Palmengewächse
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Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) |
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| Schultz Sch. |
Die Palmengewächse oder Palmen (Arecaceae oder Palmae[1]) sind die einzige Familie der Ordnung der Palmenartigen (Arecales) innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen (Liliopsida). Verwandte Arten waren schon vor etwa 70 Millionen Jahren in der Kreidezeit weit verbreitet. Die Familie enthält 183 Gattungen mit etwa 2600 Arten.
In der Familie der Palmen findet sich das längste Blatt (bei Palmen der Gattung Raphia mit bis zu 25 Meter Länge), der größte Same (von der Seychellenpalme (Lodoicea maldivica) mit bis zu 22 Kilogramm Gewicht), sowie der größte Blütenstand (in der Gattung Corypha mit geschätzten 10 Millionen Blüten pro Blütenstand) des Pflanzenreichs.[2]
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Beschreibung
Palmengewächse sind verholzende Pflanzen mit einem charakteristischen Blattschopf. Der Stamm weist, anders als bei Laub- und Nadelbäumen, kein sekundäres Dickenwachstum auf. Palmengewächse weisen vielmehr ein primäres Dickenwachstum auf und wachsen nach dem Auskeimen aus dem Samen zunächst in die für ihre Art charakteristische Enddicke hinein. Der Vegetationskegel entwickelt dabei eine Scheitelgrube. Erst nach fünf bis 15 Jahren beginnt das Längenwachstum. Durch diese Wachstumsweise haben Palmen einen von unten nach oben fast durchgehend gleich dicken Stamm.[3] Selten sind Palmen verzweigt, Ausnahme sind zum Beispiel die Hyphaene-Arten und wenige Arten in der Gattung Dypsis. Einige Arten kriechen oder klettern (z. B. Rotang-Palmen). Die gestielten Laubblätter der Palmengewächse heißen Palmwedel. Die Blattspreite wird anfangs immer ungeteilt gebildet und teilt sich erst später.
Die Blütenstände befinden sich meist seitlich oder seltener an der Spitze. Befindet sich der Blütenstand an der Spitze der Palme (endständig = terminal), dann stirbt die Pflanze nach dem Blühen und der Samenbildung ab; diese Arten sind hapaxanth, also mehrjährig, alle anderen sind ausdauernd. Die meistens stark verzweigten Blütenstände sind im knospigen Zustand von einer Spatha als Schutz umhüllt. Die Blüten können zwittrig sein, aber meistens sind sie eingeschlechtig. Es gibt einhäusige (monözische) und zweihäusige (diözische) Palmen-Arten. Die Blüten sind immer dreizählig und sind meistens radiärsymmetrisch, selten ist der Blütenaufbau schraubig. Es sind meist drei Kelch- und Kronblätter vorhanden; sie sind frei oder verwachsen. Es sind meist sechs, selten weniger Staubblätter vorhanden; davon sind oft einige zu Staminodien reduziert. Die drei Fruchtblätter können vollkommen frei oder an ihrer Basis verwachsen sein. Jedes Fruchtblatt enthält ein bis zwei Samenanlagen. Selten kann man einen Griffel erkennen und so sind die drei Narben je Blüte meist sitzend. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie) oder durch den Wind (Anemophilie).
Palmen bilden Schließfrüchte, meistens harte Beeren oder Steinfrüchte. Das Perikarp ist glatt, behaart, mit Stacheln oder Schuppen besetzt. Die Früchte enthalten meist einen oder zwei bis drei oder selten bis zu zehn Samen.
