Sławno

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sławno (Begriffsklärung) aufgeführt.
Sławno
Wappen von Sławno
Sławno (Polen)
Sławno
Sławno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Sławno
Fläche: 10,14 km²
Geographische Lage: 54° 21′ N, 16° 40′ O54.3516.666666666667Koordinaten: 54° 21′ 0″ N, 16° 40′ 0″ O
Einwohner: 12.990
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 76-100
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: ZSL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 6 KołbaskowoPruszcz Gdański
DW 205 DarłowoBobolice
Schienenweg: PKP Nr. 202 (Stargard in Pommern–Danzig)
PKP Nr. 418 (Sławno–Darłowo)
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 10,14 km²
Einwohner: 12.990
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 1281 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3213021
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Krzysztof Frankenstein
Adresse: ul. Curie-Skłodowskiej 9
76-100 Sławno
Webpräsenz: www.slawno.pl

Sławno ['swavnɔ] (deutsch Schlawe) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie ist die Kreisstadt des Powiat Sławieński.

Die Stadt ist umgeben von einer gleichnamigen Landgemeinde, der Gmina Sławno.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die hinterpommersche Stadt liegt im Nordosten der Woiwodschaft Westpommern, auf halben Wege zwischen Koszalin (Köslin) (35 km) und Słupsk (Stolp) (27 km) an der Landesstraße 6, zugleich Europastraße 28, am Ufer des Flusses Wieprza (Wipper). Das Ostseebad Darłówko (Rügenwaldermünde) ist auf der Wojewodschaftsstraße 205 nach 20 km zu erreichen, es besteht aber auch eine Bahnverbindung.

Geschichte[Bearbeiten]

Darstellung des Panoramas von Schlawe auf der Lubinschen Karte von 1618
Schlawe nordöstlich von Köslin (damalige Schreibweise Cöslin) und südwestlich der Ostseestadt Rügenwalde auf einer pommerschen Landkarte von 1794.
Stadtpfarrkirche St. Marien

Um 1186 wurde erstmals eine kaschubische Siedlung namens „Zlauinia“ schriftlich erwähnt, bis zum Ende des 13. Jahrhunderts wechseln die Ortsbezeichnung zwischen Slawo, Slauno und Slawe.

Der Ort gab über Jahrhunderte dem „Schlawer Land“ seinen Namen, ein Gebiet, das wie kein anderes in Pommern von wechselnden Landesherren beherrscht wurde. Das erste überlieferte Herzogtum war Pommern-Schlawe-Stolp unter Herzog Ratibor I. aus dem Adelsgeschlecht der Greifen, der bis zu seinem Tode um 1155 auf der Burg Schlawe residierte. Seine Nachkommen herrschten dort bis 1227, danach erwarb Swantopolk II., Herzog von Pommerellen, das Land Schlawe. Nach Swantopolks II. Tod, 1266, besetzte Herzog Barnim I. von Pommern das Land und reichte dieses 1270 als Pfandherrschaft an Herzog Wizlaw II. von Rügen. Um 1275 wurde dieser aus Schlawe durch Herzog Mestwin II. von Pommerellen verdrängt. Dieser hatte keine männlichen Erben und schloss ohne Rücksichtnahme auf zuvor eingegangene Verträge sowie auf Erbrechte mit ihm verwandter pommerscher Herzöge am 15. Februar 1282 mit Przemysław II., Herzog von Großpolen, einseitig einen Erbfolgevertrag ab.[3] Nach dessen Ermordung, 1296, folgte ihm Władysław I. Ellenlang, der Herzog von Kujawien, auf dem pommerellischen Herzogsthron nach. 1299 entmachtete der böhmische König Wenzel II. seinen polnischen Kontrahenten Władysław I. im Kampf um die Oberherrschaft im Königreich Polen, anschließend übernahm er dessen polnische Herrschaften, darunter das pommerellische Land Schlawe. 1300 krönte sich Wenzel II. zum polnischen König. Nach dem Mordanschlag an Wenzel III., 1306, setzte sich Władysław I. erneut als Landesherr über weite Teile Polens und Pommerellen durch. Gegen diese Herrschaft erhoben sich die Swenzonen, ein pommerellisches Beamtengeschlecht im Dienste der böhmischen Herrscher. Diese ersuchten 1307 die Mark Brandenburg um Beistand, die 1308 in Pommerellen militärisch intervenierte. Im Vertrag von Soldin wurde das polnische Herzogtum Pommerellen schließlich 1309 zwischen zwei deutschen Feudalstaaten geteilt. Bei Brandenburg verblieben die Lande Schlawe, Stolp, Rügenwalde und Bütow als Lehnsgebiet der Swenzonen, der größere Rest mit der Hauptfeste Danzig ging an den Deutschordensstaat.

