Seleukia Pieria

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36.12435.922Koordinaten: 36° 7′ N, 35° 55′ O

Reliefkarte: Türkei
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Seleukia Pieria
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Türkei

Seleukia Pieria war die in der Antike höchst bedeutende Hafenstadt von Antiochia am Orontes und liegt ca. 32 km von diesem Ort entfernt am Meer, beim modernen Dorf Çevlik. Der heutige Name ist Samandağ. Die Stadt liegt etwas nördlich der Mündung des Orontes.

Geschichte[Bearbeiten]

Seleukia Pieria wurde um 300 v. Chr. von Seleukos I. Nikator gegründet, doch wurde die Residenz schon kurz darauf von seinem Nachfolger Antiochos I. nach Antiochia verlegt. Zumindest in den ersten Jahrzehnten war die Stadt dabei nicht wie eine griechische Polis organisiert, sondern nach dem Vorbild makedonischer Städte: Neben dem Stadtrat (peliganes) gab es nur einen einzigen Amtsträger (epistates), der aus der städtischen Oberschicht stammte und im Namen des Königs regierte; eine Volksversammlung gab es nicht. 246 v. Chr. fiel die Stadt im Dritten syrischen Krieg an die Ptolemäer; erst 219 v. Chr. konnte Antiochos III. die Stadt zurückerobern. Möglicherweise gestatteten die Ptolemäer Seleukia zuvor, sich wie eine griechische Polis zu organisieren.

Seit 64 v. Chr. war der Hafen römisch. Wegen der regelmäßigen verheerenden Überschwemmungen ließ Kaiser Vespasian einen Tunnel bauen, der das Wasser von der Stadt wegleiten sollte. Der Titus-Tunnel (türkisch Titus ve Vespasian-yus Tüneli), den Vespasians Sohn Titus fertigstellte, ist ein 1300 m langer, 7 m hoher und 6 m breiter Einschnitt im harten Fels; eine beachtliche architektonische Leistung. Er ist heute zum Teil eingestürzt, aber größtenteils noch begehbar.

Von Seleukia aus brach der Apostel Paulus zu seiner ersten Missionsreise auf (Apostelgeschichte 13, 4). Seit dem 4. Jahrhundert ist Seleukia Pieria als Bistum belegt. Um die Verlandung des Hafens aufzuhalten, wurde im 2. Jahrhundert der Fluss umgeleitet. Dazu wurde ein fast 900 m langes Kanalsystem mit zwei Tunneln angelegt und ein 15 m hoher Damm errichtet[1]. Das System versagte allerdings langfristig; im 5. Jahrhundert verlandete der Hafen immer mehr, und damit begann der langsame Niedergang der Stadt. 526 und 528 wurde die Stadt bei Erdbeben schwer beschädigt. Nach der 540 erfolgten kampflosen Einnahme durch die Perser unter Chosrau I., der bei Seleukia im Mittelmeer badete, wurde die Stadt weitgehend aufgegeben. Mit der arabischen Eroberung um 640 verließen die letzten Einwohner die Stadt.

Im Mittelalter war St. Simeon der Hafen von Antiochia, benannt nach dem nahegelegenen Kloster des Symeon Stylites des Jüngeren.

Ausgrabungen[Bearbeiten]

Ausgrabungen fanden vor allem zwischen 1932 und 1939 statt, als eine Expedition der Princeton University Ausgrabungen in Antiochia durchführte und dabei auch Seleukia untersuchte. Es wurde vor allem einige reich mit Mosaiken ausgestattet Häuser (z. B. das Haus des Trinkwettstreites) ergraben. Die Funde sind im Archäologischen Museum in Antakya ausgestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Glanville Downey: A History of Antioch in Syria. Princeton 1961.
  • Günter Garbrecht: Talsperre und Tunnel am Hafen Seleukeia. In: G. Garbrecht (Hrsg.), Historische Talsperren, Stuttgart 1991, S. 83-89.
  • Armin Jähne: Die "Syrische Frage". Seleukeia in Pierien und die Ptolemäer. In: Klio 56 (1974), S. 501-519.
  • Hatice Pamir: Eine Stadt stellt sich vor. Seleukia Pieria und ihre Ruinen. In: Antike Welt 35 (2004), Heft 2, S. 17–21.
  • Jean-Paul Rey-Coquais: Seleucia Pieria Turkey. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  • Mathias Döring: Die antiken Wasserbauten von Antiochia, Türkei. In: Wasserwirtschaft 1-2, 2012, S. 10-16.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Yaşemin Kuşlu, Sahin Üstun, Water Structures in Anatolia from Past to Present. Journal of Applied Sciences Research 5/12, 2009, 2110