[Bearbeiten] Verbreitung
[Bearbeiten] Natürliche Verbreitung
Palmen sind weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten verbreitet, auch auf zahlreichen ozeanischen Inseln. Die nördlichsten natürlichen Vorkommen liegen in Europa bei 42° nördlicher Breite in Südfrankreich für die Zwergpalme, in der Schweiz im Kanton Tessin (verwilderte Hanfpalmen), in Nordamerika in Kalifornien und Georgia bei 33° nördlicher Breite. Das südlichste Vorkommen liegt bei 44°18´ südlicher Breite auf den Chatham-Inseln, wo die Nikau-Palme und die Princilia-Palme vorkommen. Die Palmen wachsen je nach Art in Höhenlagen von Meeresniveau als auch bis zu 4000 Metern.
[Bearbeiten] Gärtnerische Verbreitung
Unabhängig vom natürlichen Vorkommen werden Palmen in weiten Teilen der Welt in öffentlichen und privaten Gärten gepflanzt. Insbesondere die Araber begannen bereits im Frühmittelalter, in den von ihnen bewohnten Gebieten große Palmenhaine gezielt anzulegen. Eine der größten noch existierenden Anlagen dieser Art befindet sich in Elche. In den südeuropäischen Ländern sind kanarische Dattelpalmen an öffentlichen Plätzen allgegenwärtig. Diese von den kanarischen Inseln stammende Fiederpalme ist preiswert, schnellwüchsig und pflegeleicht, wodurch die Bepflanzung und Pflege nur mit geringen Kosten verbunden ist. Obwohl die Kälteresistenz dieser Art nur zwischen -5 °C und -10 °C liegt, ist diese Art auch in kälteren Gebieten Südeuropas zu finden, die eigentlich nicht dafür geeignet sind, da sich erfrorene Pflanzen aufgrund des geringen Anschaffungswertes und überschüssiger Produktion leicht ersetzen lassen. In Mitteleuropa ist die selbige Art als Kübelpflanze beliebt, die mit Ausnahme der Frosttage das ganze Jahr im Freien stehen können. Bei einer Auspflanzung müsste diese Art an den kältesten Wintertagen beheizt werden, wobei aufgrund der entstehenden Energiekosten die Haltung als Kübelpflanze bevorzugt wird.
Als sehr kälteresistent gilt die chinesische Hanfpalme, die Temperaturen bis -12 °C sicher überstehen kann und sogar in Teilen Südschwedens anzutreffen ist. In Deutschland sind viele Exemplare in den Weinbaugebieten zu finden, wobei die Auspflanzung von Palmen durch Stadtgärtnereien bislang sehr unpopulär ist. In privaten Gärten sind sie immer häufiger anzutreffen, was vor allem daran liegt, dass zur Aufpflanzung geeignete Pflanzen in immer mehr Gärtnereien und z. T. sogar Baumärkten zum Sortiment gehören. Allgemein wird eine Auspflanzung ohne Winterschutzvorkehrungen jedoch nur in Regionen mit mildem Winter - beispielsweise an der Küstenregion oder im Oberrheintal empfohlen.
Neben den beiden erwähnten Arten gibt es eine Reihe weiterer Arten, die in Mittel- oder Südeuropa wachsen können und eine ähnlich hohe Kälteresistenz wie die Hanfpalmen aufweisen können. Diese Arten sind ebenfalls käuflich erwerblich, jedoch sehr teuer, da sie sehr schwierig zu züchten sind und zum Teil unter Naturschutz stehen. Die seltenen Arten sind außerhalb ihrer natürlichen Umgebung von daher meist nur in botanischen Gärten zu finden.
Die Kälteresistenteste unter den bekannten Arten ist die Sabal Minor. Unter guten Bedingungen kann sie Temperaturen bis zu -26°C überleben. Da diese Art nur sehr schwer erhältlich und meist sehr teuer ist, gibt es nur eine sehr geringe Verbreitung.