Doch bereits mit dem Frieden von Templin erwarb der pommersche Herzog Wartislaw IV. 1317 alle pommerellischen Länder, die der Oberhoheit der Mark Brandenburg unterstanden, darunter auch das Land Schlawe. Dieses kam damit erneut unter die Herrschaft des pommerschen Greifengeschlechts, wo es bis zu dessen Aussterben im Jahre 1637 blieb. Nachdem Herzog Wartislaw IV. Schlawe erworben hatte, errichtete er dort eine starke Burg zur Abwehr und zum Schutz gegen den Deutschen Orden. Im Jahre 1317 wurde Schlawe durch Peter von Neuenburg aus dem Geschlecht der Swenzonen, die das Schlawer Land vom Herzog Wartislaw IV. zu Lehen nahmen, das Stadtrecht nach Lübischem Recht verliehen.[4] Um 1360 stiftete die Herzogin Sophia, Gemahlin des Pommernherzogs Barnim IV., die Marienkirche in Schlawe, die im gotischen Stil erbaut wurde.

Während dieser Zeit wechselten sich die Herzogtümer bedingt durch dynastische Landesteilungen mehrmals ab, Pommern-Wolgast folgten 1372 Pommern-Schlawe-Stolp, 1403 Pommern-Rügenwalde, 1457 noch einmal Pommern-Wolgast und 1532 Pommern-Stettin.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutsamen Zentrum des Leinwandhandels. Im Dreißigjährigen Krieg, 1618–1648, geriet Schlawe zwischen die Fronten und wurde fast völlig zerstört. Zum Kriegsende soll es nur noch 40 Haushalte gegeben haben. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, 1648, wurde Schlawe mit großen Teilen Hinterpommerns dem Kurfürstentum Brandenburg zugeschlagen.

Die Stadt erholte sich aber wieder, so dass sie 1720 in den Rang einer brandenburgischen Kreishauptstadt erhoben werden konnte. Einen weiteren Fortschritt brachte der Anschluss an die neue Chaussee von Stettin nach Danzig. 1815, infolge des Wiener Kongresses, lag Schlawe in der brandenburgisch-preußischen Provinz Pommern.

Kösliner Vorstadt (Kösliner Straße). Postkarte von 1912.
Markt mit Blick zum Stolper Tor (ca.1920)

Als Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland die Industrialisierung begann, machte sich dies auch in Schlawe bemerkbar. In rascher Folge entstanden ab 1850 mehrere Sägewerke und Mühlen, zwei Eisengießereien und eine Landmaschinenfabrik. 1869 öffnete der Bahnhof an der neuen Eisenbahnstrecke Berlin, Stettin, Danzig, und 1878 nahm die Bahnlinie nach Rügenwalde ihren Betrieb auf. Die zwischen 1875 und 1910 von 5.141 auf 6.620 angewachsene Bevölkerung wurde mit den neuen Energieträgern versorgt, nachdem 1896 ein Gaswerk fertiggestellt war, wurde die Stadt ab 1911 elektrifiziert. 1918 wurde Schlawe Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. 1928 baute sich die kleine katholische Gemeinde die Pfarrkirche zum Hl. Antonius von Padua. Am Ende der Weimarer Republik war Schlawe zu einem kleinen Industriezentrum mit 18 Betrieben herangewachsen.

Anfang des Jahres 1945, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, musste sich die Bevölkerung vor der anrückenden Roten Armee auf die Flucht begeben. Im März 1945 wurde die Stadt von sowjetischen Truppen erobert, nachdem sie zuvor zur Hälfte zerstört worden war. Viele Deutsche, deren Häuser die Bombenangriffe überdauert hatten, kehrten nach der Flucht wieder zurück. Die Stadt kam anschließend unter polnische Verwaltung und wurde in Sławno umbenannt. Es begann nun die Zuwanderung polnischer und ukrainischer Bürger aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die an ihren Heimatorten von der zuständigen Sowjetkommandantur im Allgemeinen vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auswandern zu müssen. Die Deutschen wurden aus ihren Häusern gedrängt und anschließend aufgrund der sogenannten Bierut-Dekrete größtenteils aus Schlawe vertrieben.

Unter der polnischen Verwaltung wurden die Lebensmittelindustrie, die holzverarbeitende Industrie und die Konfektionsindustrie reaktiviert. Im Zuge der Neuordnung der Gebietsverwaltung wurde Sławno Kreishauptstadt, verlor diesen Status jedoch 1975 wieder. 1960 begann der polnische Staat damit, die immer noch zu großen Teilen in Trümmern liegende Stadt wieder aufzubauen. Sie entwickelte sich. Nach dem Ende des Kommunismus wurde es möglich, im Norden der Stadt moderne Wohnsiedlungen zu errichten. 1999 wurde Sławno erneut Kreishauptstadt.

