Südlicher Zwergwal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Südlicher Zwergwal
Rorcual austral 3.jpg

Südlicher Zwergwal (Balaenoptera bonaerensis)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
Familie: Furchenwale (Balaenopteridae)
Gattung: Balaenoptera
Art: Südlicher Zwergwal
Wissenschaftlicher Name
Balaenoptera bonaerensis
Burmeister, 1867

Der Südliche Zwergwal (Balaenoptera bonaerensis) ist eine Art der Furchenwale, die in den großen Weltmeeren auf der Südhemisphäre der Erde zwischen 20° und 65°S lebt.

Merkmale[Bearbeiten]

Der Südliche Zwergwal wird 7,2 bis 10,7 Meter lang, 5,8 bis 9,1 t schwer und ist damit kräftiger und größer als der Nördliche Zwergwal. Weibchen können bis zu einen Meter länger werden als die Männchen. Der Körper ist schlank und stromlinienförmig, die auf dem hinteren Körperdrittel sitzende Finne relativ hoch, sichelförmig und beim Schwimmen nur kurz an der Wasseroberfläche sichtbar. Die Schnauze ist spitz, der Oberkiefer von oben gesehen dreieckig und trägt in der Mitte eine scharfe Rostrumleiste.

Der Rücken ist dunkelgraubraun, fast schwarz erscheinend, die Seiten blaugrau, der Bauch heller. Der Übergang zwischen dunklem Rücken und den Körperseiten ist wellenförmig und verschwommen. Hinter dem Kopf können sich oberhalb der Flipper einige helle Winkel zeigen, die in der Natur aber nur bei guter Sicht zu sehen sind. Die oberseits dunklen Flipper besitzen weiße Vorderkanten.

Die Barten des vorderen rechten Kiefers sind weiß, die übrigen Barten sind dunkel. Damit sind die Barten des Südliche Zwergwals im Unterschied zu denen anderer Bartenwalen asymmetrisch gefärbt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Südliche Zwergwal lebt auf der Südhalbkugel der Erde, vor allem zwischen 20° und 65°S. Die größten Bestände finden sich im Südatlantik und im südlichen Indischen Ozean, weniger häufig ist die Art im Südpazifik. Die Tiere wandern zwischen äquatornahen Regionen, wo sie sich vor allem in flachen Küstengewässern aufhalten und der Antarktis. Wahrscheinlich trennen sich die Geschlechter dabei zeitweise. Die Fortpflanzung findet im Winter zwischen 10° und 30°S statt. Im Sommer ziehen die Wale in die Futtergründe der Antarktis. Während einige Individuen sich dabei nur bis zum 42°S bewegen, wandern andere bis in das Rossmeer (72°S).

Lebensweise[Bearbeiten]

Der Südliche Zwergwal lebt einzeln oder in lockeren Gruppen, die manchmal hunderte von Tieren umfassen können. Er ernährt sich von pelagischen Krebstieren und von kleinen Schwarmfischen, in der Antarktis vor allem von Krill. Die lange Paarungszeit der Südlichen Zwergwale liegt im Südwinter und reicht von Juni bis Dezember (Kernzeit August bis September). Das Walkalb wird nach einer Tragzeit von etwa 14 Monaten mit einer Länge von 2,4 bis 2,8 Meter vom späten Mai bis August vor allem in wärmeren Gewässern geboren.

Oberflächenverhalten[Bearbeiten]

Beim Auftauchen der Südlichen Zwergwale erscheint zunächst der Kopf in einem niedrigen Winkel, dann der Blas. Die Finne wird erst nach dem Verschwinden des Blas sichtbar. Das Abtauchen geschieht mit einer hohen Rollbewegung. Vor dem tiefen Tauchen stellt sich der Südliche Zwergwal fast senkrecht und zeigt dabei Schwanzstiel und Finne, aber keinen Flukenschlag. Er kann mindestens 15 Minuten tauchen. Der Blas steigt senkrecht empor, ist säulenförmig, mittelhoch (2–3 Meter) und schwach aber gut sichtbar. Ein Wal bläst etwa 5 bis 8 Mal in Abständen von weniger als einer Minute. Gegenüber kleinen Booten ist der Südliche Zwergwal neugierig.

Bio-Duck[Bearbeiten]

Der Südliche Zwergwahl ist für das Bio-Duck-Geräusch verantwortlich, welches vorwiegend im südlichen Winter vorkommt. Dieses Geräusch wurde zum ersten Mal in den 1960er Jahren mit Hilfe eines Sonars der Oberon-Klasse entdeckt und bio-duck genannt, da es an eine schnatternde Ente erinnerte.[1] Die Quelle des Geräuschs blieb bis zum Jahr 2014 unbekannt.[2]

Systematik[Bearbeiten]

Der Südliche Zwergwal wurde bereits 1867 durch den deutschen Naturwissenschaftler Hermann Burmeister beschrieben. In den meisten Veröffentlichungen vor 1990 ging man jedoch von einer einzigen, weltweit lebenden Zwergwalart aus (Balaenoptera acutorostrata) und die südliche Population wurde als konspezifisch mit der nördlichen angesehen. Seit 2000 registrierte das Scientific Committee der International Whaling Commission (IWC) den Südlichen Zwergwal als eigenständige Art, die vom Nördlichen Zwergwal (Balaenoptera acutorostrata) und dessen die Südhalbkugel bewohnende noch kleinerer Zwergpopulation getrennt ist. Beide Zwergwalarten bilden wahrscheinlich die Schwestergruppe zu den übrigen Balaenoptera-Arten [3].

Gefährdung[Bearbeiten]

Die Gesamtpopulation des Südlichen Zwergwals geht in die hunderttausende. Die IUCN verfügt über keine ausreichenden Daten (Data Deficient) um eine Gefährdung abzuschätzen. Für 1978 bis 1984 wird ein Bestand von 645.000 bis 843.000, für 1985 bis 1991 einer zwischen 786.000 und 869.000 Tieren angenommen. Nach einem Bestandseinbruch von etwa 60 % wird für die Periode von 1991 bis 2004 die Zahl der Tiere auf 338.000 bis 339.000 geschätzt.[4]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Matthews, Rod Macleod, Robert D. McCauley: Bio-Duck Activity in the Perth Canyon. An Automatic Detection Algorithm. 5. November 1004, S. 1, abgerufen am 31. Mai 2014 (pdf, englisch).
  2. Denise Risch, Nicholas J. Gales, Jason Gedamke, Lars Kindermann, Douglas P. Nowacek, Andrew J. Read, Ursula Siebert, Ilse C. Van Opzeeland, Sofie M. Van Parijs, Ari S. Friedlaender: Mysterious bio-duck sound attributed to the Antarctic minke whale (Balaenoptera bonaerensis). Abgerufen am 31. Mai 2014.
  3. Jennifer A. Jackson: Phylogenetics of Baleen Whales. doi:10.1002/9780470015902.a0022870
  4. Datenblatt der IUCN: PDF

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Balaenoptera bonaerensis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Balaenoptera bonaerensis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2008. Eingestellt von: Reilly, S.B., Bannister, J.L., Best, P.B., Brown, M., Brownell Jr., R.L., Butterworth, D.S., Clapham, P.J., Cooke, J., Donovan, G.P., Urbán, J. & Zerbini, A.N., 2008. Abgerufen am 17. April 2012