[Bearbeiten] Nutzung
[Bearbeiten] Nahrungsmittel
Von rund 100 Palmen sind die Früchte essbar (Dattelpalme, Palmyrapalme), von anderen die Samen (Kokosnuss, Betelnuss, Palmyrapalme). Den essbaren Vegetationskegel bezeichnet man als Palmherz, aus dem Mark des Stammes einiger Arten lässt sich Sago gewinnen. Im indomalayischen Raum hat die Sagopalme eine große Bedeutung als Stärkelieferant. Der Saft von Palmen wird zur Herstellung von Getränken benutzt, aus ihm kann auch Zucker gewonnen werden. Durch Gärung entsteht Palmwein. Auch durch die Vergärung von Fruchtfleisch lassen sich Getränke herstellen. Wenige Palmenblüten locken Bienen an, Palmhonig wird nicht von Bienen gewonnen sondern entsteht durch Einkochen des Palmensaftes etwa wie Ahornsirup.
[Bearbeiten] Baumaterialien
In vielen Ländern ist die Palme das Grundmaterial für den Hausbau, wobei die Stämme als Holz und die wasserabweisenden Blätter für die Dacheindeckung genutzt werden. Aus Rotangpalmen (Calamus) werden Rattan-Möbel hergestellt.
[Bearbeiten] Gartenbau
Palmen werden sowohl als Stilelement zur Vermittlung eines südländischen Eindrucks genutzt als auch in regenarmen Gebieten zur Stabilisierung des Bodens an Böschungen und (evtl. bewässerten) Grünanlagen. Sie sind auch wesentlich unempfindlicher gegen Windbruch als Laubbäume, sodass sie gut an windexponierten Stellen gedeihen können.
[Bearbeiten] Systematik
Die Systematik der Arecaceae erfuhr in den letzten Jahren durch molekulargenetische Studien einige Änderungen, während etliche lange bestehende Gruppen bestätigt wurden. 2005 wurde eine die verschiedenen Teilarbeiten zusammenfassende Klassifikation der Familie publiziert[4]. Die hier verwendete Systematik ist die leicht veränderte Version, wie sie in Genera Palmarum 2008 dargestellt wird[5]:
- Unterfamilie Calamoideae
- Tribus Eugeissoneae
- Tribus Lepidocaryeae
- Subtribus Ancistrophyllinae
- Subtribus Raphiinae
- Subtribus Mauritiinae
- Tribus Calameae
- Subtribus Korthalsiinae
- Subtribus Salaccinae
- Subtribus Metroxylinae
- Subtribus Pigafettinae
- Subtribus Plectocomiinae
- Subtribus Calaminae
- Rotangpalmen (Calamus)
- Retispatha
- Daemonorops
- Ceratolobus
- Pogonotium
- Unterfamilie Nypoideae
- Nipapalme (Nypa)
- Unterfamilie Coryphoideae
- Tribus Sabaleae
- Tribus Cryosophileae
- Tribus Phoeniceae
- Dattelpalmen (Phoenix)
- Tribus Trachycarpeae
- Subtribus Rhapidinae
- Chamaerops
- Guihaia
- Hanfpalmen (Trachycarpus)
- Rhapidophyllum
- Maxburretia
- Rhapis
- Subtribus Livistoninae
- incertae sedis Trachycarpeae
- Subtribus Rhapidinae
- Tribus Chuniophoeniceae
- Tribus Caryoteae
- Tribus Corypheae
- Tribus Borasseae
- Subtribus Hyphaeninae
- Bismarckia
- Satranala
- Doumpalmen (Hyphaene)
- Medemia
- Subtribus Lataniinae
- Subtribus Hyphaeninae
- Unterfamilie Ceroxyloideae
- Tribus Cyclospatheae
- Tribus Ceroxyleae
- Tribus Phytelepheae
- Ammandra
- Aphandra
- Steinnusspalmen (Phytelephas)
- Unterfamilie Arecoideae
- Tribus Iriarteeae
- Tribus Chamaedoreeae
- Hyophorbe
- Wendlandiella
- Synechanthus
- Bergpalmen (Chamaedorea)
- Gaussia