Kirche der Himmelfahrt der Jungfrau Maria
Villa Schultz aus dem Jahre 1879
Postamt,erbaut 1905
Kirche des hl. Antonius von Padua in den Jahren 1925–1928. Architekt: Diedrich Suhr.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1791: 1682, davon 13 Juden[5]
  • 1852: 4382[6]
  • 1875: 5141
  • 1910: 6620
  • 1939: 9746
  • 1947: ca. 4800
  • 1999: ca. 14.000

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Stadtpfarrkirche zur Heiligen Jungfrau Maria (gotisch, 14. Jahrhundert)
  • Stadtamt, erbaut um 1900, mit interessanten Glasmalereien: Wappen der Orte des deutschen Kreises Schlawe und Adelswappen der Grundbesitzer des Kreises
  • Reste der Stadtmauer mit zwei gotischen Toren: Kösliner (1453) und Stolper Tor (1458) (poln. Brama Koszalińska und Brama Słupska)
  • Waldreservat „Schlawer Eichenwald“ (Sławieńskie Dęby)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • David Ruhnken (1723–1796), Gelehrter und Bibliothekar, besuchte bis Ostern 1739 die Lateinschule in Schlawe.

Ehrenbürger der Stadt[Bearbeiten]

  • 1895: Otto von Bismarck (1815–1898), Reichskanzler
  • 1915: Hermann Kühn (1851–1937), Staatssekretär im Reichsschatzamt
  • 1915: Hubert von Michaelis (1858–1925), Rittergutsbesitzer, Major a.D., Mitglied des Reichstages und des preußischen Herrenhauses, Kreisdeputierter des Kreises Schlawe
  • 1927: August Steinhorst (1853–1937), Stadtältester und Ratsherr der Stadt Schlawe

Gmina Sławno[Bearbeiten]

Sławno
Wappen der Gmina Sławno
Sławno (Polen)
Sławno
Sławno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Sławno
Geographische Lage: 54° 21′ N, 16° 40′ O54.3516.666666666667
Einwohner: -
(30. Jun. 2013)[8]
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: ZSL
Gemeinde
Gemeindeart: Landgemeinde
Gemeindegliederung: 28 Ortschaften
22 Schulzenämter
Fläche: 284,20 km²
Einwohner: 8966
(30. Jun. 2013)[9]
Bevölkerungsdichte: 32 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3213062
Verwaltung
Bürgermeister: Wojciech Antoni Stefanowski
Adresse: ul. Curie-Skłodowskiej 9
76-100 Sławno
Tel. (0048-59) 810 76 29
Webpräsenz: www.gminaslawno.pl

Die Stadt Sławno ist zugleich Amtssitz der Landgemeinde (gmina wiejska) Sławno, wobei das Stadtgebiet nicht zum Gemeindegebiet gehört.

In Polen gibt es neben dieser Gmina Sławno im Powiat Sławieński noch eine weitere Gmina Sławno, die im Powiat Opoczynski in der Woiwodschaft Łódź liegt und flächen- sowie einwohnermäßig kleiner ist als die hier aufgeführte.

Die Landgemeinde hat eine Fläche von 284,20 km², die das gesamte Stadtgebiet umschließt, und eine Einwohnerzahl von 8966 (30. Juni 2013). Bürgermeister ist seit 2006 Wojciech Antoni Stefanowski.

Die Gmina Sławno grenzt an folgende Nachbargemeinden:

Die Stadt Sławno, die Gmina Darłowo (Rügenwalde), die Gmina Malechowo (Malchow) und die Gmina Postomino (Pustamin) im Powiat Sławieński, die Gmina Polanów (Pollnow) im Powiat Koszaliński sowie die Gmina Kępice (Hammermühle) und die Gmina Kobylnica (Kublitz) im Powiat Słupski in der Woiwodschaft Pommern.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gmina Sławno ist in 22 Schulzenämter untergliedert:

In diesen Schulzenämtern sind 28 weitere Ortschaften zusammengefasst, wie:

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. A. Bath, Berlin 1865 (Nachdruck 1996 durch Sändig Reprint Verlag, Vaduz, ISBN 3253027341), S. 346–354 (Volltext)
  • Unser Pommerland Jg. 10, H. 5: Schlawe-Rummelsburg.
  • Manfred Vollack (Hrsg.): Der Kreis Schlawe. Ein pommersches Heimatbuch. Band 1, Husum Verlag, Husum 1986, ISBN 978-3-88042-239-1. Band 2 Die Städte und Landgemeinden, 2. Auflage. Husum Verlag, Husum 1997, ISBN 3-88042-337-7.
  • Sławno: dawne fotografie i pocztówki = Schlawe: alte Fotografien und Ansichtskarten. Sławno 2002, ISBN 83-917381-0-8.
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Band 2, Stettin 1784, S. 839–841 (Volltext).
  • Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Teil I, Band 4, Leipzig 1793, S. 578 (Volltext).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sławno – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  3. vergl. z.B. Udo Arnold und Marian Biskup (Hrsg.): Der Deutschordensstaat Preussen in der polnischen Geschichtsschreibung der Gegenwart (= Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Band 30). Verlag Wissenschaftliches Archiv, Bad Godesberg 1982, insbesondere S. 130.
  4. Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern. Band 1. 2. Auflage. Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1919, S. 121. Nachdruck: Weltbild Verlag, Augsburg 1992, ISBN 3-89350-112-6.
  5. Christian Friedrich Wutstrack: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogtum Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736.
  6. Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 548.
  7. http://slawno.pl
  8. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  9. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.