Börsenmantel

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Als Börsenmantel wird eine börsennotierte Aktiengesellschaft bezeichnet, die ihr operatives Geschäft aufgegeben hat und demzufolge nur noch ihr Vermögen (Immobilien, Barvermögen) verwaltet (für alle Rechtsformen Mantelgesellschaft genannt). Auch aus insolventen Gesellschaften kann ein entschuldeter Mantel erworben werden. Börsenmäntel können dritten Unternehmen den Börsengang ermöglichen und so eine Alternative zu einem IPO mit Kapitalerhöhung und einer bloßen Notierungsaufnahme ohne Kapitalerhöhung darstellen. Dieser Vorgang wird als Reverse Merger, Reverse Takeover, Reverse IPO oder Back Door Listing bezeichnet.

Ablauf[Bearbeiten]

In den Börsenmantel wird neues operatives Geschäft durch den Mantelkäufer eingebracht. Ist dieses besonders werthaltig, muss der Mantelkäufer vorher einen möglichst großen Teil der Aktien erwerben, um Verluste an den Streubesitz zu vermeiden. Möglich ist aber auch ein größerer Streubesitz, wenn ein noch wenig werthaltiges Geschäft erst durch Kapitalerhöhungen ausgebaut werden soll, die dann durch die sonstigen Aktionäre mitfinanziert werden. Als Vorteil werden oftmals geringere Kosten und Verpflichtungen genannt. Außerdem kann der Börsengang über ein Börsenmantel schneller abgewickelt werden als das bei klassischen Verfahren der Fall ist. Früher waren bestehende Verlustvorträge im Börsenmantel ebenfalls ein ausschlaggebender Faktor; dieser wurde aber durch die zwischenzeitlich deutlich eingeschränkte gesetzliche Verrechnungsmöglichkeit auf sehr wenige Fälle zurückgedrängt.

Mantelspekulation[Bearbeiten]

Sogenannte Mantelspekulationen, also die Erwartung, dass ein Börsenmantel tatsächlich reaktiviert wird, sind seit Jahrzehnten ein gängiges Investment risikobereiter Anleger. Gelingt die Mantelspekulation, winken nicht selten Gewinne in Höhe eines Vielfachen des Einsatzes. Das Risiko liegt darin, dass sich auch viele Jahre am alten geschäftslosen Status der AG nichts ändern kann, die Notierung eingestellt wird oder die Gesellschaft gar insolvent wird. Aus einer Vielzahl potentieller Börsenmäntel werden erfahrungsgemäß überhaupt nur einige wenige tatsächlich als Mantel übernommen. Davon sind wiederum nicht alle erfolgreich.

Händler von Börsenmänteln[Bearbeiten]

Bekanntester Fall eines reaktivierten Börsenmantels in Deutschland war lange Zeit die WCM AG. Diese war selbst eine Zeit lang als Händler von Börsenmänteln tätig, gleiches galt für die SPARTA Beteiligungen AG. Händler von Börsenmänteln sind zum Beispiel die advantec Beteiligungskapital KGaA, die CFO AG und die Carthago Capital AG.

Kritik[Bearbeiten]

Die tatsächlichen Vorteile eines Börsengangs mittels Börsenmantels werden stark bezweifelt. Kritiker merken zudem an, dass insbesondere intransparente Firmen diesen Weg an die Börse wählen.

Auswahl an reaktivierten Börsenmänteln der letzten zehn Jahre[Bearbeiten]

Unterscheidung des Begriffes Mantel bei effektiven Stücken[Bearbeiten]

Begrifflich zu unterscheiden ist der Börsenmantel vom Mantel der Aktienurkunde, die aus Mantel und Bogen besteht.

Weblinks[Bearbeiten]