Schädelausguss

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Überreste des Taung-Kindes mit natürlichem Schädelausguss
Abguss des Gehirns eines Tyrannosaurus rex

Als Schädelausguss oder Endocast (von engl. endocranial cast = Abguss des Schädelinneren (Neurocranium)) bezeichnet man vor allem in der Paläontologie und der Paläoanthropologie eine auf natürlichem Wege oder künstlich im Labor erzeugte, räumliche Nachbildung des Gehirns. Hierbei dient die Innenseite des Schädels als Matrize. Da sich unter anderem die Gehirnwindungen gewissermaßen in die Innenseite des Schädels einprägen, sind diese – umgekehrt – auch in einem Endocast sichtbar. Ein Endocast kann daher – als nahezu naturgetreues Abbild des verschwundenen Organs – Aufschlüsse über die Anordnung und Größe einzelner Bereiche des Gehirns geben.

Schädelausgüsse können im Labor hergestellt werden, indem ein Schädel beispielsweise mit Gips gefüllt wird. Sie können aber auch in der Natur entstehen, wenn sich ein Schädel mit Sand und Schlamm füllt und das Material später aushärtet und versteinert. Anschließend kann es vorkommen, dass sich die Schädelknochen zersetzen, der Schädelausguss aber als Fossil erhalten bleibt. In neuerer Zeit werden mit Hilfe der Computertomographie und anderer bildgebender Verfahren auch „virtuelle Schädelausgüsse“ hergestellt, so dass eine Beschädigung der oft wertvollen und empfindlichen Schädelknochen vermieden wird.

Begründerin der systematischen Analyse von fossilen Schädelausgüssen, der Paläoneurologie, zur Klärung von Fragen der Evolutionsforschung, war Tilly Edinger (1897–1967).

Besonders bekannt ist der 2,4 Mio. Jahre alte natürliche Schädelausguss des „Kindes von Taung“, bei dem es sich um das Fossil eines etwa dreijährigen Australopithecus africanus, eines Vormenschen, handelt. Auch in der anhaltenden wissenschaftlichen Diskussion um die Einordnung des Homo floresiensis in den Stammbaum des Menschen spielt die Analyse des Schädelausgusses vom Fossil LB1 eine Rolle.

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