Sati
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Sati (Sanskrit, f., सती, satī, wörtl.: „die Seiende“, Frau, die den richtigen, mutigen Weg wählt) ist die rituelle Selbstverbrennung von Frauen in einigen indischen Religionsgemeinschaften. Nach dem Tod des Mannes konnte es geschehen, dass seine Witwe sich bei der Verbrennung des Leichnams mit auf den Scheiterhaufen warf. Frauen, die Sati begingen, wurden in hohen Ehren gehalten und teilweise göttlich verehrt, ihre Familie gewann hohes Ansehen.
Ursprünglich opferten sich auf diese Weise Frauen der im Kampf gefallenen Männer aus Fürstenfamilien, möglicherweise, um nicht den Feinden in die Hände zu fallen. Diese grausame Sitte, zunächst als Selbstopfer gedacht, wurde jedoch im Laufe der Zeit in vielen Bevölkerungskreisen eingeforderte Praxis. Besonders häufig war Sati bei den Kshatriya-Kasten, wie z. B. den Rajputs in Nordindien, wo die Witwenverbrennung bis heute vereinzelt vorkommen soll.
In der hinduistischen Mythologie ist Sati die Tochter Dakshas. Sie erzielte durch eine List die Zustimmung zu der Hochzeit mit Shiva. Daksha empfand jedoch Abscheu vor Shiva und lud ihn nicht zu seinem Festmahl und Opferfeuer ein. Die unglückliche Sati stürzte sich daraufhin in das Opferfeuer.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Ablauf der Witwenverbrennung
Sati wurde selten durch Gewalt erzwungen, sondern in einigen Bevölkerungskreisen von Witwen erwartet, die durch sozialen Druck dazu gebracht wurden. Die wahren Beweggründe für diese Handlungen sind bis heute umstritten.
Die Frauen waren bei der Feuerbestattung ihres verstorbenen Ehemanns anwesend und warfen sich zunächst meist freiwillig in das Feuer. Sobald sie mit den Flammen in Kontakt kamen, traten jedoch Todesangst und Schutzreflexe ein, weshalb anwesende Männer sie mit Holzstangen und grober Gewalt auf den Scheiterhaufen niederdrückten oder durch Schläge auf den Kopf bzw. massive Einwirkung dort hielten. Sobald die Frau das Bewusstsein verlor, wurde leicht brennbares Material nachgeworfen und die Feuerbestattung unter Gesängen und religiösen Ritualen zu Ende gebracht.
[Bearbeiten] Bericht eines Reisenden
Der arabische Reisende Ibn Battuta, der im 14. Jahrhundert auch Indien bereiste, berichtet in seinem berühmten Reisebericht von Witwenverbrennungen. Er erwähnte, dass Witwenverbrennungen in muslimischen Gebieten Indiens der Erlaubnis des Sultans bedurften, dass dieser Akt bei den Indern als lobenswerte Tat galt, nicht jedoch Bedingung für eine Witwe war (die allerdings, wenn sie es nicht tat, als untreue Frau galt).
Anschaulich schildert er einen Fall von drei Witwen (von Soldaten, die bei einem Gefecht starben), bei deren Verbrennung er Augenzeuge wurde. Das Feuer wurde vor den Frauen mit einem Vorhang verborgen, um sie nicht zu beunruhigen. Eine der Frauen zog jedoch den Vorhang beiseite und rief: „Willst du mich mit dem Feuer erschrecken? Weiß ich doch, dass es Feuer ist! Mach mir Platz!“, um dann mit über dem Kopf gefalteten Händen lächelnd ins Feuer zu stürzen, woraufhin Hörner und Trompeten erklangen und Männer Holz auf die Frau warfen und ihren Körper mit Stangen niederdrückten, während sich ein ungeheures Geschrei erhob. Battuta beendet seinen Bericht mit dem Hinweis, dass er dabei beinahe ohnmächtig umgefallen wäre.
Battuta bezeichnet die Nicht-Muslime lediglich als Heiden, sodass nicht ersichtlich wird, ob es sich um Hindus oder Buddhisten handelte. Der Vorfall ereignete sich in der Stadt Amjhera.
[Bearbeiten] Gegenwart
Die Witwenverbrennung wurde in Indien am 4. Dezember 1829 vom englischen Generalgouverneur Lord William Cavendish-Bentinck verboten, durchgesetzt von der damaligen Bewegung um den Hindu-Reformer Ram Mohan Roy. Sie wurde jedoch noch bis ins 20. Jahrhundert immer wieder praktiziert und scheint auch heutzutage noch vereinzelt vorzukommen. In der Stadt Jodhpur im indischen Bundesstaat Rajasthan soll sich noch 1953 die letzte Sati aus dem Königshaus selbst verbrannt haben. Laut indischem Gesetz ist aber jede direkte und indirekte Unterstützung zur Selbstverbrennung verboten; selbst die traditionelle Verherrlichung solcher Frauen wird geahndet.
[Bearbeiten] Parallelen
Auch in der Antike sind Fälle überliefert, bei der sich Frauen selbst verbrannten, um nicht den Feinden in die Hände zu fallen, bzw. durch Angehörige getötet wurden (Fall von Karthago, Axiothea von Paphos).

