Schreckstarre

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Verhaltensweise von Tieren. Die Krankheit siehe Kataplexie
Schreckstarre bei einem gegriffenen Mauersegler-Jungvogel

Schreckstarre ist ein Zustand völliger Bewegungsunfähigkeit. Er tritt ein, wenn ein Tier von einem Beutegreifer bedroht wird oder aus anderen Gründen in eine plötzlich auftretende Stress­situation geraten ist. Alternative Bezeichnungen sind Starre, Totstellreflex, Thanatose, Katalepsie und Akinese.

Diese Verhaltensweise ist beispielsweise bei Insekten, Spinnen und Vögeln anzutreffen, ferner bei Reptilien, die von Schlangen bedroht werden. Bei Vögeln wird es unter anderem durch eine erzwungene Rückenlage hervorgerufen.[1] Viele Stabschrecken lassen sich mit angelegten Beinen fallen, um mit ihrer Ähnlichkeit zu Pflanzenteilen für den Fressfeind nicht mehr auffindbar zu sein. Bei Laborratten wird anhand der Schreckstarre auf die Wirksamkeit verschiedener Medikamente bezüglich Schmerz- und Angstreduktion[2] bzw. auf Mechanismen der Angst- und Furchtverarbeitung geschlossen.[3]

Die Schreckstarre ist insofern biologisch zweckmäßig, als manche Fressfeinde primär auf die Bewegung des Beutetieres reagieren (zum Beispiel Schlangen). Ratten flüchten nur, wenn in einer gegebenen Situation eine Fluchtmöglichkeit auch zu erkennen ist; anderenfalls kommt es neben einer Schreckstarre auch zu einer Ausschüttung von körpereigenen Opioiden − unabhängig davon, ob der auslösende Reiz eine Katze (als angeborenes Feindbild) oder ein Elektroschock ist.[4][5]

Der mögliche adaptive Wert der Schreckstarre wurde experimentell auch bei einer Käferart (Rotbrauner Reismehlkäfer) gegenüber einer Springspinnen-Art als Fressfeind nachgewiesen. Die Springspinnen erbeuteten weniger Mehlkäfer von experimentell erzeugten Zuchtlinien, die eine längere Schreckstarre einhielten, als von solchen, die diese früher wieder lösten.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Totstellreflex – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erwin Hentschel, Günther Wagner: Zoologisches Wörterbuch, Gustav Fischer Verlag Jena, 4. Auflage 1990, ISBN 3-334-00348-5
  2. Conti et al. Footshock-induced freezing behavior in rats as a model for assessing anxiolytics
  3. Anagnostaras et al.: Temporally Graded Retrograde Amnesia of Contextual Fear after Hippocampal Damage in Rats: Within-Subjects Examination.
  4. Oliver Schleif: Ein Beitrag zur tiergerechten Haltung der Ratte anhand der Literatur (PDF; 1,3 MB)
  5. M. S. Fanselow, L. S. Lester, F. J. Helmstetter: Changes in feeding and foraging patterns as an antipredator defensive strategy: a laboratory simulation using aversive stimulation in a closed economy. In: Journal of the experimental analysis of behavior. Band 50, Nummer 3, November 1988, S. 361–374, ISSN 0022-5002. doi:10.1901/jeab.1988.50-361. PMID 3209954. PMC 1338904 (freier Volltext).
  6. Takahisa Miyatake, Kohji Katayama, Yukari Takeda, Akiko Nakashima, Atsushi Sugita, Makoto Mizumoto (2004): Is death-feigning adaptive? Heritable variation in fitness difference of death-feigning behaviour. In: Proceedings of the Royal Society London Series B. Band 271, S. 2293–2296. doi:10.1098/rspb.2004.2858