Schwarzgesicht-Uakari

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Schwarzgesicht-Uakari
Systematik
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Sakiaffen (Pitheciidae)
Gattung: Uakaris (Cacajao)
Art: Schwarzgesicht-Uakari
Wissenschaftlicher Name
Cacajao melanocephalus
(Humboldt, 1811)

Der Schwarzgesicht-Uakari oder Schwarze Uakari (Cacajao melanocephalus) ist eine Primatenart aus der Gattung der Uakaris innerhalb der Neuweltaffen (Platyrrhini). Er bewohnt das nordwestliche Südamerika, er lebt in größeren Gruppen und frisst vorwiegend hartschalige Früchte und Samen. Im Jahr 2008 wurden der Aracá-Uakari und der Neblina-Uakari als eigenständige, vom Schwarzgesicht-Uakari getrennte Arten beschrieben.

Merkmale[Bearbeiten]

Das Gesicht ist, wie es für die Uakaris typisch ist, nackt. Es ist schwarz gefärbt, ebenso wie die unbehaarten Handflächen und Fußsohlen. Schwarz ist auch das Fell am Kopf, an den Armen und an den Hinterbeinen. Die Flanken, die Oberschenkel und der Schwanz sind dagegen zimtrot. Der Bauch ist nahezu unbehaart, wird aber von den langen Flankenhaaren überdeckt. Das Rückenfell ist goldgelb gefärbt.

Männchen sind größer als Weibchen. Ihre Kopf-Rumpf-Länge beträgt 44 bis 49 Zentimeter, bei Weibchen 37 bis 45 Zentimeter. Der Schwanz ist wie bei allen Uakaris verkürzt und nicht zum Greifen geeignet, er misst 15 bis 19 Zentimeter. Das Gewicht dieser Art beträgt 2,5 bis 3,7 Kilogramm, wobei nur Männchen schwerer als 3 Kilogramm werden.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Schwarzgesicht-Uakaris leben im nordwestlichen Südamerika im Amazonasbecken. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst das südöstliche Kolumbien, den äußersten Südwesten Venezuelas und das nordwestliche Brasilien. Hier bildet der Rio Negro die nordöstliche Grenze ihres Verbreitungsgebietes, nordöstlich davon leben die zwei 2008 beschriebenen Arten. Ihr Lebensraum ist der tropische Regenwald, wo sie entlang der Ufer von Schwarzwasserflüssen leben, und dort bevorzugt im Igapó, einem Waldtyp, der durch jahreszeitliche Überschwemmungen gekennzeichnet ist.

Schwarze Uakaris bewegen sich meistens auf allen vieren fort. Sie können bis zu zehn Meter weite Sprünge vollführen.

Lebensweise[Bearbeiten]

Schwarzgesicht-Uakaris sind tagaktive Baumbewohner. Im Geäst bewegen sie sich meistens auf allen Vieren fort, sie können bis zu 10 Meter weite Sprünge vollführen. In der Trockenzeit kommen sie gelegentlich auf den Boden. Diese Primaten leben in Gruppen mit mehreren Männchen und Weibchen, die aus 20 bis 30 Tieren bestehen. Es gibt auch Berichte über kleinere, 3 bis 10 Tiere umfassende Verbände. Möglicherweise liegt eine Fission-fusion-Organisation (zeitweiliges Zusammengehen und Sich-wieder-Trennen) vor, bei der sich größere Verbände bei der Nahrungssuche in kleinere Untergruppen aufspalten. Durch ständige Rufe bleiben die Tiere miteinander in Kontakt. Aggressives Verhalten zwischen Gruppenmitgliedern wurde nicht beobachtet.

Über die Fortpflanzung ist wenig bekannt. Es wird generell ein einziges Junges zur Welt gebracht. Die Geburt erfolgt zwischen Februar und April, wenn die Regenzeit beginnt.

Nahrung[Bearbeiten]

Die Nahrung besteht hauptsächlich aus unreifen, hartschaligen Baumfrüchten. Insgesamt wurden die Früchte von 120 verschiedenen Pflanzenarten als Bestandteil der Nahrung des Schwarzen Uakaris ausgemacht. Am begehrtesten sind Kautschukbaum, Micrandra, Eperua und Eschweilera. Neben Früchten werden auch Blätter, Blüten und Insekten gefressen, dies aber nur in Zeiten, wenn an Früchten Mangel herrscht. Da der Schwarzgesicht-Uakari auf sehr harte Früchte spezialisiert ist, gibt es unter den anderen Primaten seines Verbreitungsgebiets keine Nahrungskonkurrenten.

Gefährdung[Bearbeiten]

Einige Indianervölker jagen Schwarzgesicht-Uakaris. Vor allem vom Kanu aus sind sie leicht zu erjagen, da sie stets an Flussufern leben. Für die Stämme der Yanomami und Tucano spielt die Jagd auf Schwarze Uakaris allerdings keine große Rolle.

Die IUCN stufte die Art bis 1994 als „stark gefährdet“ ein, dann wurde sie wegen neuer Erkenntnisse über ihre Häufigkeit auf „nicht gefährdet“ heruntergestuft. Die fortschreitende Zerstörung der Regenwälder könnte diesen Status aber bald wieder ändern.

Systematik[Bearbeiten]

Die Systematik innerhalb der Uakaris ist umstritten. Bis vor kurzem wurden zwei Arten unterscheiden, der Rote und der Schwarze. Häufig wurden innerhalb des Schwarzen Uakari zwei Unterarten unterschieden, die von Alexander von Humboldt beschriebene Nominatform Cacajao melanocephalus melanocephalus mit schwarzem Rückenfell und Cacajao melanocephalus ouakary mit goldgelbem Rückenfell. Boubli u. a. (2008) halten diese Aufteilung für ungerechtfertigt. Sie führen an, dass Humboldt sein Typusexemplar (das später verlorengegangen ist) deutlich mit goldgelbem Rückenfell beschrieb und dass die Fundstelle nicht bekannt sei, da Humboldt das Tier als Haustier erwarb. Sie fassen darum die beiden Unterarten zusammen und beschreiben alle Tiere dieser Art als mit goldgelbem Rückenfell. Allerdings trennen sie zwei nordöstlich des Rio Negro lebende Arten ab: den Neblina-Uakari (Cacajao hosomi), der etwas größer ist und ein längeres, dichteres Fell hat, bei dem der Rücken rötlichbraun gefärbt ist, und den Aracá-Uakari (Cacajao ayresi), der etwas kleiner ist und ein deutlich dunkleres Fell hat.

Literatur[Bearbeiten]

  • Adrian A. Barnett: Cacajao melanocephalus. In: Mammalian Species. Nr. 776, 2005, ISSN 0076-3519, S. 1–6, online (PDF; 340 KB).
  • Jean P. Boubli, Maria Nazareth F. da Silva, Manuella V. Amado, Tomas Hrbek, Francisco Boavista Pontual, Izeni P. Farias: A Taxonomic Reassessment of „Cacajao melanocephalus“ Humboldt (1811), with the Description of Two New Species. In: International Journal of Primatology. 29, Nr. 3, 2008, S. 723–741.
  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-540-43645-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwarzgesicht-Uakari (Cacajao melanocephalus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Cacajao melanocephalus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2009. Eingestellt von: A. A. Barnett, J.-P. Boubli, L. M. Veiga, E. Palacios, 2008. Abgerufen am 5. November 2009
  • Informationen und Fotos bei Primate Factsheets (englisch)