Rheingrafenhose

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Karl II. von England in Rheingrafenhose, Gemälde von John Michael Wright, 1661 oder 1662

Die so genannte Rheingrafenhose (frz. Rhingrave, engl. Petticoat breeches) war ein Hosenrock für Männer, der im 17. Jahrhundert für einige Jahrzehnte zur Kleidung des europäischen Adels und teilweise auch des Bürgertums gehörte. Es gab im Wesentlichen zwei Modelle: einen faltenreichen Rock, der im Schritt geschlossen war, mit zwei geschnürten Beinausschnitten, sowie eine Rockhose mit weiteren Beinen, unter der eine seidene Pumphose getragen wurde. Dazu zog man ein kurzes Wams, ein spitzenbesetztes bauschiges weißes Hemd, Seidenstrümpfe und Schuhe mit Absatz an.

Eingeführt hatte die neue Hosenmode um 1660 der holländische Gesandte in Paris, Karl Florentin zu Salm (1638–1676). Sie war im Prinzip eine Übertreibung der Landsknechttracht aus dem Dreißigjährigen Krieg. Der französische Hof griff die neue Mode schnell auf; die Höflinge dort orientierten sich ohnehin bereits an der weiblichen Mode und trugen langhaarige Perücken, hochhackige Schuhe und schminkten sich. Da der gesamte europäische Adel sich modisch am Hof Ludwigs XIV. orientierte, wurde die Rheingrafenhose bald auch in England, Deutschland und Holland getragen.

Die Hosen waren meist aus feinem Leinen oder aus Seide, die bevorzugten Farben Blau und Rot. Eine große Rolle spielten die üppigen Verzierungen mit Bändern, Gold- und Silberspitze. Zum weiten Rock trugen die Männer dann noch lange Unterhosen, die unten hervorsahen und ebenfalls mit Spitzen und Bändern besetzt waren. So sahen die Männer in dieser Aufmachung zum ersten Mal in der neueren Modegeschichte eher aus wie Frauen, wobei es nicht an Kritikern und Spöttern fehlte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gertrud Lenning: Kleine Kostümkunde. Berlin 1986: Schiele und Schön. S.139ff.