- Tribus Podococceae
- Tribus Oranieae
- Tribus Sclerospermeae
- Tribus Roystoneae
- Tribus Reinhardtieae
- Tribus Cocoseae
- Subtribus Attaleinae
- Beccariophoenix
- Jubaeopsis
- Voanioala
- Allagoptera
- Attalea
- Geleepalmen (Butia)
- Kokospalme (Cocos)
- Honigpalme (Jubaea)
- Lytocaryum
- Syagrus
- Parajubaea
- Subtribus Bactridinae
- Acrocomia
- Astrocaryum
- Stachelpalmen (Aiphanes)
- Bactris
- Desmoncus
- Subtribus Elaeidinae
- Subtribus Attaleinae
- Tribus Manicarieae
- Tribus Euterpeae
- Tribus Geonomateae
- Tribus Leopoldinieae
- Tribus Pelagodoxeae
- Tribus Areceae
- Subtribus Archontophoenicinae
- Subtribus Arecinae
- Betelpalmen (Areca)
- Nenga
- Pinanga
- Subtribus Basseliniinae
- Subtribus Carpoxylinae
- Subtribus Clinospermatinae
- Subtribus Dypsidinae
- Subtribus Linospadicinae
- Subtribus Oncospermatinae
- Subtribus Ptychospermatinae
- Subtribus Rhopalostylidinae
- Subtribus Verschaffeltiinae
- Incertae sedis Areceae
Die Verwandtschaftsverhältnisse der fünf Unterfamilien werden durch folgendes Kladogramm dargestellt:[6]
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[Bearbeiten] Quellen
- Die Familie der Arecaceae bei der APWebsite (engl.)
- Beschreibung der Familie der Arecaceae bei DELTA. (engl.)
- Pei Shengjii, Chen Sanyang & John Dransfield: Arecaceae: Beschreibung und Bestimmungsschlüssel der chinesischen Taxa bei Flora of China (draft). (engl.)
[Bearbeiten] Literatur
- David L. Jones: Palmen, Könemann in der Tandem Verlags-GmbH, 2002, ISBN 3-8290-4889-0
- Frank O. Steeb: Palmen. Portraits der bekanntesten Arten aus aller Welt. Mosaik Verlag GmbH, München 1993, Buch-Nr. 03668
- Natalie W. Uhl, John Dransfield: Genera Palmarum: A Classification of Palms Based on the Work of Harold E. Moore, Jr.. Genera Palmarum, 1987, ISBN 0-935868-30-5
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Artikel 18.5 Internationaler Code der Botanischen Nomenklatur 2006, abgerufen 5. August 2009.
- ↑ P. Stevens: APWeb, abgerufen 29. November 2009.
- ↑ Dietrich Böhlmann: Warum Bäume nicht in den Himmel wachsen – Eine Einführung in das Leben unserer Gehölze, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2009, ISBN 978-3-494-01420-3, S. 18.
- ↑ John Dransfield, Natalie W. Uhl, Conny B. Asmussen, William J. Baker, Madeline M. Harley, Carl E. Lewis: A New Phylogenetic Classification of the Palm Family, Arecaceae. Kew Bulletin, Band 60, 2005, S. 559-569. (JSTOR)
- ↑ John Dransfield, Natalie W. Uhl, Conny B. Asmussen, William J. Baker, Madeline M. Harley, Carl E. Lewis: Genera Palmarum. The Evolution and Classification of Palms. Zweite Auflage, Royal Botanic Gardens, Kew 2008, ISBN 978-1-84246-182-2, S. 138f.
- ↑ Conny B. Asmussen, John Dransfield, Vinnie Deickmann, Anders S. Barfod, Jean-Christophe Pintaud, William J. Baker: A new subfamily classification of the palm family (Arecaceae): evidence from plastid DNA phylogeny. Botanical Journal of the Linnean Society. Band 151, 2006, S. 15-38. doi:10.1111/j.1095-8339.2006.00521.x
[Bearbeiten] Weblinks
- Australische Palmen-Gesellschaft (englisch)