winter. Da das Reserverad meist als Sommerreifen ausgeführt ist, hat es auf Schneefahrbahnen verringerte Haftung. Abhilfe schafft ein doppelter Radwechsel, das heißt der Reservereifen wird auf die nicht angetriebene Achse montiert und das heruntergenommene, funktionstüchtige Rad auf die Antriebsachse. Danach ist auch ein Anfahren auf Schnee und bei Steigungen möglich. Dieser Zustand sollte aber bei der nächsten Gelegenheit geändert werden, da in Deutschland seit 2006 an die Bedingungen angepasste Bereifung vorgeschrieben ist.

Notrad in Mulde unter der Bodenabdeckung des Kofferraums in einem Toyota Auris

Statistik[Bearbeiten]

Der Versuch der Kraftfahrzeugindustrie, das Reserverad aus Kosten-, Platz- und Gewichtsgründen wegzurationalisieren und z. B. durch ein Pannenset zu ersetzen, scheiterte bisher vielfach am Widerspruch der Autofahrer. Viele von ihnen wollen nicht auf ein Reserve- oder Notrad verzichten. So waren im Jahr 2010 von 4,25 Mio. vom ADAC bearbeiteten Pannen nur ca. 3,3 % auf einen Reifenschaden zurückzuführen, während ganze 16,2 % allein durch die Batterie zustande kamen.[1]

Rechtslage[Bearbeiten]

In Deutschland ist es nicht gesetzlich vorgeschrieben, ein Reserverad oder ein Reifenreparaturset im Kraftfahrzeug mitzuführen. Bei außen an Kraftfahrzeugen befestigten Ersätzrädern sind besondere Halterungen nach § 36a Abs. 3 StVZO notwendig.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reserveräder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. http://www.adac.de/_mmm/pdf/Pannenstatistik%202010_123713.pdf
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!